Mittwoch, 24. Dezember 2014

Weihnachtliches Stadtbild

Stadtbild Vierzehn

(Jahr für Jahr und immer weiter)

An Stammtischen in Kneipen kenne ich mich nicht aus, im Café-Depot sehr wohl. Auch immer die gleichen Alten an den Stehtischen, von Sehen kenne ich sie schon. Wenn es nieselt, bleibe ich drin und trinke mein Pausen-Käffchen auf meiner Routinetour (Bücher-, CD- u. DVD-Läden).
   „Der tut wenigstens was!“ Aha, sie haben den Jongleur auf der Geschäftsstraße im Auge. Manche machen auch sowas wie Musik, nach allen Möglichkeiten des Könnens. In der Adventszeit ist reges Treiben angesagt.
   „Aber immer diese jungen Kerle, einfach nur mit einem Hund rumlungern – so einen würde ich sofort ins Tierheim schaffen, armes Vieh.“ „Den Kerl?“ Keckerndes Gelächter.

   Sonst politisieren sie, heute haben sie die armen Schweine aus der Ladenzeile im Visier.
   „Und dann die Arm- und Beinstümpfe zur Schau stellen. Organisiert sind die, Zigeuner – also Sinti und Roma, muß ich ja sagen. Die Weiber ohne Schuhe – manchmal Kinder dabei. Schamlos. Alles organisierte Mitleid-Masche! Eine Großmutter barfuß – ohne Zehen.“ Sie steigern sich. „Wenn ich das Sagen hätte…!“
   Heute kommen sie gar nicht zum Abgleichen ihrer Arzt-Termine, sie beißen sich an den bettelnden Menschen in der Nässe fest.
   „Von wegen Hunger, gib denen mal ein Brötchen…die wollen Geld, nur Geld!“ „Aber nix, nur dem lieben Gott den Tag stehlen, abscheulich. Und die stinken!“ „Da gehört mal wieder ein eiserner Besen her, darf man nur nicht so laut sagen.“


Ich gehe an den Tisch nach draußen, lasse mich naßregnen, egal. Ich brauche Luft. Mir geht es seit einiger Zeit wieder gut. Nachher werde ich ein paar Weihnachtswecken kaufen. Ich denke schon, daß sich manche freuen werden. Natürlich nicht die Lästerbacken im Steh-Café.

Samstag, 20. Dezember 2014

MÄNNERSACHE

Ach, wir Männer
(neue, alte Posen)

Bei Buch-Reklamen, und um die soll es hier nun ausschließlich gehen, lebe ich schon lange mit den unsäglichen Porträtfotos mit kalter Pfeife und/oder grübelnder Kopfstütz-Haltung; windzerzaustes Haar kommt auch nicht aus der Mode. Der unfreiwilligen Albernheit sind hier keine Grenzen gesetzt. So ungeheuer beeindruckend (soll das sein). Kopfmenschen – oh ja!
   Die letzten Jahre wurde ich genervt von Sachbuch-Autoren, immerzu mit im Genick gefalteten Händen und ausgestellten Ellenbogen. Eine Schein-Gelassenheit demonstrierend, schrecklich. Und sooo unantastbar, in der Abwehrhaltung. Selbstzufrieden, in das ICH verliebt. Mustergültige Selbstgefälligkeit. Dem Leser soll signalisiert werden: „Lies mein Buch, dann wirst Du so toll wie ich.“ Ein Scheiß werde ich!
   Es ist eine neue Ära gekommen, abgeguckt bei den allgemeinem Reklamen für jeden Mist: In einem neuen Buchprospekt posieren sieben (SIEBEN!) Autoren auf nur wenigen Seiten mit selbstgerecht verschränkten Armen (in TV-Reklamen kommt noch das obligate Nicken dazu; wichtig: aufrechte Kopfhaltung, Kinn recht hoch!). Das ist in den künstlich gestellten Posen für mich obligat enthalten. Es soll signalisieren: „Na, wie war ich? Sag nichts, ich weiß es doch selbst!“ Quasi eine rhetorische Geste. Könnte mich irgendwas mehr zum Kotzen reizen?
   Ohne sich dem Anschein zu ergeben, metrosexuell zu sein, genügen Dreitagebart und Ohrsticker und was für ein Gesums noch die Eitelkeit verrät, schon lange nicht mehr. Mann-O-Mann. Ein Trauerspiel.
   So erobern wir verlorenen Boden wohl nicht zurück. Mannsbilder auf verlorenem Posten. Bei Frauen ist schon allein das Patschehändchen (am angewinkelten Arm baumelt haltlos das schlaffe Pfötchen) unerreichbar. Diese gezickte Armstellung (hat einer das Handtäschchen gemopst und die Trine bemerkt es nicht?) habe ich schon in jeder Altersklasse gesehen, in bestimmten Lebenssituationen gar beidseitig.
   Ach komm, geh weg – da reichen wir doch nie dran – zu spät, alles verloren und unwiederbringlich, wir haben verspielt. Der Traum vom Achtung gebietendem Manne ist ausgeträumt. Wacht auf, Ihr „Schniedelisten“! Der affige Griff zwischen die Beine, ein vergebliches Unterfangen.

   Da lobe ich mir doch Fotos von Tieren; sie gelten als schwer fotografierbar, es kommt genau auf den richtigen Moment an – aber sie zieren sich nicht, sie posieren nicht, sie sind natürlich. Unbezahlbare Persönlichkeiten.

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Der Greenboy bringt’s

Küsschen?

(ein Lover packt aus)

Die ganze Wahrheit – heute früh hat er sie mir erzählt. Ich wußte es, habe es ja geahnt. Ob es an ihm nagte, wollte er sein Gewissen beruhigen? Chico, der grüne Lover, erzählte es mir, wie es so steht um die Zweierbeziehung, schonungslos offen schüttete er sein Herz aus (ein Monolog):

Bist du müde?
Chico? Bist du müde?
Küsschen …Küsschen
NEIN! Chico, nein – ganz lieb.
So isser lieb.
Gaaanz brav, Chico.
Nein, nicht beißen.
-         Kunstpause –
Willst du was haben?
Chico? Willst du was haben?
Lecker-lecker
Hmmmm! Guten Appetit.
Ganz lieb
Brav
-         Gähnen, Niesen, Lachen (alles original Sabine) –
Küsschen? So isser lieb.
Na-a?
MOIN-MOIN-MOIN

Man erkennt die Story: der Flirt, ein Eklat, die Versöhnung, die Belohnung.
Und das dreifache MOIN – sensationell. Nur bei Chico!
Gegen solch einen charmanten Liebhaber kommt MAN nicht an.
Es ist wie es ist. 


Montag, 1. Dezember 2014

Auf den Hund gekommen

Ansichten unter Kerlen

(Typisch Männer, sagen die Frauen)

Es ist schon sensationell, wenn ein Tier mit einem redet. Die Sensation ist aber begrenzt, wenn es nur mit EINEM redet – und dann bist Du es – ganz allein. Es ist völlig klar, daß es in diesem kleinen Kreis bleiben muß, denn platzt Du damit vor anderen heraus, kann es nur schiefgehen.
   STROMER war mir zugelaufen, wir verstanden uns sofort, und daß ich ihn nicht umgehend kastrieren ließ, rechnete er mir hoch an. Kumpanei entstand, und als er auf einmal mit mir redete, also NUR mit mir, war das schon ein Ereignis der besonderen Art. Wir sprachen über die Dinge des Lebens, aber nicht nur – manchmal war ihm so nach Männergespräch, kurzum, er liebte den Herrenwitz. Das hätte ich nicht erwartet. Wenn er für alle vernehmbar vor sich hin jaulte, quengelte, seine Töne machte, bei mir kam seine Sprache an. Und es spielte sich ein. Gingen wir die Geschäftsstraße entlang, dann kamen seine flapsigen Sprüche ‚Boah, die Alte hat ja einen Arsch wie ein Brauereigaul‘ – und ich antwortete ihm unverfänglich, „Ja, wir gehen gleich in den Park, Stromer.“ ‚Hast du das Figürchen gesehen – eine echte Sahneschnitte‘. „Ja Stromer, du bekommst gleich dein Leckerli.“ Verbalerotik, ich wurde von Stromer deftig unterhalten.
   Saßen wir auf einer Parkbank und setzte sich eine junge Frau mit Minirock neben mich, dann vollführte er seine dem Thai-Chi ähnelnden Übungen, um sich in eine bessere Perspektive zu manövrieren, und bald informierte er mich ungefragt ‚sie trägt ein rosa Höschen‘. „Ach Stromer, schmerzt wieder dein Rücken“, beantwortete ich sein Jaulen, und oft entstand dadurch auch ein kleines Gespräch mit der Sitznachbarin, mitfühlend, was denn mit dem armen Hundi sei. Unsere Dauer-Nummer, was für ein Hund er sei, brachte uns immer zu EIN ECHTER STRAGAMI (ach wirklich? So sehen die aus? - und wir lachten später beide über die Worterklärung: Straßen-Gassen-Mischung). Stromer war stolz darauf. War er bei Laune und erkannte, daß die junge Lady ein offenherziges Top trug, machte er die Winsel-Darbietung; undenkbar, daß sich die flotte Lady nicht tief zu ihm bückte, worauf ich ihm auf seine drängenden Fragen hin, wie es ausschaue, ob die Glocken schön läuten, verschwörerisch antwortete, daß wir gleich wieder rauf in die Hügel fahren. Stromer liebte diese Anzüglichkeiten. „Wir müssen noch an Milch denken, Stromer.“ Er begeierte sich dann, weil er wußte, diese paradiesischen Äpfelchen kamen bei mir gut an.
   Neulich im Aufzug wurde es doch brisant. Eine hochmütige Fashion-Mietze taxierte uns verächtlich – Stromer ging es gleich auf den Zeiger wie mir auch. In ihrem Mini, eher ein breiter Ledergürtel, lümmelte sie sich in die äußerste Ecke der Kabine und Stromer wußte, was zu tun war. Er rollte sich in gute Position und jaulte seine Offenbarung postwendend zu mir: ‚Boah Alter ey, kein Slip – eine rasierte Muschi, echt heiß, das Pfläumchen!“ Ich geriet in Not, wußte ja, daß er nur für mich verständlich war, sagte auf ihr gezicktes Quieken hin „Laß gut sein Stromer, wir sind ja gleich wieder im Park“ – als die affektierte Tussi mich wegen des Hundes zu beschimpfen begann. „Halten Sie diese Töle von mir fern, ist ja eine Zumutung, dieser Ungeziefer-Bus, weg da, ksch!!!“ Und Stromer meinte, sie habe einen Denkzettel verdient, beschrieb mir das Intim-Piercing und als wir ausstiegen sagte ich, bevor wir uns abwandten, an meinen ergebenen Hund gewandt: “Ohne Höschen, soso, und dann das Ringelein mit dem roten Steinchen, na gewagt, sag ich nur.“ Ihr ging schreckensstarr der Mund auf, ein schrilles Geschrei entfuhr ihr, ob wir mit Spiegel arbeiten oder was, eine Geschmacklosigkeit sei das, was für ein Sittenstrolch ich sei und derlei mehr. Wir hatten uns schon lachend umgedreht, dennoch rief ich ihr zu „Kein Spiegel, schauen Sie den Hund doch an, nix da – aber ich bin Hellseher, Abrakadabra!“ Und dann entfernten wir Schlingel uns rasch.
   Als Kalinka in der Nachbarschaft einzog, war es uns beiden klar: der Zeitpunkt der unabwendbaren Notwendigkeit war gekommen – die Familienjuwelen mußten ab … also seine. Ich hatte mich ja in meinem Alter schon eine gehörige Weile im Griff, notgedrungen. Und Stromers Gejaule war auf einmal auch für meine Ohren nichts mehr als Gejaule.

   Was aus uns beiden geworden ist – wir sind ein brüderliches Team, nach wie vor, nonverbal sozusagen, Blicke reichen. Reicht irgendwie, muß es doch auch geben.

Samstag, 15. November 2014

GIBRALTAR, ja!

König Fußball

Unsere weltmeisterlichen Kicker spielten gestern Abend gegen Gibraltar. Ein Pflichtspiel im Rahmen der Qualifikation für die Europameisterschaft. Gibraltar ist unter den 208 gelisteten Länderteams noch nicht zu finden. Die deutsche Elf versprach Großtaten! Wie unwürdig. Man erwog, den Rekord von 1912 zu brechen, als gegen Russland 16 : 0 gewonnen wurde (es hat noch 3 zweistellige Ergebnisse in der deutschen Fußballgeschichte gegeben). Die Voraussetzungen waren in etwa so, als wenn unser mehrfacher Zeitfahrweltmeister Toni Martin gegen einen Rentner auf einem Hollandrad antritt. Ich wollte diesen Unfug erst gar nicht schauen, aber der parallel ausgestrahlte Wohlfühlfilm war einfach nur unerträglich klischeehaft. Also schaute ich doch, der Neugier halber, ob der Gegner wirklich elf Männer aufzubieten imstande war (oder ob doch mit einem Affen aufgestockt wurde). So erfuhr ich im Laufe der Übertragung mehr über einen Staat, der die Größe des Regierungsviertels in Berlin hat, neunundzwanzigtausend Einwohner, einen (!) Fußballplatz und sechshundert Ballfreunde, die auf Anhieb das runde Spielgerät zu erkennen sich in der Lage bekennen. Bislang wußte ich nur von den Felsenaffen. Nun trat quasi gegen den amtierenden Weltmeister eine Pub-Thekenmannschaft an. Gestandene Männer, die für gewöhnlich einer richtigen Arbeit nachgehen.

   Mein Mitleid war schnell dahin – wie beherzt kämpften diese Jungs aus dem Zwergstaat – und wie vergeblich rannten unsere geldschweren Ballkünstler gegen das Verteidigungsbollwerk an. Da es nur zu drei mit Hängen und Würgen erreichten Toren langte, halfen die Gegner, von der Darbietung peinlich berührt, mit einem Unglückstreffer aus. Ihr eigener Treffer lag mehrfach in der Luft, das Quäntchen Glück fehlte ihnen. Keine gelben Karten, man spielte fair. Die zweite Halbzeit verging in lustloser Hoffnungslosigkeit, denn die deutschen Profis brachten die wackeren Gegner nicht einmal zur Ermüdung. Eigentlich eine unverzeihliche Schmach.

   Ich hoffe, es ist noch zum Trikottausch gekommen, damit unsere Spieler von richtigen Kämpfern auch mal ein Souvenir in den Händen halten dürfen. Ich war zu meiner Pflichtsendung HEUTE SHOW vorzeitig und erlöst entkommen.


   Am Dienstag geht es gegen Spanien, es geht um nix außer der Reise ins Warme. Und die mache ich auch, parallel – Wohlfühlreise.

Donnerstag, 13. November 2014

RAUMFAHRT

Sonde auf Komet gelandet!

Na, das hat sich aber gelohnt: UNSERE Sonde ist auf einem Kometen gelandet (dieser ist für uns nahezu unaussprechlich benannt, wie ein isländischer Vulkan) – und das ganze Szenario fand in über fünfhundert Millionen Kilometern Entfernung statt. Egal, die Mission für 1,3 Milliarden ist geglückt; wie üblich traumselige Umarmungen in der Kontrollstelle, eine Landung auf einem Klumpen von vier Kilometern Durchmesser, wirklich ein Sandkorn dort draußen – diese Leistung ist sogar für mich nachvollziehbar. Besonderen Respekt habe ich vor der über elf Jahre andauernden peniblen Arbeit (auch wenn letztlich das der Verankerung dienende Harpunensystem nicht so klappte wie gedacht, man wird sich eh in hundert Jahren über dieses simple System vor Lachen ausschütten).

   Die erste bemannte Mondlandung (aus heutiger Sicht ein Katzensprung)  ist eines dieser Daten, wo man für gewöhnlich gefragt wird, wo man sich in diesem Moment aufgehalten habe. Genau kann ich nur sagen, in der Nacht zum 21. Juli 1969 war ich an keinem Fernseher, das weiß ich mit Bestimmtheit. Mein Sprung ging in den Tagen von Betzdorf nach Koblenz, Berufsleben ab 1. August.

   Der Forschungsdrang der Menschheit ist verständlich, denn gäbe es ihn nicht, wir würden wohl von Ast zu Ast hangeln und uns preisgünstiger die Köpfe mit Keulen einschlagen. Oh, genau da wollte ich ja hin: Die Kosten. Jede Mission ins All verschlingt Milliarden. Das gibt mir zu denken – der Zustand der Welt, das Leben der Menschen – und dann diese Unsummen. Sollten wir nicht zuerst unseren Planeten in Ordnung bringen und insbesondere allen Menschen ein würdiges Dasein ermöglichen - dem selbstverliehenen Titel KRONE DER SCHÖPFUNG gerecht werden? Offenbar nicht, denn die Völker wetteifern ja, wer mehr außerhalb unseres Planeten zu erreichen imstande ist, zu den Russen und Amis kommen Chinesen und Europäer hinzu, Inder und andere sind nicht weit weg. Na toll!

   Es heißt ja, man will unserer Schöpfung auf den Grund gehen – akribisch klären, woher wir kommen  (wer wir sind, kann man ja unschwer erkennen – und wo die Reise hingeht, leider auch). Die größte Frage ist doch jedem Hanswurst eindeutig anzusehen: Sind wir die einzigen? (Die Zeit drängt, wer weiß, wie lange es noch mit uns so weitergeht…)

   Der Wissenschaftsphilosoph Hoimar von Ditfurth brachte es damals auf den Punkt: Die Unendlichkeit des Weltenraums, die unvorstellbare Zahl von Planeten, ja sogar Sonnensystemen – und da maßen wir uns an, die Einzigen zu sein? Und das rumort in der Wissenschaft, die menschliche Neugier ist das ausschlaggebende Treibmittel. Voran, voran – und immer Erster sein!

   Ich stelle mir dann oft eine Landung auf einem ganz fernen Planeten vor. Die Menschlein hüpfen aus ihrer Raumsonde heraus, hampeln mit ihrer lustigen Verkleidung in Zeitlupe herum, eine Kamera filmt alles punktgenau und sendet es angerührt nach Hause zu Mutter Erde – und da: Auf einmal kommt durch die Luft eine riesige Fliegenklatsche, schlägt zu – und es bleibt nur die Momentaufnahme, als alles zerdeppert wird. Und nun wieder zig Jahre emsige Arbeit und verbissener Neuanlauf – was war das nur???


Zugabe: Oder ein monströses Wesen macht ein Selfie mit unseren Leuten, bevor es sich und den kauzigen Zweibeinern Eiswasser über die Rübe kippt (Es gibt Wasser, es gibt Wasser!!!) – aber die Übertragung endet – es löst sich alles auf …wohl doch kein Wasser gewesen.

Sonntag, 9. November 2014

NEUDEUTSCH

Teutsch, DEUTSCH, Neudeutsch

(sprachliche Wirrnis, ein Faß ohne Boden)

Daß ich mich in diesem Gebiet wiederhole, geschieht zwangsläufig, vor allem, wenn es um Eigenheiten geht, die nicht MEINEM Deutsch entsprechen. Ich darf das – bei mir. Hier. Aber nun die neueste Nachricht: Auf Dauer kann man sich nicht gegenüber Allem sperren, lebendige Sprache setzt Veränderbarkeit voraus. Wandel der Zeit – aber eben nicht grenzenlos, nicht mit mir (z. B. dem wunderschönen deutschen „ß“ gebührt bei mir genügend Raum, nach wie vor –niemals käme man in anderen Ländern auch nur auf den Gedanken, die ihnen eigenen Sonderzeichen anzutasten). Und schon gar nicht nach „Diktatur“ einer vergleichbar ominösen DUDEN-Redaktion, die bei uns seinerzeit schon beispielsweise zu verklickern probierte, zwischen dasselbe und das Gleiche bestehe kein Unterschied mehr. Anmaßende Willkür. Von der unsäglichen Reform will ich gar nicht wieder anfangen. Weitestgehend völlig realitätsfern! Andererseits hat es sich durch Volkes Kraft eingebürgert (sogar auf professioneller Ebene vernehme ich es seit geraumer Zeit): dieses vermaledeite ‚Es macht Sinn‘ (kein Kraut ist mehr dagegen gewachsen, es muß Sinn haben – interessiert kaum noch einen – wir von der mickrigen Opposition, die erbittert dagegen halten, wir stehen auf verlorenem Posten. Volksentscheid sozusagen. Es ist sinnlos geworden, dagegen zu Felde zu ziehen. Es HAT einfach keinen Sinn mehr (ja, das mußte jetzt sein; ein klägliches, letztes Aufbäumen).

   Es gibt fragwürdige Tendenzen im allgemeinen Sprachgebrauch, nur mal als Beispiele die Verkürzungen und Aufblähungen. Ersteres diese unsäglichen Tschuldigung, Tach  und besonders schrecklich: sone – gruselig. Kaum noch abzuwenden: Anerkennung! Glückwunsch! Gratulation! Oder das kreuzdämliche Grüß dich!“ (warum sollte ich?) Das ist wirklich ein Spiegel des Zeitgeistes und beweist die grassierende Beschränktheit. Bei Lieb dich! - übrigens eine interessante Befehlsform (ist aber nicht als Aufforderung, sich dem Eigen-Petting hinzugeben, aufzufassen) – hier scheint für mich in der Verkürzung  eine zweckbestimmte absichernde Unverbindlichkeit enthalten  („Ich? Wieso? Ich soll dir gesagt haben, ich würde dich lieben?“) - es ist die Rücktritts-Garantie vorsorglich eingearbeitet! Auf jeden Fall: absolut zeitgemäß, soviel ist gewiß.

   Geschmackssache: die beliebteste aller „rhetorischen Fragen“ – WIE GEHT’S? (How are you?, Ca va? Qué tal?) – und wie international üblich – die Antwort interessiert überhaupt nicht, im Gegenteil, Positives wird unhinterfragt vorausgesetzt, stets zu Gesprächszwecken floskelhaft gekontert („Alles Klärchen“ und solches Zeug). Also, ich frage es zumeist nicht, weil es mich als überzeugten Einzelgänger nicht ernsthaft interessiert – frage ich es jedoch, dann möchte ich auch wirklich Genaueres wissen – aber es ist und bleibt ein Kampf gegen Windmühlen. Eine ernsthafte Frage, zur Floskel international verkommen.

    Ich erinnere (wen denn? Ach Dich selber – dann sag es doch, Mensch!) – das reißt immer mehr ein. Oder: Jemand wird angefragt (sehr gewöhnungsbedürftig für mich). Das Nachstellen von pur (das ist Aufregung  pur) – der reine Blödsinn, aber beliebt, das muß ich zugestehen. „Mega beliebt“, sozusagen. Na – und erst die JA-Sager-Seuche, da greift ein Bazillus gnadenlos um sich und erfaßt den willfährige Laber-Mob (früher, ja früher! sagte das …ja, niemand).

   Ausweitungen haben wir als modernen Sprachballast gerne zur Bekräftigung: Supergau, vorprogrammieren, Rückantwort, Verständnisfrage, nachfolgen, herbeiprovozieren, auseinanderdividieren, Okaaay, ja, so ist das…ja, heute. Für mich nicht weit weg vom berühmten WEISSEN SCHIMMEL. Aufblähen mit diffusen Anhängseln - persönliche Reizbereiche für mich. Trübe, derbe – das ist wie SONE vergleichbar schrecklich. „Sone Männer kenne ich“, „Das ist aber ganz schön derbe von Dir“ – kann ich nur bestätigen! SOLCHE MÄNNER, DAS IST DERB. Meine Güte. Alles wohl die sogenannte „Neu-Sprech“ …SPRECH! (da steht doch schon unverkennbar SPEACH Pate, meine ich). Haste noch Worte, außer SPRACHE. Leider ja, hat man. Kein Ende in Sicht, bei der Schöpfung neuer Blödsinnigkeiten.

   Mit dem inflationär gebrauchten geil lebe ich schon länger, auch mit cool, ein Hammer – nicht mehr wegzudenken. Nur eine Frage der Zeit, und die richtigen Schwachmaten-Parolen werden Gemeingebrauch: „Yo Mann, Alter - was geht ab?“ Bäääh. Hier scheiden sich die Geister, wahrhaftig. Für mich grenzt es an mutwillige Gehör-Verletzung.

   Dann der Bereich der Verschleierung – da wird auf einmal auf FEIN gemacht mittels „Softmacher“, nur nicht raus mit der Sprache: bildungsfern (für ungebildet), minderbemittelt (blöd, und nicht blöde!),  fixieren (klingt nicht so fesselnd), adipös (fett), erfrischend originell (unberechenbar bis unheimlich). Ist es sowas wie „das Beste draus machen, die positive Seite abgewinnen“? Und jetzt gerade hochaktuell: Steuerneutralität (Steuern zahlen? Nö!) oder noch besser: Steuervermeider (kuschelig für den kriminellen Steuerhinterzieher).

Und nun zu den Schmankerln, „Au-weia-Erlebnisse“ aus den „real existierenden“ NACHRICHTEN der letzten Tage, also hochaktuell unter der Woche (wie ich auf  „Neudeutsch“ immer häufiger hören muß):

   „Den Namen erinnern Sie noch?“ (für: Erinnern Sie sich noch an den Namen?)

„Es ist hier neun Grad kalt“  (laut Meteorologie wäre kühl richtig, da über der Frostgrenze; ach so, hier im Westerwald völlig daneben, da 9 Grad  nur als WARM beschrieben werden können, eindeutig).

„Der Ebola-Patient ist in Deutschland verstorben, aber Entwarnung: scheinbar hat sich niemand angesteckt.“ Das soll eine „Entwarnung“ sein – bei anscheinend wäre ich beruhigt, aber bei scheinbar … (soviel zur fachlichen Qualität einer zeitgeistigen Journalistin).

„Er macht nun häufiger Liegestützen.“ Was, verdammt, soll da das N??? (Es ist die Rede von Liegestützen, aber in der normalen Mehrzahl sind es immer noch DIE LIEGESTÜTZE!) – Nur bei beugender Abwandlung, zum Beispiel  im „Fünften Fall Rolle rückwärts“ das N bitte! Das „gehört so“.

„Es wird von einer Millionen Opfern ausgegangen.“ (Und da bin ich noch nicht dabei, rechne mich aber gerne dazu bei einer so tollkühnen Mehrzahl).

„Er benutzt seine Krücken, als wären es Beine.“  (DIE Krücken, also „sie“). Tja, das Mädchen, sie schaut so traurig drein. Verstehe ich gut. Aber für meinen Geschmack empfindet es die Volksseele …richtig. Ja wirklich. ES ist traurig.

„Auf den Tag genau ist es zehn Jahren her.“ (das Jahr, die Jahre – es ist von Jahren die Rede  - die gleiche Chose, aber nicht dieselbe).

„Ich bin bis zuletzt im Wahlkampf, anders wie meine Konkurrenten!“  (Lieber Gott, laß diesen Ministerpräsidenten nicht ins Kultusfach absteigen „als“ andere.

…weil es einer der wenigen öffentlichen Orte waren …( über eine Bilder-Ausstellung in KULTURZEIT, wirklich wahr!)  - der Bundespräsident hat einen gleichlautenden Klopper IM LAUFE DIESER WOCHE gelandet, bei Live-Antworten, das kann passieren. Sei es drum, auf ihm wird schon genug herumgehackt). Solange er nicht lauter Überbrücks-Jas vom Stapel läßt.

„Das Ehepaar war mit ihrem PKW unterwegs.“ (Mit wessen? Wer ist die Unbekannte?)

„Die Radler traten heftig in die Pedalen!“ (wohl zuviel Radler intus, wen schert da schon eine richtige Mehrzahl?)

„Ich sehe viele Läufer wie er.“ (Ohne Worte) – oder doch: Hier steht IHN wohl neben sich. „Verona“-Deutsch.

„Der Polizeipräsident Koblenz meinte es so.“ (Und er heißt nicht Koblenz, ich weiß es, ich habe mit vier Typen leben müssen, alle hießen anders, aber der Bereich Koblenz ist Zuständigkeitsbereich geblieben, FÜR den er einzutreten hatte, VON dem er kam, der Behördenleiter). Liebes Innenministerium: die Behörde ist das Polizeipräsidium, diese Neubenennung DER POLIZEIPRÄSIDENT (unter Beifügung des Ortsnamens) – das ist für die Bevölkerung nicht nur irreführend, es ist auch an sich blödsinnig!

  Was mir fehlt, ist eine Ergänzung zu dem Wort Qualität  (hat GÜTE abgelöst, das Wort wankt auch in der psychologischen Bedeutung). Qualität hat für mich einen positiven Beigeschmack, denn  „die Foltermethoden haben eine ganz neue Qualität erreicht“ – für mich klingt das schon zynisch, irgendwie abartig.

  Und dann seit Jahr und Tag die „Kärcher“-Sprache: immerzu wird „in die Kassen gespült, unter Hochdruck gearbeitet“. Nervig finde ich das, öd und abgedroschen.

   Aussterben wird das Wort „vermutlich“ – wenn ich Sportmeldungen vernehme, es gibt nur noch vermeintlich. Das ist beklagenswert. Sie raffen es fast alle nicht, daß vermeintlich nur irrtümlich angenommen wird.

   Immerzu ist alles heute spannend  (keine Sau redet noch von aufregend oder erregend). Interessant ist was anderes. Langweilig, wenn alles spannend ist. Immer ist alles sogleich waaahnsinnig (und sie haben keinen Schimmer, was sie da sagen). Aus einem Krankheitsbild wird ein Spaß.

Also, am besten alles mit Humor ertragen: „Umgangssprache wird ja sehr oft gesprochen, im Alltag ist sie irgendwie, ja, auf dem Vormarsch, irgendwie  – geschrieben sieht das optisch nicht so prickelnd aus. Von der Emotion her habe ich aber ein gutes Gefühl, okaaay. Ja, nun bin ich ganz, ja, unter uns.“ Voll krass modern, oder wie?  Und wenn ich mich umhöre - keine Unterhaltung mehr ohne dramatische Ausrufe wie:
Wie geil ist das denn?/ Nicht wirklich / Mach Dir keinen Kopf / Das geht gaaar nicht  …dann lieber Kurzformen wie isso, nix und mach hinne.

Das vereinnahmt uns alle früher oder später im Rahmen von NEUDEUTSCH, es MACHT SINN (in Gottes Namen). Und dieses Neudeutsch besteht ja weitgehend aus armseligem Nachäffen, was man so daherschwätzt. Das ist wie früher die Floskeln: Kein Geringerer als, meine Wenigkeit, die Seele baumeln lassen, den Traum leben, er läßt es sich nicht nehmen, und so weiter – nur der Überdruß heilt uns auf Dauer davon. Irgendwann sind diese Phrasen ausgelutscht und vergehen von allein. Nur früher war es halt …besser. Es war nicht so platt, es gab noch  einen Hauch von „Anspruch“. Roundabout, das ist stilvolle Dämlichkeit aus der Manager- und Bonzenwelt (zirka, rund, ungefähr – es gibt genug Begriffe, aber nein …der Dämlichkeit wird kein Ende zuteil).

   Man muß nicht alles machen, was man kann – und man muß auch nicht alles mitreden, bloß weil es üblich ist und modern, es zu sagen.


   Und das stimmt mich letztlich hoffnungsfroh. Ja doch, der Gedanke hat Sinn.

Donnerstag, 23. Oktober 2014

MASKOTTCHEN

Das Maskottchen bin ich


Alle denken, ich sei ein Mann, ein sportlicher Junge, aber ich heiße Nicole. Bei meiner Zweitarbeit, na, eher ein Job, sieht mich niemand wirklich, also nicht mich persönlich – man sieht das samtige bunte Wuschelfell, die Riesenohren, eine knuffige Nase und die üblichen Vier-Finger-Patsche-Pfoten, mit denen ich ständig zu jubilieren habe. Gerade das nimmermüde Herumhüpfen schlaucht – wenn ich nach drei Stunden schweißgebadet aus der Maskerade herauskrieche, dann bin ich rechtschaffen am Boden zerstört. Wieder ein „Event“ abgearbeitet.

   Das angeblich Glück-bringende Stummelschwänzchen ist nicht nur Ziel der Kinder, das ginge ja noch, nein, je besoffener, desto roher der Zugriff der Krakeeler, Ich kann ihnen nicht immer ausweichen, dafür ist meine Maskerade zu groß und ungelenk. Sie finden mich immer, ohne mich zu suchen. Aber schnell rattert es in ihnen, „Da ist ja Wuschel-Dussel!“ - na, dem wird aber rubbeldiekatz das Schwänzchen gehalten!

   Wir kommen dabei oft zusammen zu Fall: Dann werden diese Sich-hervor-Tuer oft ausfallend, manche treten mich. Ich habe große Mühe, wieder auf die großflächigen Taps-Plotschen zu kommen, aber die Übung macht es, vor allem, wenn ich spüre, gleich gibt es wieder Tritte und Watschen gegen meinen Strahle-Grinse-Kopf.  

   Wenn sie dann das Maul laufen lassen, „Drecks- Eierbär“ und sowas rufen, dann geht es noch. Neulich schrieb einer in einem Leserbrief von MasKOTchen, genau so, damit das ganze als Scheiß abgehandelt werden sollte. Auf einmal mußte ich um meinen kläglichen Zuverdienst bangen.

   Aber es gibt auch diese anderen Momente, wenn Frauen gerührt den Kopf seitlich kippen, weil nach längerem Zureden das Kind schließlich doch den Mut aufbringt, mir befangen freundlich die Hand zu reichen. Dann mache ich ein paar hopsende Faxen und viele schauen glücklich. Auch gute Familienväter führen ihre Brut behutsam an mich heran, das gibt es noch trotz allem. Keiner kennt das Innenleben von „Wuschel-Dussel“. Von mir sieht man nur durch ein winziges Fensterchen indirekt einen Ausschnitt der Augenpartie. Leider ist mein Ausblick auch dementsprechend begrenzt. Von hinten werde ich oft erschreckt.

   Bei meiner eigentlichen Arbeit, wenn ich Sportgeräte herausgebe (die Leute haben den entsprechenden Chip von der Kasse in der Hand, ich sehe also, was sie wollen), erkennt mich ja im Grunde genommen auch niemand, dann bin ich ganz offen die wenig attraktive Nicole, die auch hier herum geschubst wird. Damit komme ich dennoch klar. Und das ist auch Routine geworden, ich brauche nämlich nicht zu fragen Womit kann ich dienen, Was darf es sein oder Noch etwas bitte? Und genau das, UND NUR DAS, war mir wichtig. Gold verdiene ich nicht damit. „Nie Kohle“, wie mal ein sogenannter Freund über meinen Namen witzelte.


   Allein der Gedanke, an Tische zu gehen, servil die Wünsche zu erfragen, jedem Drecksack zu Diensten zu stehen, das wäre nicht meine Welt. Ich finde, ich habe das kleinere Übel gewählt. Ich kann nicht klagen. Alle denken, ich sei männlich.

Sonntag, 19. Oktober 2014

Der weiße Clown

Menschen unter uns (2)

Der weiße Clown

Oder auch Weißclown – egal: DEN habe ich schon als Kind gehaßt, eigentlich hat er mich die Wut gelehrt, dieser arrogante Fatzke! Klassische Figur hin oder her.

   Ich saß rotwangig auf der Holzpritsche, ließ Akrobaten und entwürdigende Tiernummern über mich ergehen und wartete – auf die Clowns. Und dann endlich, die langersehnten Spaßmacher, da waren sie: mit großem Gedöns kamen sie in die Manege, vorne weg der überhebliche selbstherrliche Chef der Gruppe, mit weißem Gesicht. Hinter ihm zwei flapsige Schussel, ergötzliche Tollpatsche, lebensfroh und naiv hatten sie dem Boss auf den Leim zu gehen. Wie habe ich ihn verachtet, wenn er die liebenswerten Trottel in den Hinterhalt lockte, seine gemeinen Späße auf ihre Kosten vollführte. Nach Lust und Laune beherrschte dieser höhnische Fiesling die gutgläubigen Dussel. Mein Herz blutete für die mit riesig langen Schuhen herum watschelnden Rotnasen in monströsen Hosen. Eiskalt berechnend nutzte er sie in ihrer Begeisterungs-Bereitschaft sträflich aus. Ich hätte ins Sägemehl flitzen mögen und diesem Drecksack ans Schienbein treten. Aber sie ließen sich von ihm nicht unterkriegen. Erst im Laufe der Darbietung rächte es sich, so auf andere herab zu blicken, sie stellten ihm irgendwann ein Bein, und darauf wartete ich. Es gab letztendlich Gerechtigkeit!

   Und sowas prägt. Wenn mir in späteren Jahren auf der Geschäftsstraße bemühte Pantomime-Schüler begegneten, sich an der endlos nervigen „ich bin von einer Glasscheibe eingesperrt“ –Nummer verausgabten, dann läuft mir bis heute so ein Peinlichkeitsschauer den Rücken runter. Sie sind im Grunde genommen nicht verkehrt, aber das weiße Gesicht reicht schon, mich innerlich aufmucken zu lassen, auch wenn sie angenehm schweigen (ich wünschte früher dann immer statt des Glases eine echte Mauer herbei, so mit dicken grauen Steinen und so). Geschenkt. Die ganze Mischpoke der weißen Fratzen nervt mich unausgesetzt.

   Eine Arbeitskollegin liebte den Harlekin, das Motiv beherrschte ihr ganzes Büro, vollgepfropft mit unzähligem Nippes – na gut, der traurige Clown, ein gutes Motiv, das Herz malträtierend mit seiner Fiedel – aber leider mit weißen Gesicht. Schon kommt es mir wieder hoch. Die Erbschuld sitzt tief.


   All das Gebaren geht wohl auf den klassischen Pierrot zurück, von mir aus. Ja, in Frankreich war er als herrisch und unsympathisch kreiert, na also. Dann die unterschiedlichen Abwandlungen, bis ins mitleiderregend Tragische hinein. Das ganze Gewese um diese Figur läßt mich kalt: Ich mag keine gekalkten Masken, bitte kein weißes Gesicht! 

Freitag, 17. Oktober 2014

Menschen unter uns

Menschen wie (vielleicht) DU
aber(bestimmt) nicht ich

Annette
Sie heißt Annette – und ist auch „a Nette“. Ein liebes Wesen. Aber sie verfügt über eine Eigenart, die für mich auffällig, da sonderbar, ist. Sie tanzt. Aber die Umstände sind besonders (nicht so wie in dem bekannten Video, wo vor der Operation die Patientin das ganze OP-Team animiert und alle zusammen tanzen, bevor es ernst wird, ein tragikomischer Clip, der mir sehr gefallen hat).

   Bei Annette ist es anders. Sie geht mit uns ins Rock-Café, bezahlt Eintritt für einen seit Jahr und Tag angesagten Star, der auf Tour hier vorbeischaut, geht vor den Bühnenbereich, und tanzt. Sie ist groß und schlank, und sie kann das auch. Die meisten wiegen sich im unbestuhlten Bereich oder vor einer der Theken mit dem Glas Bier in der Hand und schauen dem Sänger mit seiner Band zu, andere, wie ich, sitzen weiter hinten an Tischen und wir erbauen uns daran, endlich diesen Tour-Veteranen auf der Bühne LIVE zu sehen.

   Nicht so Annette. Sie vollführt ihre ausufernden Bewegungen mit geschlossenen Augen in abgewandter Selbstvergessenheit, wirbelt mit Schlangenarmen um sich, kreist die aparten Hüften und würdigt die Bühne keines Blickes. Ihr Mann kennt das, er ist völlig gelassen, im Grunde unbeteiligt.

   Schön. Oder nicht so, wie man es sieht. Es ist durchaus sehenswert, wie sie sich zu bewegen versteht. Nur meine Bedenken gehen dahin – warum macht sie das? Zunächst dachte ich, um auf sich aufmerksam zu machen – aber da wäre doch eine Diskothek hilfreicher. Die Darbietung des Stars zu begleiten, warum? Annette hat daheim durchaus Schallplatten und CDs, sie wohnt nicht zur Miete und kann also richtig aufdrehen. Lästerer unter uns giften, sie müsse sich halt produzieren – für Groupie-Dienste sei sie dennoch schon zu alt.


   Wenn wir nach der Veranstaltung in der Gruppe heimwärts ziehen, ist sie wie neu geboren. Wir sind begeistert, den Star mit seinen Musikern erlebt zu haben. Ich bringe es nicht fertig Annette zu fragen, ob sie weiß, wer heute gesungen hat. 

Sonntag, 12. Oktober 2014

Kritik 3

Kritik III

-ein Nachtrag -

Nun trage ich nach, nachtragend bin ich, natürlich, aber das muß ich einfach noch ausführen: Bei der typisch deutschen Einschätzung von U und E hier also unter Zuhilfenahme des verständlichen Beispiels aus dem Fußball eine Werteskala, die jeder für sich auf Autoren und Werke umdeuten kann.

   Es gibt eine sogenannte „Weltauswahl“ – von der Journaille benannte auffällige Spieler aus sattsam bekannten Nationalteams zusammengewürfelt. Offizieller schon die Nationalmannschaft – und bleiben wir im Lande und schauen uns die Abstufungen genauer an: Bundesliga, dann sogar Liga 2 und wohl auch 3 soll es da geben (mir persönlich aber auch sowas von wurscht), verständlicher für mich dann Regionalliga, Oberliga, Verbandsliga, Ortsklassen mit Theken- und Hobbymannschaften, alles, was in der Lage ist, einen Ball zu erkennen und mit Gejohle und beherzt drauflos zu bolzen.

   Was ich damit sagen will: Nicht jeder Schreibende ist ein „Nationalspieler“! Nicht jedes Werk zeitigt den Verdacht, die Literaturgeschichte nachhaltig zu erschüttern. Auch ist nicht immer von den Allergrößten alles GOLD. Aber sich von „unterhaltsam“ und „ernst“ zu lösen wäre schon mal ein Anfang. Ein Jeder schätze ein nach persönlichem Gusto. Und es für sich selbst zu behalten ist auch kein Unglück.
„Das Beste“ sei gerade gut genug. Nur: Das gilt nicht für jeden Konsumenten – denn: Wer entscheidet denn, was gut ist? Ist das nicht jede/r Einzelne, der sich erlaubt, persönlich seine Wahl zu treffen, seine Entscheidung aufgrund von Bildung, Erfahrung und Geschmack zu bilden? Und was, bitteschön, ist wirklich und wahrhaftig „eigene, unbeeinflußte Entscheidung“?

   Ich habe hierfür ein weiteres und bewährtes Anschauungs-Beispiel. Ich habe es als „literarisches Ereignis“ in einer Autorengemeinschaft kennengelernt. Ich nenne es hier mal nicht „Surprise-Box“, weil ich einen englischen Begriff nicht als notwendig erachte, ich sage „Text in der Kiste“  dazu – das unbekannte Stück / Werk.

   Die schreibende Zunft versammelt sich in einer hoffentlich großen Runde, jeder hat einen Text, Maschinenschrift (heute also PC-Ausdruck) und maximal eine Seite, dabei. Und Viiiiiiiiel Zeit! Dieses anonyme Blatt wandert in ein Behältnis, in dem alle abgegebenen Texte durch Weitergabe gemischt werden und anschließend wie Lose reihum gezogen werden (sollte man den eigenen Text erwischen, bitte austauschen). Dann liest sich jeder den ihm unbekannten Text durch und es wird begonnen, einen nach dem anderen zu verlesen und somit namenlos zu besprechen. Es wird also ungeachtet der Person des Verfassers die eigene Einschätzung spontan geäußert, die anderen geben bemessen ihren Senf dazu. Es empfiehlt sich, hier eine vereinbarte Zeit einzuhalten, dann weiter zum nächsten Literatur-Erzeugnis. Es ufert sonst aus. Ist die Runde absolviert, gibt man die Texte von Hand zu Hand weiter und es behält am Schluß jeder „seinen“ Text. Man könnte das Spiel hier beenden, aber würziger ist es, wenn nun jeder noch mal seinen eigenen Text vorliest und sich dazu äußert, wenn er möchte (eine Möglichkeit zur vielleicht als notwendig erachteten Klarstellung). (Keiner soll nur Schlucken, ohne sich auch Auskotzen zu dürfen!)

   Die Erfahrung zeigt, daß es immer Teilnehmer gibt, die gerade und ausgerechnet jetzt keinen Text dabei haben („leider vergessen“– macht nichts, ich fülle dann mit prominenten Kurztexten auf, die aber für gewöhnlich nicht zwangsläufig bekannt sind (es findet sich immer was in solch kurzem Umfang bei Hesse, Brecht, oder ganz neuen hochgelobten Namen) – es sollte für jeden in der Runde ein Text vorhanden sein (aus der Erfahrung – am Ende habe ich zumeist zahlreiche Blätter in der Hand, denn es gibt so einige, die sich dieser Herausforderung zu stellen nicht den Mut aufbringen. Schade irgendwie, aber so ist das unter Menschen; es werden nur zu gerne andere zerpflückt, sich selbst aber vorurteilslos zu stellen, das kann nicht jede/r).

   Sie würden staunen, wie oft beliebte Autoren aus der Runde – und aus der Weltliteratur!  - bekrittelt werden! Und wie Außenseiter, Neulinge, „Namenlose“ zu Ehren kommen.


   Viel Spaß – mehr brauche ich nicht zu beweisen.

Samstag, 11. Oktober 2014

Kritik 2

Kritik

-         Teil 2 -

   Negative Reaktion

Das ist natürlich der interessanteste Bereich, die Ablehnung von Anfang an. Eigentlich unwichtig, verärgert es dennoch. Hier lernt man als Autor andere Menschen durchaus noch einen Tick besser kennen. Da sind zunächst die, die einem gut wollen. Eine Minderheit. Sie haben etwas entdeckt und sie halten damit nicht hinter dem Berg – das kann hilfreich sein, für beide Seiten, denn manchmal unterliegen sie ja einem Irrtum (oder sie helfen dem Schreibenden wahrhaftig weiter – das ist aber nur allzu selten). Sie haben halt eine andere Sichtweise. Ich denke da nur an leblos verstiegene Philologen („Heinrich Böll ist ja der größte Schriftsteller, der nicht schreiben kann“ – vergesse ich bis heute nicht, und das war unmittelbar vor dem Nobelpreis) – gefühlig verkümmert in ihrem sterilen Elfenbeinturm. Empathiefreie Verbildete sozusagen. Sie würden selber so gerne, halten sie sich doch für Elite, sie können aber nicht. Kreativität kann man schließlich nicht lernen. Und das geht diesen armselig Bemühten völlig ab.

   Dann die Selbstdarsteller, denen es um ihre Person geht, und nichts als sie selbst (die kennen wir alle z.B. aus dem Fernsehen, da schaffen es einige sogar zur Berühmtheit, aus welcher Berechtigung heraus auch immer – ich verbessere: sie sind eher berüchtigt). Nein, das kritisierte Buch spielt in Wahrheit, wenn man ganz genau hinhört, wirklich nur eine untergeordnete Rolle: Hier wird vollmundig hingerichtet, aufgrund nebulöser Eigenermächtigung und eines ominösen Sendungsbewußtseins eine Exekution betrieben, die an Selbstverliebtheit nichts zu wünschen offen läßt.

   Und so begegnen sogar dem minder erfolgreichen Autor/der um Anerkennung bemühten Autorin auf freier Wildbahn die Klugscheißer, Korinthenkacker und Nervensägen, die ja nun etwas ganz genau wissen und ihre ungefragte Verlautbarung nicht zimperlich verkünden  – warum auch, sie wollen doch letztlich in Erscheinung treten! „ICH hingegen meine aber …“ - interessiert kein Schwein. Weil es keinen Sinn hat!

   Und die Boshaften, die es einfach brauchen, andere ans Bein zu pinkeln, denen das Verletzen, das Niedermachen das Zerstören ein finsteres Bedürfnis ist. Bleibt zu hoffen, daß sie einen guten Halt finden. Wäre doch schade um die fehlgeleitete Bildung, sogar so ein Mensch kann unter Umständen einen Wert darstellen. Es muß dieser Versagerin/einer solchen Niete ein sinnvolles Gebiet zuteil sein, dann könnten sie sich durchaus als nützlich erweisen. Solche Krankheiten sind therapierbar! Es muß diesen verblendeten, verkorksten Zeitgenossen nur gesagt werden. Gott sei mit Euch, dröge Nörgler und armselige Verhärmte und verkniffene Miesmacher. Ein gutgemeinter Rat: Mißgunst, Neid und Erkennen des eigenen Versagens sind kein guter Anschub. Bei allem erbitterten Bemühen nicht.

   Gerade Leute der sogenannten ‚Bildungsschicht‘ entpuppen sich nur allzu oft als Fachidioten: in ihrem Metier haben sie durchaus etwas erreicht, in der Gesamtschau aber letztlich entpuppen sie sich als unbeseelte Theoretiker; bestimmte Bereiche ihres erbärmlichen Daseins im Frust sind verkümmert, unterentwickelt geblieben. Bei der Vergabe der positiven Emotionen wurden sie schmählich übergangen (Jaja, ich lasse mich jetzt gehen – aber wenn nicht hier, wo dann? Schauen Sie mal, wie mein blog heißt!)

* * *
   Ich hatte viele Veröffentlichungen, Lesungen, Treffen mit anderen aus dem gleichen Literaturzirkus (einige Jahre als geschäftsführender Vorsitzender des zweitgrößten Autorenverbandes erlebte ich so Einiges, und es wurde mir auch allezeit viel zugetragen – vgl. mein Buch „Aufzeichnungen eines Nestbeschmutzers“). Was für eine Aufregung in den eigenen Reihen über mein ungezügeltes Plaudern aus dem Nähkästchen: Versteinerte Mienen, Abkehr, Bann! Und beileibe nicht nur bei wenigen Einzelnen, wohlgemerkt.

Gewiß, ein richtiger Durchbruch ist mir nicht gelungen (die 3.000 von eigenen Büchern in ein paar aktiven Jahren mit Lesungen sind noch nicht überschritten), aaaber: redlich ernährt sich der Giftzwerg, oder so. Und ein tröstlicher Blick auf den Buchmarkt: z.B. Lyrik-Auflagen übersteigen selten die Tausend. Müßte ich davon leben, ich wäre sehr schlank, tja – ich bleibe dran. Für mich ist das Erleben, ein Buch fertiggestellt zu haben, unvergleichlich. Ein einzigartiger Hauch von Glück. Und das Gefühl möchte ich niemals missen. Da wird die Veröffentlichung letztlich zur Nebensache.

   Jede und Jeder ist ein eigener Kritiker. Betrifft weniger die Eigenkritik, der sind die allerwenigsten fähig (außer beim beliebten „Fishing for Compliments“, aber das (ver)urteilende Meinungsbilden, das gehört zum Leben. Das kann eines Tages durch Besinnung korrigiert werden, das kann aufgrund von Bestätigung beibehalten werden, es öffnet oder verschließt sich, je nachdem.

   Es ist nur eine Frage des Charakters, wie man sich „kritisch“ verhält. Darin die Kernfrage: Was bezwecke ich damit?

   Ein Jeder darf Kritiker sein – für sich. Jeder hat das Recht auf seine Meinung; wen sie interessiert, ist eine ganz andere Frage. Es ist und bleibt letztlich alles eine Frage des persönlichen Geschmacks! Der Bildungsgrad weicht von X zu Y ab, ernster Anspruch (E) und reine Unterhaltung (U) haben parallel ihr Recht (übrigens eine nur allzu typisch deutsche Unterscheidung) – die Belastbarkeit tut ein Übriges. Wer völlig abgemolken ist, von der Arbeit geplättet nur noch Entspannung ersehnt, dem ist kaum zu verdenken, den Kunstanspruch erst mal ruhen zu lassen. Das ist niemandem zu verdenken! Nur ein großer Bereich des Künstlervolkes reibt sich daran (von der Warte ihrer ‚erhörten Berufung‘ her doch eher echter Arbeit abhold).

   Und die Beckmesserei von Betreibern der schreibenden Zunft untereinander kann Bände füllen. Die Literaturgeschichte ist voll davon. Ansichtssache und Streit sind so alt wie die Menschheit, und seit der Mensch schreibt, kommt er gut oder weniger gut an. Nicht jeder Erfolg trifft bei allen auf Begeisterung, nicht jeder Mißerfolg ist voll und ganz verdient. Es ist und bleibt alles ein unkalkulierbares Unterfangen. Wir haben in Deutschland um die neunzigtausend (!) Neuerscheinungen pro Jahr – und das sind nur die mit ISBN versehenen Bücher. Die unzähligen Eigenverleger, die sich nicht registrieren, sondern nur beherzt ihr Kleinod drucken lassen, kommen noch hinzu!


   Aber eines ist klar: Wer sich offenbart, liefert sich aus. Und da das auch den erfahrenen Schreibenden bekannt ist, sollte nicht alles für bare Münze genommen werden. Autorinnen/Autoren wissen schon, was sie tun! Kreativität verwebt Reales und Phantasie – das ist der Reiz – und nur darum geht es.

Freitag, 10. Oktober 2014

Kritik 1

Kritik

Erfahrungsmuster über erlebte Literatur-Kritik

Das nehme ich mir nun einfach mal heraus, nach über 45 Jahren literarischer Arbeit habe ich viele Begegnungen gehabt, so manche Kritik erfahren (da sammelt sich einiges an, staut sich auf, beflügelt, verärgert, alles … (“das ganze Programm“, wie Dittsche sagen würde). Man kann den Umgang damit lernen – aber wie immer im Leben, man lernt nie aus.
Und so möchte ich meine Erfahrung darstellen:

   Keine Reaktion
Das ist der Regelfall. Warum auch – Leser haben bezahlt, Leser bilden sich ihre Meinung. Und wenn sie kein Buch gekauft, sondern kostenlos gelesen haben, so wurde doch mit Zeit ‚bezahlt‘, fürs Lesen (oder Zuhören). Ist doch was. Es gefällt, man liest anschließend etwas anderes, kommt auch zur nächsten Lesung wieder. Es gefällt nicht, man steigt sofort aus und „gut is“. (Aktuelles Beispiel eigener Wertschätzung: Martin Walsers Das 13. Kapitel – für mich „nahezu ungenießbar“, und was habe ich von dem genialen Autor schon großartige Bücher gelesen!). Andererseits finde ich momentan Juli Zeh mit Nullzeit grandios (und, milde gesagt, wie verhalten wird dieses Buch der vielfach preisgekrönten Autorin in den offiziellen Kritiken besprochen).

   Positive Reaktion
Ein Lob erfolgt, zumeist mündlich, mitunter schriftlich. Doch Vorsicht, hier ist der Regelfall dergestalt, daß die Lobpreisung nicht uneigennützig erfolgt, man will etwas. Es werden einem Vorschuß-Lorbeeren zuteil, die ganz schnell die Wupper runtergehen, wenn man sich nicht erkenntlich zeigt. Es geht um geistige Ergüsse des Gegenübers, erwartungsvoll das ‚Hausgemachte‘ übergebend oder ankündigend: „Bitte eine ganz offene Meinung, schonungslos“ – und es wird sich erwartungsfroh um Beteiligung an der eigenen Begeisterung bemüht, zumindest doch wohl gehöriges Beeindruckt-Sein vorausgesetzt. Und wehe, man springt als Autor nicht darauf an, auf die erwiesene Gnade, einbezogen zu sein – gestrichen wird das Lob, nachhaltig: Das habe ich leider oft erlebt, glauben Sie mir. Vergeltungsszenarien kühnster Prägung mitunter. Oder, in einem späteren Stadium, wird gar ein fauler Handel angeboten: Gute Buchbesprechung gegen … gute Buchbesprechung.
   Aber es gibt auch zufriedene Zeitgenossen, Leser oder Zuhörerinnen, denen man ein wenig Unterhaltung geboten hat – und sie danken es, folgenlos. Und schon gerade „Konkurrenten“: Die schweigen aus Prinzip. Was auch immer dahinter stecken mag.


-         Und morgenTeil 2: Negative Reaktion -

Samstag, 4. Oktober 2014

Liebe – kurz und bündig

Verwirrung in der Liebe


Er hatte ihr ergeben erklärt: „Ich habe mich in Dich verliebt.“

Sie war zufrieden angetan. Und sie erwiderte: „Du – ich mich auch!“

Er war trunken vor Glückseligkeit. Erst viel später ging ihm auf … sie hatte gar nicht ihn gemeint.


Traurig, so eine Mann/Frau-Geschichte. Mehr gibt es jetzt eigentlich nicht zu sagen.

Donnerstag, 2. Oktober 2014

25 Jahre II


Kopf hoch, Ossis: Auch Wessis sterben aus!

   - Bilder, die im Kopf bleiben, Teil 2 –


Die Mauer fällt
Ich war im Autorenverband, gehörte zeitweise dem Vorstand an. Wir hatten sehr viele Mitglieder aus dem östlichen Teil Deutschlands in unseren Reihen, Lehrer, Journalisten und viele andere mehr. Sie hatten allen Grund zu erzählen, wie es ihnen drüben ergangen war. Ich erfuhr aus erster Hand von den Schicksalen, den Schikanen, dem Berufsverbot, dem Kaltstellen, dem Ausgrenzen, von Flucht und Austausch. Ich wußte von den vielen Toten, die die Mauer zu verantworten hatte: Menschen, an der Mauer von Landsleuten erschossen! Ich hörte von verratenen Bürgern, die ein drangsaliertes Dasein gefristet hatten.
   Die Mauer fiel, letztlich irgendwie überraschend, und umgehend hatte unser Vorsitzender ein Wartburg-Treffen arrangiert. Westdeutsche Autoren trafen solche von dort. Ich lernte nun sehr viele andere Leute kennen. Ganz andere. In der riesigen Runde mit um die einhundert Schreibenden war alles vertreten, was die Psychologie hergibt. Besserwisser – und zwar auf beiden Seiten, Schleimer und Wendehälse, unbeugbar Halsstarrige, die sich sofort in verbale Kämpfe begaben und hochnäsige Paroli-Bieter von uns, die ihnen klar zeigten, wo es in Zukunft langgehen wird (von wegen „wo bekommt man jetzt Schreibaufträge“ – wir lachten herzlich). Ex-Majore, die um Anerkennung buhlten, Dissidenten, die auf Klarstellung und letztlich Abrechnung beharrten - die erlittenes Unrecht anzuprangern verständlicherweise nicht müde wurden. Gerade die konnte ich sehr gut verstehen. Ein Rudel westlicher Lyrikerinnen trocknete angefaßt die geflennten Krokodils-Tränen eines reuigen Militärpoeten (Vopo-Offizier!) aus einem der neu entstehenden deutschen Bundesländer, vorgebend, nun ganz den Halt verloren zu haben. Irrwitzige Szenen, die ich nie vergessen werde.
   Mauerspechte verteilten Gesteinsbrocken, Farbsprengsel darauf. Für im Westen wohnhaft gewordene Rübergemachte wie Kleinode. Berührende Autorinnen erzählten von ihren Demos, zeigten unter echten Tränen auf, was sie beherzt angegangen waren, was sie erreichten – WIR SIND DAS VOLK – und so langsam gewann ich erste zaghafte Sympathien hinzu, eherne Vorbehalte wurden brüchig, es begann das Zerlegen der inneren Mauer, und das wird noch lange dauern. Wir brachten damals mit diesen Mitmenschen umgehend eine gemeinsame Anthologie heraus. Es hatte etwas ganz Neues seinen Anfang genommen. (Hach, und im Sport – erste Hochrechnungen für die zu erwartenden glänzenden Medaillenspiegel!). So manch alteingesessener Nachbarn im Westerwald frotzelte: „Und wo ist bitteschön mein Begrüßungsgeld?“
      Nach den offiziellen Begegnungen trafen wir uns privat, Spaziergänge zu Füßen der Burg in tiefstem Schnee, und bei den weiteren Wartburg-Treffen in den Folgejahren auf einmal die ersten Farbtupfer unserer freien Welt! In dem Städtchen Eisenach bereits im Folgejahr, noch aber dominant grau in grau, weiterhin auch stinkig-qualmig die Luft durch die lärmigen Autos dort. Die Stadtbilder änderten sich mit zunehmender Geschwindigkeit – hoffentlich bleiben die wundervollen Alleen erhalten, dachten wir Besucher.
   Kleine Episode am Rande: Im Brentanohaus in Winkel/Rheingau empfingen wir eine Bus-Delegation zum Gegenbesuch aus Anlaß unserer gemeinsamen Anthologie. Wir stießen an und eine Lady des Ostens schnarrte in ihrem Idiom, um kecke Verwegenheit bemüht: „Mit dem Auto sind Sie da? Bei uns gilt ja die 0,0 Promille! Aber Besser-Wessis dürfen das hier ja wohl.“ Und darauf ein befreundeter Professor: „Wieso diese Verdoppelung – Wessi ist bessi!“ Arrogant, aber …herrlich. (Ungezählte solcher klingenscharfen Bonmots gibt es zuhauf in meinen Tagebüchern. Aber ich will nun nicht abschweifen.)
   Ich war unterdessen öfters „drüben“, auch in Stralsund, wo wir über einen neuen „Highway“ nahezu unbedrängt „hinüberglitten“, indes der Soli unseren heimischen Straßenerhalt vergessen ließ. Tausenderlei Dinge, die nicht so liefen, wie gedacht – aber was war das auch für eine Umwälzung.
   Wir sind nun immer mehr gewahr geworden, die Menschen dort schauen weiterhin in die über sie angelegten STASI-Akten und werden verständlicherweise nicht müde fassungslos zu staunen, was die lieben Mitmenschen (Kollegen, Nachbarn, Familienmitglieder!) so nebenher betrieben: Ausspähen, Abhören, der „informelle Mitarbeiter“ (IM) von nebenan, die Verstrickungen unermeßlich. Wir lachen hier über Bananenwitze, wenn wir das Gesächsel hören, deren typischen Abkürzungs-Fimmel, zum Piepen. Vorbehalte sind zunächst einem abgründigen Humor gewichen. Es braucht seine Zeit. Wir wachsen zusammen, ganz allmählich. Ich habe neue Wörter gelernt!
   Schon bald die undankbaren Klagen, daß es nichts sei mit den versprochenen „blühenden Landschaften“, immerzu war zu vernehmen „Jetzt sind wir aber mal dran!“ – und natürlich die Wildwestler, die geschäftstüchtig knallhart wirkten und sich bereicherten. Willkommen in der Freiheit! Nicht alle kamen damit klar, das wächst sich aus (in Geschäften in Stralsund schlug mir feindselige Haltung entgegen, ich fühlte mich an Holland erinnert). Ich muß es leider immer noch sagen: Einer durchaus abweichenden Arbeitsmoral begegne ich auch heute noch auf Schritt und Tritt (die verräterische Sprache bezeugt es). Nein, gewiß, hier in den alten Bundesländern ist nicht alles gut und vorbildlich – aber tauschen hätte ich zu keiner Zeit mögen. Und meine Hochachtung gilt diesen beherzt aufmuckenden Menschen, die friedlich den Umsturz erzwangen – eine ganz große Leistung! Nun kippt leider manchmal die Betonung der Parole – das stolz proklamierte WIR SIND DAS VOLK ist zu einem gesamtdeutschen „Wir sind ein Volk…“(Kopfschütteln) verkommen.
   Ich war wiederholt in Berlin, habe von jüngeren Menschen anhand Museums-Besuch mehr über den Alltag dort erfahren. Kindheitserinnerungen, wie alles so gewesen ist. Verklärung auch dort. Ganz parallel. Verständliche Nostalgie, spezielle Ostalgie. „Es war doch nicht alles schlecht“ – nein, aber in der Nazizeit angeblich auch nicht.
   Die materielle Mauer ist schnell gewichen, die Mauer in den Köpfen kann nur durch Aussterben beseitigt werden – wir alle tragen unsere Erfahrungen mit uns herum, ganz vorbehaltlos kann nicht alles gelöscht sein. In keinem Kopf, hüben wie drüben. Es ist eine Frage des fairen Umgangs: Und das ist auf beiden Seiten (ja, die gibt es noch) verbesserungswürdig. Ich will gerne daran arbeiten, habe seit Jahr und Tag einer Flut liebenswerter Menschen die Hand gereicht, aber vergessen möchte ich nichts. Und mir ist völlig klar, ich war letztlich nur indirekt betroffen. Aber Betroffenheit ist ein starkes, ein prägendes Gefühl.
   Ach, ich hänge einfach noch mal den zentralen Ausspruch aus meinem Lieblingsfilm an: Am Ende wird alles gut. Und wenn nicht alles gut ist, ist es auch noch nicht das Ende.

Danke fürs Lesen, und bitte stets beachten: ES SIND MEINE Eindrücke.

25 Jahre Mauerfall


Kopf hoch, Ossis: Auch Wessis sterben aus!

-    Bilder, die im Kopf bleiben –

Mauer-Zeit
Vielleicht bin ich ja nur den falschen Menschen begegnet, allerdings: immer wieder. Und wenn sich eine Erfahrung wiederholt, kann es dann nicht sein, daß es gar kein Vorurteil ist?
   Ich habe aus dem aktuellen Anlaß (Mauerfall, 25 Jahre) von den Befindlichkeiten der nachgewachsenen Generation gelesen. Klagelieder üblicher ostzonaler Tonart, nun mal mit neuer Attitüde, aber unter dem Strich flunschige Verletzung, die sich schnippisch, rebellisch, vorwurfsvoll und altbekannt empört liest. Ich bin Jahrgang einundfünfzig, also 1951 (hahaha), soviel Klarheit muß sein, und habe einiges persönlich erlebt, mit den „Brüdern und Schwestern“ von drüben. Und es wirkt nach, glauben Sie mir. Es würde ein Buch füllen (und eigentlich tut es das auch schon), hier in diesem kleineren Rahmen soll es bei ein paar Kostproben unvergeßlichen Erlebens bleiben.
   Als kleiner Junge fuhr ich mit meinen Eltern im Käfer durch die Ostzone, Berliner Verwandtschaft WEST zu besuchen. Ich vergesse nicht die ängstlichen Blicke meiner Eltern. Und dann die uniformierten vergrätzten Typen, die Spiegel auf Wägelchen unter unser Auto schoben, überall herumschnüffelten, und nicht nur die Hunde. Die angespannten Dialoge dieser „Grenzer“ – es waren Deutsche, soviel hatte mir mein Vater erklärt, und daß ich nichts sagen dürfe, nur nicht! Es war eine ungeheuerlich bedrückte Stimmung, die mir mein ganzes Leben lang unvergleichlich geblieben ist. Und sie sprachen so sonderbar und immerzu dieses „DDR“ und „BeErDEE“. Es war unheimlich. Den Begriff KLASSENFEIND vernahm ich schon sehr früh.
   Mit der Verwandtschaft suchten wir Aussichtspunkte auf, schauten über Grenzanlagen: Hohe Mauer, Todesstreifen, Stacheldrahtverhaue. Hier trafen sie mitunter andere Familienmitglieder – auf der anderen Seite. Sie beschrieben uns, wie sie verstohlen winkten. Ich war Kind, hatte schon Nazis in Filmen gesehen – dies war ein ganz neuer, echter Film!
   Viele, viele Jahre später fuhr ich mit dem Zug nach West-Berlin, meine Frau aus dem Hunsrück sah das alles erstmalig. Ich hatte sie vorbereitet. Dann stieg Personal „von denen“ hinzu für die Durchquerung von deren SBZ-Territorium. Unsere Landsleute aus den anderen Abteilen waren frohgemut, angesäuselt sagte einer zu so einer Uniformierten: „Na Muttchen, wie wäre es mit einer kleinen moralischen Aufrüstung?“ und reichte ihr eine kleine Schnapspulle. Ich dachte, das war‘s, die koppeln nun unseren Waggon ab. Nix, in dieser für solche Leute nur allzu typisch schnippischen Haltung entgegnete sie patzig: „Nein danke, aber ich freue mich, wenn es Ihnen schmeckt.“ Immerhin, auch eine Form von Schlagfertigkeit. Wie mochte es in dieser Person aussehen? Ich begeistere mich für diese erteilte Ohrfeige an die verklemmt gefrustete DDR-Uniformierte noch heute!
   In den Folgejahren immerzu im Sport diese zwei Trikots, UNSERE weiß mit rotem Brustring, DIE VON DRÜBEN mit blauen weißgesäumten Hemdchen. Freundliche Begegnungen auf den Siegerpodesten von freimütigen Westdeutschen wurden von verschlagen blickenden Ostdeutschen mißachtet oder wenn, hohnverkniffen, quittiert. Was für ein Menschenschlag …also diese linientreue giftige Grundhaltung – ich schätze, ich wäre ein guter Ossi geworden (kleiner Scherz).
   Aber dort Beamter – nein danke. In der Verwaltungsschule erfuhr ich die westliche Sicht fundiert, und sie leuchtete mir auch ein. Die Präambel zum Grundgesetz (auch für die, denen die Mitwirkung versagt ist) lernte ich schematisch, denn es berührte mich wirklich nicht. Was gut von denen war, das war die für meine Ohren deutlich überlegene Melodie der Hymne – das war so das einzige, was ich schätzen konnte (Eisler hatte zwar naßforsch abgekupfert, was soll’s  – und der Text: ausgerechnet „Becher“-Hymne, was für ein seltsamer Zufall, ein gewisser Johannes R. als Namensvetter, der diesen Unfug verantwortete – na gut, welche Hymne enthält keinen Schwachsinn?). Nein, dieser real existierende Unterdrückerstaat – da war ich sogar hin und wieder froh über die Mauer. Der Antifaschistische Schutzwall schützte irgendwie auch UNS.
  

(morgen dann Teil 2- ja doch, es wird anders)

Mittwoch, 13. August 2014

Sport ist Sprachmord

Mein Deutsch 7

(Sport : Extra-Spezial-Sonderausgabe)*

Was ist im Untertitel übertrieben? Alles! Aber das wird ja heute mehr denn je nur zu gerne gemacht (SUPER-Gau, HAUPT-Protagonisten etc.) – der Sport ist geradezu anfällig dafür – und nicht nur die unsäglichen Moderatoren bei Eurosport …auch die Öffentlichen wollen da nicht nachstehen (und ich meine nun nicht die dramatischen Verstärkungen  wie „es regnet draußen“ oder als Gag nur zu verstehen „und der Regen ist natürlich klitschnaß“– womit zumindest das bildhafte Beschreiben zusätzlich unterstrichen werden soll).
   Gut, daß ich die Leichtathletik-EM in ARD und ZDF gucken kann und mich nicht über Eurosport echauffieren muß wie bei der Tour de France, wo mich das Öffentlich-Rechtliche den fürchterlichen Nieten von Eurosport gnadenlos ausliefert…(taktlos, schamlos, zynisch, billig – was für unangenehm labernde Zeitgenossen, unablässig bemüht, ihr Unvermögen frotzelnd zu überspielen in Ergänzung von nervtötenden Reklamen).
   Aber auch das „gute TV“  berichtet zeitgerecht, will sagen, schreckt nicht vor gräßlichen Fehlleistungen zurück (bitte, nein, ich will nicht der Korinthenkacker sein, aber wenn schon Profis ihre Arbeit machen, dann doch bitte vorbildlich -bei Mathematikern lasse ich eine Einmaleins-Schwäche auch nicht durchgehen). Hier eine kleine AUSWAHL von Kloppern – einzig und allein nur vom 1. Wettkampftag:
Supergau und Hauptprotagonisten (erwähnte ich schon eingangs, noch mal hier, weil es so toll daneben ist);
sie ziehen ihre Regenschütze an – oder Regenschützen? Weder noch: Schutze!
Er ist der vermeintlich beste Teilnehmer im Starterfeld  (der Sprecher ist vermutlich nicht der Beste, er ist vermeintlich der Beste, hätte er sich mit Vorschuß-Lorbeeren ans Mikrofon begeben) – das Wort „vermutlich“ scheint im Sport nahezu ausgestorben, immer sind es vermeintliche (irrtümlich geglaubte) Favoriten…gruselig (ob jemand der vermeintliche Favorit war zeigt sich doch erst bei Vorliegen des Ergebnisses, wenn es nämlich NICHT wie vermutet gekommen ist!);
das gibt ein paar Punkten mehr (Punkte! Es ist wohl die Rede von Punkten, aber noch ist die Mehrzahl PUNKTE;
sie müssen hier mindestens 110 % geben (liebe Kinder, der Onkel am Mikrofon ist nicht schwach im Rechnen, er ist einfach nur zu blöd, „alles geben, sich total verausgaben“ zu sagen – er meint  „über sich rauswachsen“ – aber mehr als hundertprozentig ist es dann immer noch nicht, weil das halt nicht geht);
und dann sucht er den zweiten Socken (vermutlich in jeder Ecken);
dabei hat er ganz leicht die Latte gestriffen (gestreift!) – übrigens war der Moderator verunsichert, fragte noch mal beim Co-Moderator nach und man stimmte sich zu zweit ab auf „gestreift“ – immerhin – das war so, als käme ein völlig verprügelter Anzeigenerstatter zur Polizei und der aufnehmende Beamte fragt noch mal  beim Kollegen nach, ob er wegen Diebstahl oder Körperverletzung protokollieren soll…
Antisympathie (das wird bei der Rechtschreibprüfung noch nicht mal gekennzeichnet …der Unfug ist ja auch richtig geschrieben – aber Antipathie wäre doch eigentlich als bekannt vorauszusetzen.
Die Lokalmatadoren (das gebe ich bald auf, hoffnungslos – es ist die Rede von Matadoren, ja, aber es sind nun mal die MatadorEEE!);
ein paar mehr Zuschauer (das ist schon geradezu üblich, das Ami-Gelaber 1:1 zu übernehmen – bislang heißt es immer noch „ein paar Zuschauer mehr“;
bei der kühlen Witterung ist so ein Mädel schnell durchgefroren – sie braucht dann schnell ihre Jacke (wenigstens nicht „ihren Jacken“ – aber DAS Mädchen, Pardon, Feministinnen – den Protest kann ich zwar wirklich gut nachvollziehen, jedoch: es ist wie ES ist);
Und auch Freudsche Versprecher, ganz klassisch: „Wir bleiben auf der Polin“, er meint die Kamera-Einstellung, der Schmecklecker – eine dieser lieblichen Gazellen (anmutig in Laufen oder Springen) im Sucher, da spielt doch mehr hinein… sind eben nur …Männer.

„Ja“ - ich bin ein Spitzklicker, ein Giftzwerg –„okaaay“, der mit Notizblock an der Glotze sitzt – aber es hat sich doch wieder mal gelohnt, finde ich – gute Ausbeute gemacht.
   Und wer mich nun beschimpft, ich sei doch wirklich „ein Kakerlaken“ …eine Kakerlake bitte!  ;-)
   Als Zugabe noch was aus der Werbung – offiziell so abgedreht und ausgestrahlt, kein Live-Fehler: „Eine Flasche des neuen Spülmittels schaffen diese Wegstrecke von ungezählten Tellern!“ Kann ich nicht bestätigen, aber mich schafft das auf alle Fälle! Wenn auch die Teller in der Mehrzahl sind – die Flasche ist in der Einzahl (obwohl…nun erkenne ich bei genauer Betrachtung der Sprachverwirrung eine zweite Buddel).
 Die Preise verteuern sich (ungenau – die Ware verteuert sich, die Preise steigen oder fallen).
   Und nun noch das jährlich wiederkehrende Schmankerl aus der Provinz: Hierzulande heißt es „Zwetschgen“ statt Pflaumen. Gut und schön, aber laut Mundart heißt eine Kirmes in der Nähe, Obacht, liebe Kinder, das steht so auf den Plakaten, bitte nicht abschreiben:
K W Ä T S C H E kÄrmes – wer setzt da noch einen drauf?
Ach, Heimat (seufz). Dialekt („Platt“) sehe ich ungern nach. Es soll ja so heimelig verbinden, und doch ist es etwas, das andere ausschließt, finde ich.
Dat kann isch nit good finne. Oder so. Oder lieber nicht. Ist auch ein anderes Kapitel.


*Was mich seit Jahr und Tag bei deutschen Sprechern (bei anderen weiß ich es ja nicht) aufregt, ist diese patriotische Hochmütigkeit, wenn es mal gut für unsere Athleten läuft. Ich freue mich durchaus mit, aber diese Sprüche, die dann vom Stapel laufen …einfach nur schrecklich, das ist nicht mehr im Bereich vom „Positiven Denken“ – das ist ausgemachte Beschränktheit. Für mich die Folge: Fremdschämen.