Freitag, 27. Juni 2014

Wohin mit dem Essen?

Unser täglich‘ Brot …
(aus meiner Essay-Sammlung: Andere sind anders)

Für mich gibt es nur Direkt-Kontakte mit den beiden nächsten Generationen durch meinen Bekanntenkreis (deren Kinder und Kindeskinder). Und ich muß sagen, das reicht mir auch, voll und ganz, ohne, so hoffe ich, in den Verdacht der Generationenschelte zu geraten. Ich sehe ja auch, vereinzelt, Ausnahmen. Es ist aber, so scheint es für mich, eine ganz und gar andere Zeit. Aber das mag ja auch schon eine Alterserscheinung sein, Resignation womöglich.

   So kann ich mich daran erinnern, daß bei auf Tellern gehäuftem Essen nur ein wenig verzehrt wird – der Rest: ab in den Müll. Tja, hieß es, bei uns müssen die Kinder nicht aufessen! Und bei anderen wurde im vorauseilenden Verfallsdatum-Gehorsam gleich großzügig alles vom Kühlschrank aus dem Müll übergeben – erst gar nicht in den Bereich des „Mindest“-Haltbarkeitsdatum geraten, nur ja nicht. Ich dachte, andere Länder, andere Sitten, aber hier hieß es: Ja dann schick es doch in die Dritte Welt, bitteschön – mal sehen, wie Du das machst. Es wurde witzelnd Unverständnis offenbart. Ach, diese Alten, was haben die aber auch für weltfremde Ansichten…

   Und allgemein immer ganz schnell der Verweis auf die Generation vor uns – wir leben ja nicht im Krieg, auch nicht unmittelbar danach wie Ihr– das hat sich geändert, überlegt doch mal …so in diesem Sinne bekamen wir es zu hören. Und schaut Euch mal Restaurants und Großküchen an!

   Es stimmt, wir schicken es nicht in die Dritte Welt – aber ich kann behaupten, wir denken mehr über Essenplanung und Bedarf nach. Nicht alles ist gleich verdorben, wenn das Datum erreicht ist, wir behalten die Produkte im Auge und schöpfen und legen uns nur auf, was wir essen. Reste verwenden wir noch, das kennen wir nicht anders – und die lockere Entsorgung durchs Klo akzeptieren wir auch nicht. Vielleicht ist dieses moralische Empfinden eine Art Rechenschaft (einer höheren Instanz wegen), ich vermag es nicht zu sagen, aber es würde mir nicht in den Sinn kommen, großzügig und breitgefächert zu kaufen, um dann große Teile wegzuwerfen. Daß sich das aus einem inneren Wertedenken nicht geziemt – nicht jeder versteht das – es perlt auch im Ratschlag-Verfahren ab, wird als Altersschrulligkeit kopfschüttelnd belächelt. Alt und weltfremd.


   Andere sind anders, und der Zeitgeist ändert sich unablässig. Schon seit der Antike schüttelt jede Generation den Kopf über die nachfolgende. So ist das wohl. Leben verlangt viel Toleranz – aber allem und jedem gegenüber? Der Umgang mit der Nahrung ist nur ein Punkt. Das Befremden ist für mich heute ständig anwesend. Man muß nicht alles verstehen – aber man braucht auch nicht alles mitzumachen, bloß weil man es kann oder glaubt, es sich erlauben zu können. Daran krankt in meinen Augen die heutige Zeit.

1 Kommentar:

  1. Du weißt ja, daß ich es nicht für ein privileg halte, in einem wohlhabenden land geboren zu sein. Es hätte auch gaaanz anders sein können!
    Für mich hat es etwas mit solidarität zu tun, mit den menschen, die nicht auf der sonnenseite des lebens stehen. Deshalb widerstrebt es mir auch, so zu leben, wie Du es in Deinem post geschildert hast.
    Ebenso kann ich die gedankenlosigkeit nicht verstehen (tradition hin oder her) mit reis zu werfen, wenn es noch menschen gibt, denen diese handvoll reis zum leben fehlt. Das gleiche gilt für basteleien mit lebensmitteln - ist "man" geistig so arm, daß man, bei der heutigen auswahl an bastelmaterial, zu lebensmitteln greifen muß?
    Danke, daß Du dieses thema aufgegriffen hast,
    liebe grüße
    SA-bine

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Danke! ;)