Donnerstag, 5. März 2020

Einmal Goethe, immer Goethe!


Goethe, immer wieder Goethe

(eine Annäherung auf dem Lande)


Der Literaturkurs der Volkshochschule Popeln erging sich bei seiner Zusammenkunft im Vorraum der Mehrzweckhalle selbstverliebt in der Erkenntnis, daß es die Honoratioren ohne Absprache geschafft hatten, sich in dieser Leistungsstufe zu treffen. Alle drei waren hochzufrieden ob ihrer elitären Runde, die Frage nach der Durchführbarkeit infolge ihrer geringen Anzahl löste keinerlei Bedenken aus. Drei Deutschlehrer, sich gerne als Germanisten sonnend, wollten sich über ihren Goethe erbauen.

Johann Wolfgang von Goethe, Klassiker, um Achtzehnhundert. Das ging nun wirklich nicht, auch in Zeiten von Smartphones und der Googlerei jederzeit und überall, nein, da reiche nicht mal das 1749 bis 1832, auch nicht unter Beifügung von Frankfurt und Weimar. Das erwarte man nicht nur von Primanern – es sei schon zumutbar von ‚am 28. August 1749 zu Frankfurt am Main geboren und am 22. März 1832 in Weimar verstorben‘ wie aus der Pistole geschossen aufsagen zu können.

 Da man aber, die unterschiedlichsten Quellen bemühend, sich nicht mal die jeweilige Stunde des ermittelbaren Wochentages, lediglich rudimentär auf Tageszeiten zu einigen verstand (jeder zückte noch mehr Materialien und Gedrucktes aus lange vergangenen Zeiten), war es letztlich doch absehbar, daß der Kursus nicht nur wegen geringer Teilnehmerzahl abgesetzt wurde; vorerst sollte es zu keinen weiteren Literaturseminaren in Popeln kommen. Es wurde notgedrungen in tiefster Resignation eingesehen, das infolge des ‚Zeitablaufs‘ die Befragung von Zeugen aus dem Umfeld zu dem entstandenen Grundproblem unmöglich war (fast zweihundert Jahre lag alles zurück). Daher trennte man sich nach dieser ersten, jeden Zeitrahmen sprengenden Zusammenkunft (man munkelte noch tagelang von über fünf Stunden erhitzter Debatte). Unbefriedigt, hoffnungs- und ergebnislos trennten sich die drei erbitterten Eiferer.

 Die VHS Popeln bot zunächst kein weiteres Seminar wegen der Inakzeptanz durch die breite Masse an. Man wolle es aber im kommenden Jahr mit einem Rap-Kurs, fußend auf Goethes Faust – ein wenig Goethe geht letztlich immer - auf einem neuen Weg versuchen, so ist auch noch nach Monaten zu vernehmen. „Fack ju Göhte“ sei Dank schaute man hoffnungsfroh auf das kommende Jahr, viel Jugend erwartend – denen die krassen Daten schnuppe sind…ich schwör!

2 Kommentare:

  1. Das denke ich auch und wenn sie den Namen hören bringen sie ihn wahrscheinlich wirklich nur mit dem Film in Zusammenhang.

    Goethe den ich ab und an auch gerne im ZiB mit "einbaue", der aber auch, so finde ich, in der Wortwohl oft sehr "anspruchsvoll" ist oder ich sollte liebe sagen "quer-denkend". Übrigens, auch wenn der Film ja schon ein paar Mal im TV gelaufen ist, ich habe ihn mir noch nicht angeschaut.

    Liebe Grüssle

    N☼va


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  2. Liebe Nova - von dem Witzfilm-Projekt gibt es mittlerweile noch 2 Fortsetzungen, alles absolut witzig - kann ich nur empfehlen (auch gut besetzt; wirklich sehr kurzweilig).
    Aber nun noch zu unserem Dichterfürsten: Neulich las ich es nochmals bei Marcel Reich-Ranicki, wie unser Nationalheiligtum schon zu Lebzeiten von anderen bekrittelt wurde: kein Autor/keine Dichterin kommt ohne verbissene Gegnerschaft daher (das habe ich schon häufig als Trost empfunden). ;-)
    Ich wünsche Dir schon mal ein schönes Wochenende - und vielen Dank - es freut mich außerordentlich, wie Du stets gute Worte für mich hast.
    p.s.: Bei aller Gelehrsamkeit, aber ein Idol bis auf die Uhrzeit von Geburt u. Tod zu kennen, ist doch schon ein wenig abgründig ...nicht nur in "Popeln".

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Danke! ;)