Dienstag, 9. Juni 2020

Black lives matter


Black lives matter – aber hallo!
(„Schwarzsehen“ im Wandel der Zeit)
Vorausschicken will ich dies: Meine Oma, ich erwähnte an dieser Stelle schon häufig die für mich große Philosophin Martha Becher, murmelte vor ihrem Fernsehgerät bei jeder passenden, sich bietenden Gelegenheit: „Ach, die armen Neger.“ Ihre Stimme kippte – sie war herzberührt – aber bitte, wir sind zwei Generationen weiter, das ist heute nicht mehr politisch korrekt, auch ich lerne dazu (wenn ich auch eidesstattlich versichern könnte, es lag keine Hochnäsigkeit, keine Verachtung, kein zu vermutender Rassismus in diesem aufrichtigen Bedauern – es war grundehrlich, das garantiere ich). Gut, das will heutzutage keiner hören, schon klar.
Vorhin, es ist vierzehn Uhr, ich habe eine kleine deutsche Rentner-Siesta eingelegt – sehe ich gegenüber einen schwarzen Paketzusteller. Die Nachbarn sind jetzt mit dem Hund unterwegs, woher soll er das wissen, also signalisiere ich ihm am Fenster, zu mir herüber damit. Ich latsche die Treppe hinab, räuspere mich, denn ich weiß, bei diesem dunkelhäutigen Boten muß ich das gute Deutschland präsentieren, also reiße ich die Tür auf, recke die Faust in die Luft und brülle: „Black lives matter!!!“ Er ist derart zurückgezuckt, daß er an mein Auto vor der Haustür mit seinem Rücken anschlägt. Die legendären Augäpfel ziehen sich allmählich bei ihm wieder zurück, und das Päckchen - es wirkte einen Moment, als wolle er damit jonglieren - aber jetzt hat er auch dieses wieder fest im Griff.
Ja, also…äh – yes, alles klar.“ Er zückt nach Handhabung seines Kontroll-Gerätchens die eine Hand auch freundlich in die Höhe, lächelt erleichtert, legt mir die Postsendung wegen Corona auf die Schwelle, mustert mich, zum Gehen gewandt, unablässig. Also muß ich noch einen draufsetzen: „Welcome in Germany.“
Ja, also…äh – danke, thank you.“
Mit „Have a nice day, my friend!“ lasse ich ihn dann auch schon ziehen.
Ich bin aber auch Deutscher, also, äh…“ sagt er noch zu mir betont freundlich lächelnd – und ich tappe nicht in die Falle, von wegen, klar doch, mag sein, aber Ihre Eltern, die Familie und so, wo kommen die denn wohl her…nein, das wird nicht gerne gehört, weiß ich aus aktuellen Interviews mit Menschen, die erkennbar einen Migrationshintergrund haben.
Ich behandele ihn ganz normal, ganz einfach wie jeden anderen Deutschen auch. Ist doch klar.

Freitag, 29. Mai 2020

Migranten & Senioren

"Rentner gegen Migranten ausgespielt!"
Der Presse was in die Fresse!“

3 Schwerverletzte: Rentner rast auf Restaurant-Terrasse
So die aktuelle Schlagzeile: Wir erfahren, na klar, ein alter Sack hat mal wieder Mist beim Autofahren vollbracht – und da haben wir den Salat: Drei Menschen wurden durch den Siebzigjährigen wegen Versagens im Straßenverkehr ins Krankenhaus befördert – wie immer: das könnte man doch ändern….immer wieder wird das Alter betont, weil mit dieser Logik ein gewisses Ansinnen verknüpft wird.
Wie halten wir es nun mit der politischen Korrektheit? Soviel ich weiß, soll bei Mordtaten nicht immer die Nationalität und ob es ein Asylant oder Migrant ist, betont werden …das schüre doch so und treibe nur den national Orientierten Stimmvieh zu. Das vergossene Blut wird zu bösem Blut und hat zu unterbleiben. Und das wird in diesem Sinne, nach meiner Beobachtung, auch linientreu umgesetzt – immer, wenn eine Bluttat (ich sage nur: Messer!) stattgefunden hat, dann wird die Herkunft des entsprechenden Hitzkopfes nicht mehr beigefügt, sogar die übliche Skizzierung von Vor- und Zuname unterbleibt, denn der sagt für gewöhnlich schon klar aus, um welchen zumindest Migrationshintergrund es geht. Also auch nicht mehr Vorname ausgeschrieben, genau wie bei Nachname nur ein Buchstabe! Früher oder später kommt es im Rückblick doch wieder heraus – Bildaufnahmen („Rassismus“ hin oder her) geben auch verpixelt klare Hinweise auf den Urheber der Blutrache, des Mordes –auch wenn sich bemüht wird, nach Möglichkeit bei Vorhandensein der deutschen Staatsangehörigkeit diese besonders zu betonen, daß z.B. der mutmaßliche Täter „Hussein Yilmaz aber DEUTSCHER ist!
Seltsam: diese Auswahl-p.-c. –Hermann Z. (70) – das geht also klar. Die Vielzahl der täglich stattfindenden Verkehrsunfälle auf diese Weise aufzulisten, das würde langweilen – aber schau an, das Alter, oh ja – das bringt Brisanz in die Sache! Man braucht als junger Redakteur mit Sportwagen, der genötigt ist, über einen jungen Raser mit „Unfallpech“ negativ zu berichten, ein Gegengewicht, so kommt es mir vor. „Jetzt macht doch da oben endlich mal was gegen die Alten im Straßenverkehr“, so der gefühlte Appell. Bei über achtzig Millionen Bürgern passiert es dann und wann, daß auch ein älterer Herr oder eine Damen einen verhängnisvollen Fehler macht. Und das wird betont!
Ich fasse noch mal zusammen: Stimmungsmache der Presse gegen ältere Mitbürger ist nicht nur erlaubt, nein, geradezu Pflicht, wie mir scheint, hingegen darf bei einer hitzköpfigen Blutrauschtat nicht von Türke, Libanese, Iraner oder auch nur Italiener wahrheitsgemäß berichtet werden. Dubios, diese Unlogik.
Stößt das nur mir übel auf, weil ich mich auch der magischen Siebzig nähere? Seit Jahren bemerke ich diese Tendenz. Froh hingegen macht es mich, daß die Verschleierungstaktik bei Taten im Blutrausch früher oder später noch immer zur Entschlüsselung der Herkunft des „Messerbuben“ (danke Frau Weidel, ich mag Sie zwar nicht und werde Ihre Partei niemals wählen – aber Fakten sind nun mal tatsächliche Erkenntnisse und es ist absolut richtig, Klartext zu reden). Dann geht es auch in Ordnung, das Augenblicksversagen von Trude S. (84) zu schildern, aber bitte genau wie die rücksichtslosen Nichtsnutze, also die rotznäsigen Raser (bitte aber auch mit ausgeschriebenem Vornamen – ich weiß, was ich dabei wirklich sehr häufig erkenne - „Isch mach die Alte Krankenhaus, wenn die nicht springt!“ – auch hier sind meine speziellen Freunde mit Migrationshintergrund keineswegs nur unter ferner liefen beteiligt!).

Wenn schon Offenheit – dann aber Schluß mit den Versteck-Spielchen! 

Donnerstag, 5. März 2020

Einmal Goethe, immer Goethe!


Goethe, immer wieder Goethe

(eine Annäherung auf dem Lande)


Der Literaturkurs der Volkshochschule Popeln erging sich bei seiner Zusammenkunft im Vorraum der Mehrzweckhalle selbstverliebt in der Erkenntnis, daß es die Honoratioren ohne Absprache geschafft hatten, sich in dieser Leistungsstufe zu treffen. Alle drei waren hochzufrieden ob ihrer elitären Runde, die Frage nach der Durchführbarkeit infolge ihrer geringen Anzahl löste keinerlei Bedenken aus. Drei Deutschlehrer, sich gerne als Germanisten sonnend, wollten sich über ihren Goethe erbauen.

Johann Wolfgang von Goethe, Klassiker, um Achtzehnhundert. Das ging nun wirklich nicht, auch in Zeiten von Smartphones und der Googlerei jederzeit und überall, nein, da reiche nicht mal das 1749 bis 1832, auch nicht unter Beifügung von Frankfurt und Weimar. Das erwarte man nicht nur von Primanern – es sei schon zumutbar von ‚am 28. August 1749 zu Frankfurt am Main geboren und am 22. März 1832 in Weimar verstorben‘ wie aus der Pistole geschossen aufsagen zu können.

 Da man aber, die unterschiedlichsten Quellen bemühend, sich nicht mal die jeweilige Stunde des ermittelbaren Wochentages, lediglich rudimentär auf Tageszeiten zu einigen verstand (jeder zückte noch mehr Materialien und Gedrucktes aus lange vergangenen Zeiten), war es letztlich doch absehbar, daß der Kursus nicht nur wegen geringer Teilnehmerzahl abgesetzt wurde; vorerst sollte es zu keinen weiteren Literaturseminaren in Popeln kommen. Es wurde notgedrungen in tiefster Resignation eingesehen, das infolge des ‚Zeitablaufs‘ die Befragung von Zeugen aus dem Umfeld zu dem entstandenen Grundproblem unmöglich war (fast zweihundert Jahre lag alles zurück). Daher trennte man sich nach dieser ersten, jeden Zeitrahmen sprengenden Zusammenkunft (man munkelte noch tagelang von über fünf Stunden erhitzter Debatte). Unbefriedigt, hoffnungs- und ergebnislos trennten sich die drei erbitterten Eiferer.

 Die VHS Popeln bot zunächst kein weiteres Seminar wegen der Inakzeptanz durch die breite Masse an. Man wolle es aber im kommenden Jahr mit einem Rap-Kurs, fußend auf Goethes Faust – ein wenig Goethe geht letztlich immer - auf einem neuen Weg versuchen, so ist auch noch nach Monaten zu vernehmen. „Fack ju Göhte“ sei Dank schaute man hoffnungsfroh auf das kommende Jahr, viel Jugend erwartend – denen die krassen Daten schnuppe sind…ich schwör!

Samstag, 4. Januar 2020

Eher macht Greta Thunberg ein Nagelstudio auf…


Auf – ins neue Jahr!
(zur Lage des Autor-Seins)
Sie sprachen neulich, kurz vor Silvester, über Drehbücher, wie man ein paar verschwurbelte Charaktere nimmt, die Richtung des Stimmungsbildes vorgibt – und sie sich dann beharken läßt – ein ganz simples Spielchen. Macht richtig Laune, Herr des Geschehens zu sein. Kein Thema unter Autoren, zielgerichtet aber angerissen im Kreise von Freunden, Bekannten oder was so ähnlich tickt aus dem Umfeld: eine menschliche Wundertüte, Füllhorn aus Erfahrungen und Zeitspiegel - wie das sich halt so ergibt. Seine Frau machte das schon, wie immer, sie rief zusammen, und er verstand dies zu nutzen. Sein Ding war das banale Umfeld noch nie, aber er verstand, es weidlich auszukosten; wenn schon, denn schon. Für irgendwas mußten die Leute doch taugen.
Es beginnt mit unbedarfter Zuversicht der neuen Statisten, mit dabei aber auch die auf der Hut Ernüchterten, buntes Gewusel der Jetztzeit. Erfahrene Kränkung, erwachte Neugierde: Letztlich, wie überall, die Betroffenheit außer Acht lassend, zählte nur die Hauptsache: der Genuß von Speis‘ und Trank für lau.
Es fiel der Spruch, Menschen sind Jäger und Sammler. Der Autor korrigierte ungefragt: „Männer sind Jäger und Sammler, nur die Männer!“ Eine gerade erst hinzugestoßene Doppelnamige, die eh schon die Möglichkeit suchte, bei ihm einzugrätschen, mit kessem Schmollmund nun endlich eine von ihr rhetorisch gemeinte Frage schnippisch grinsend in die Runde werfend: „Und was ist da bitte mit den Frauen?“, an Fingerspitzen das Glas jonglierend, verharrend im angedeuteten Schluck, die andere Hand zum Klapphändchen läppisch elegant schlaff aus dem hohen Arm herabhängend. Nobelste Markenkleidung, wie einem Laufsteg entsprungen.
Auf die hatte der Autor gerade noch gewartet. Die Zurückhaltung war alkoholbedingt längst aufgegeben. „Nur die Männer, das sollte wohl hinreichend bekannt sein – sowas weiß man doch! Frauen sind, ja, auch Menschen, natürlich, aber doch für die Brut zuständig …und die Höhle sauberhalten, fertig.“ Das saß doch recht ordentlich, zumal es auch noch stimmt. „Die Katholische Kirche, die ach so Heilige, die hat das schon immer gewußt und sich niemals davon distanziert!“ setzte er noch, so richtig in Laune, einen drauf, vielleicht eine Spur zu laut.
Sie verschluckte sich an Ungetrunkenem. „Wie bitte?“ Sie hockte nicht mehr auf der Kante der Sofalehne, nun suchte sie festen Halt, scharrte quasi mit den Hufen, strich ihr Kostümchen mit der auf einmal unschlaffen Hand unnötig glatt, nahm Stellung auf. „Nur weil Sie selbst wohl kein Jäger sind – und es ist hinreichend bekannt, wie Sie Ihr Anwesen, Pardon: die Höhle, vollsammeln, machen Sie sich somit in unserem Territorium breit, wo wir doch Kinder säugen und herumfeudeln sollen?“ Sie machte sich sogleich zum Sprachrohr der verstummt entsetzten Frauen. Die selbsternannte Sprecherin erhöhte die Stimmlage bedrohlich.
Er dankte Gott, von ihm aus jovial auch Göttin, inständig in Gedanken auf Knien – hier, in seinem heimischen Umfeld, bestand kein Zwang zur Duzerei, kein Ikea- und Sozen-Umfeld – was für ein Segen! Seine Frau hatte eingeladen, nicht er. Er mußte nicht bis zum Letzten dabeibleiben. Die Stimmung kochte bedrohlich leise hoch, überall erstarb Gemurmel, Köpfe schwenkten sich Hähnin und Hahn zu (so hatte er doch eines seiner früheren Bücher benannt; und es jahrelang bereut, die konservative Reihenfolge in der Benennung der Kontrahenten umgekehrt zu haben): Heute würde er es entschlossen Hahn & Hähnin nennen – aber nun war es zu spät.
Richtig – ich bin Sammler, kein Jäger. Von Sammlerin oder gar Jägerin war noch nie die Rede. Aber Sie, als Frau – sind, Pardon, halt nur Frau, nicht Herrin. Keine Wertung, nicht falsch verstehen: nur die nüchterne Tatsache aus der Evolution.“ Ein schon leicht lallender Unterton. Es wurde anstrengend, verbissenes Beharren auf beiden Seiten. Es reichte. Einlenkender Smalltalk wurde von versöhnlichen Geistern hinzugefügt, verkrampfte Entzerrung der verfahrenen Situation. Man hörte über das Wetter mutmaßen. Beide wurden diplomatisch von Mutigen getrennt, Bemühen um Frieden im Hause. Dies durfte schließlich noch nicht das Finale sein!
Der diplomatische Abgang erfolgte schon bald in rascher Abfolge, denn sie hatten sich nichts mehr zu sagen, ziemlich gleichschnell machten sie sich ohne große Mühen aus dem Staub: Sie durch die Tür und raus aus diesem Haus, er nach oben in sein Sammlerparadies.
Seine Frau kam eine ganze Weile später nach und seufzte, um Gelassenheit bemüht, ohne Umschweife: „Das war ja mal wieder ein Volltreffer. Dazu kann ich nur gratulieren.“
Amüsiert frickelte er weiter in seiner Sammlung zur Beruhigung herum, zufrieden darauf verweisend, daß er diese Schnepfe auch nicht eingeladen habe, zudem war schließlich Ziel und Zweck des Empfangs, der Produzent der Filmgesellschaft, ohnehin nicht gekommen. Vergeudete Zeit also. So seine Meinung.
Nicht ganz, mein Lieber. Gewiß ging Dir diese, zugegeben: Zicke, vom ersten Moment ihres Auftauchens an auf den Keks, war mir sofort klar, diese Verbesserei, warum es immer noch Herr der Lage heiße, wieso Gott männlich sein soll, ach, diese ganze nervige Hochzieherei, aber ich kam ja nicht an Dich ran, um Einhalt zu gebieten, immerzu mußtest Du ja Dein Publikum pieksen, beäugen, unterhalten, testen und auf Verwertbarkeit wägen - und dann hast Du Dich auch noch reizen lassen.“
Die hatte es verdient. Wenn ich nur dran denke, wie die auf einmal hinzukam – woher eigentlich? Scheißegal, bis dahin war es noch recht amüsant, aber dann, diese austickende Pißnelke…“
Das war die Produzentin, Du Sammler!“
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Ach was, auf ins neue Jahr – was sollte sich jetzt noch ändern? Die Welt, ein Reigen aus Fakten und Fake-News – „so what“: Recht zu haben bringt nicht immer Segen, vor allem wenn es rücksichtslos herumposaunt wird – eher eröffnet Greta Thunberg ein Nagelstudio, aber die Menschen ändern sich doch nicht – NO WAY! Durch Sachbücher weiß ich nun, daß ich zu den alten weißen Männern gehöre (ohne im Trump-Lager zu landen). Schöne neue Welt der anonymen Shitstorms: vermeintlich aufgeklärte Weltoffenheit macht sich selbstzufrieden breit – es ist schaurig.
Willkommen im neuen Jahr!
Ich danke schon jetzt jedem, der mir glaubhaft das Gegenteil meiner schwarzhumorigen Einstellung vorlebt.

Dienstag, 17. Dezember 2019

Schreib mir Deinen Namen …


Wolfgang ohne H
(ich schreibe mich anders, also bin ich…anders)
Daß sich Gerhart Hauptmann mit T schreibt, das wußte ich schon recht bald. Keine Ahnung, ob er sich damals bereits hervorheben wollte. Aber heute ist es oft eine Masche – die Masche der Eltern. Ich rede jetzt nicht von Gerd oder Gert, Karsten oder Carsten, Carl oder Karl, Klemens oder Clemens, Hermann oder Herman, Bernd oder Berndt – oder die vielen H-Problem-Namen: Günther, Diether, Thorsten, Thomas sogar Thimo! Alle schon mit und ohne H gesehen. Matthias gibt es auch als Mathias und Matias (auf Maias weiter zu kürzen hat sich noch keiner getraut)– ich kenne je einen, Minimum. Und hier schreibe ich jetzt nur mal sogenannte männliche Vornamen – Toni und wenige andere gelten auch bei uns für Männlein und Weiblein – in den USA gilt fast jeder Name für beidseitige Verwendung (mitunter optisch in der Schreibweise abweichend: Lesley oder Leslie). In Italien wird flugs aus unserem Andreas ein Andrea – und das ist bei uns ein Mädel. Aber was verwirrt uns heute nicht?
Ich merke, da betrete ich ein weites Feld – das wird mir zu groß. Nur soviel: Sich abheben oder von den Eltern abgehoben werden ist viel älter als Instagram. „Was wäre ich ohne mich“ gilt heutzutage mehr denn je. Wer’s braucht…
Die Exzentrik liegt wohl eher bei den Nachnamen. Aber das packe ich erst gar nicht an.
Obwohl, wenn ich so drüber nachdenke: Wohlfgang….ich überlege weiter.

Mittwoch, 11. Dezember 2019

Wendler und andere – Stars aus deutschen Landen


Der Wendler? Immer noch unser Wendler!
(aus meiner Serie: Deutschland, Deine Stars)
Jedes Land bekommt, was es verdient – und den Wendler glaubten wir schon an die USA verloren, doch es besteht Hoffnung: er wird zurückkehren (ich kann es noch gar nicht wirklich wahrhaben). (VORSICHT: SCHERZ!).
Jetzt wollte er doch in Amerika durchstarten („ Se tschörmen King of Pop“), und was hatte er im Vorfeld schon ausgiebig geübt („Good morning in the morning“), sich im Dschungel fit gemacht ( „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“). Na, und dann sowas wie seine zweite Tochter, das Schulmädchen Laura, die mit einem Charme versehen ist, daß man sie für eine bulgarische Straßennutte halten könnte. Nun ja, Lolita-Erotik liegt ihr, Schnute und Klappbeinchen, alles prächtig und tausendfach präsentiert – und er paßt auch gut auf seine Mündel-Maid auf: Nein, er hat es wohlbedacht verstanden, das für den kommenden Januar geplante Aufeinandertreffen seiner Noch-Ehefrau mit seinem Liebesmädchen zu verhindern (Dschungelcamp)– geboten wurde sicherlich sehr sehr viel Geld, ich kenne doch die Machergilde; Hartwig und Zietlow hatten bestimmt schon einen Wust von Gag-Ideen ihrer Schreiber auf dem Tisch – nun heißt es für das Moderatoren-Duo also erst mal einzig und allein zu der durchaus sympathischen Milf eine Auslese zu erwartender schlüpfriger Kommentare einzustudieren (sie wird auf „die Büchner“ treffen – die Witwe eines drittklassigen Malle-Grölers: Deutschland, Deine Stars!). Ist auch besser so – es liegt auf der Hand, wie Frau Norberg (die Ex) das Dummchen Laura zerfetzt hätte. Keine Klickrekorde hätten das Hascherl schützen können – so mußte der „Ährenmann“ sein Hälmchen schützen. Professionelle Umsichtigkeit, fürwahr. Und es kommt noch diese unsägliche Elena Miras hinzu – Schlimmer-Frau geht nimmer – die absolut Allerletzte auf zwei Beinen! Es wird wahrhaft himmlisch, garantiert.
Eines will ich zur Ehrenrettung des Wendlers betonen: Er spricht ein gutes Deutsch (ja, zugegeben, „AUF Westerland“ war ein Ausrutscher, das passiert auch, wie gehört, unseren Besten), aber sonst geht es. Allemal ist mir das lieber als Rapper-Deutsch: „Isch weiß wo dein Haus wohnt, Alter – isch mach disch Krankenhaus!“
Der Wendler gehört für mich bei der Flut von deutschen Promis in diesem ganzen Ausschuß-Ramsch immer noch zu den Schnäppchen. Den Sozialen Medien sei Dank: wenn sich die kleine Laura einen Fingernagel abbrechen sollte – wir werden es sofort gewahr!
Übrigens: Bitte nur keine Fremdscham oder gar Peinlichkeitsempfinden für solche Subjekte aufkommen lassen, liebe Mitmenschinnen und Mitmenschen: solche Leute vom Promi-Sauhaufen suchen Öffentlichkeit um jeden Preis, rückhaltlos! Bar jeder Selbstachtung – würdelos agieren, manche Leute brauchen das (also „berühmt sein“ und Geld ohne Arbeit). Ich schaue da begeistert zu, wie sich Erwachsene zu Kindsköpfen machen, sich mitunter gar um Kopf und Kragen bringende Bemühte, wie sich aus lauter Geilheit auf zwielichtigen Ruhm Nichtsnutze und Nichtskönnerinnen zum Affen machen. Sie buhlen das ganze Jahr um dieses Fünkchen Aufmerksamkeit. Sie wollen es so: sollen sie es haben – ganz einfach. So lange ihnen nicht die Zurechnungsfähigkeit offiziell aberkannt wird, gelten sie, o Wunder: als Normalos!
Für mich ist solche Trash-Unterhaltung die reinste Medizin.



Sonntag, 1. Dezember 2019

Die Genderfrage


Das neue Dasein: QUEER-Beet
(Alles ausleben? Mensch, ändere Dich nicht!)
Männlein und Weiblein – von wegen, die Schöpfung hält über 60 (SECHZIG) Varianten bereit, von androgyn bis Zwitter (mich hat die Auflistung ermüdet, ich habe aufgehört zu zählen). Denken Sie auch sofort politisch gerecht an die Vielzahl benötigter Sanitäranlagen – da wird es dann schon irgendwie faszinierend – WOW! Wenn Hilfskräfte die Dixies bei einem Event nicht alphabetisch aufstellen, armes Zwitterlein, das sich wer weiß wie und wo einpullert auf der Suche nach seinem Pott. Heute scheint alles sexualisiert, unbegrenzt.
Ja, das sehe ich auch ein, ist schon gemein, ich weiß, aber was bleibt mir übrig, wenn ich so überfordert werde. Ich habe mich in einem ersten Schritt schlau gemacht: es könnte sein, daß ich „hetero“ bin, vieles spricht dafür, aber darauf wetten würde ich nicht. Ach, ich bleibe einfach bei „männlich, normal“ – kühne These, schon klar (und nun, im Alter, ist es eh schon wurscht).
Was waren wir damals naiv; es gab nur Mann und Frau und irgendwann wurde gemunkelt, es gäbe „noch irgendwas – ich weiß nicht so recht“. Aber ganz früher hatten die Menschen zu arbeiten, um überleben zu können, da war keine Zeit, den Launen der Natur nachzuspüren. Die Gender-Frage stellte sich einfach nicht (Wasn fürn bistn dudn?). Und es soll Gegenden auf der Welt geben, da ist das heute noch so!
Unterdrückt sein ist schrecklich, das kann ich auch nachvollziehen – aber muß alles denn gleich derart offensiv ins Gegenteil protestiert werden (Christopher Street Day, Love Parade – all die widerwärtigen Exzesse aus Provokation und „Jetzt sind WIR mal dran“) – mich verärgert das, mehr Verständnis wird da bei mir jedenfalls ganz und gar nicht erzeugt, das sehe ich eher gegenteilig. Ich kenne aus meinem Bekannten-Umfeld ganz normal Schwule, die haben solche abnormen Exzesse nicht nötig. Ich denke an andere Staaten, gar nicht so weit weg: nach Verärgerung kommt nicht etwa die Einsicht zu einer ganz großen Toleranz, da kommt neben Hohnlachen und Verspotten die Verachtung – und das ist für solche Paradiesvögel regelrecht lebensgefährlich.
Aber heute wird ja auf Teufel-komm-raus operiert, vor lauter Langeweile und selbstauferlegter Lebensödnis vermeinen so manche dieser (potztausend, auf einmal selber entdeckten) dubios menschlichen Wesen, hier und da noch was verändern zu müssen. Es reichen nach Säbelzahntigern, den Russen und den Ersatzschauplätzen lebensgefährlicher Aktionen nicht mehr die modernen Möglichkeiten der Grenzerfahrungen: sie wollen ihre Grenzen mehr als nur psychisch spüren! – manche erforschen aus Übermut und Langeweile ohne wirkliche Not, was sie sich selber noch bieten könnten, Schönheits-OPs scheinen dagegen nur noch Kinderkram. Und nach dem „Fünf-Minuten-Ruhm“ winkt heute gerade den jüngeren Generationen die Karriere als „Promi“ – wenn auch nur in der Kategorie eines der hinteren Buchstaben des Alphabets (es gibt ja bei uns noch immer die Umlaute, der vermeintliche Gott Duden sei gepriesen!).
Jetzt ist Vorweihnachtszeit – 2019 – der neue Renner auf dem Markt für Adventskalender: SEX-TOYS. Na, wenn da nicht Besinnlichkeit aufkommt!
Vielleicht auch bald das Gesellschaftsspiel: Mensch, gendere Dich nicht!

Dienstag, 26. November 2019

was man so sagt ...


Für jeden was dabei
(was man so dahinsagt)
Eine Bekannte sagte neulich zu meiner Partnerin, als sie eine stattliche Ansammlung ihrer Schmuckerzeugnisse betrachtete: „Sind wirklich schöne Sachen dabei.“ Es ging um Ketten aus Papierperlen und vieles andere, alles Unikate natürlich. Und richtig, die Geschmäcker sind verschieden, was den einen anspricht, ist nicht unbedingt auch der Fall einer anderen.
Ich mußte an meinen Aufenthalt in der Bruker-Klinik Lahnhöhe denken, als ich damals aus meinen Büchlein las und auch an das Personal Freiexemplare verschenkte. Ein junger Pfleger sagte tags darauf so leichthin, nachdem er wohl darin gelesen hatte: „Doch ja, sind ganz schöne Geschichten dabei.“ Für mich klang das wie, na ja, manches kann man lesen…ist das von mir zu eng gesehen? Bin ich zu empfindsam – oder liegt es an der Unbedachtheit dieses jungen Zeitgenossen, der gerade in dieser Umgebung ein wenig mehr darüber nachdenken könnte, was ihm so über die Lippen kommt. Er hat schließlich tagtäglich mit seelisch kranken Menschen zu tun. Ich setze noch einen drauf:
Bleiben wir in der Zunft im Umgang mit Menschen, wo gerade Empathie die Grundvoraussetzung im Berufsleben ist. Es war vor vielen Jahren eine der letzten Noteinweisungen meiner Frau in die Nervenklinik, die schizophrenen Anfälle machten den Alltag in freibestimmter Umgebung unmöglich, also war wieder mal ein Aufenthalt in der Geschlossenen unvermeidbar: Ein Krankenpfleger sollte auf Weisung der Stationsleiterin die Station erklären (Arztzimmer, Besucher- und Raucherraum, Gemeinschaftsräume, Teeküche etc.) – er kürzte ab mit den Worten, unvergessen: „Aber was führe ich Sie lange herum, Sie kennen sich ja hier aus.“ Flapsig dahergeredet, Unbesonnenheit eines Dummerle, der am falschen Platz war. Und hier war es fatal (und der Depp mit dem Gemüt eines Fleischerhundes merkte das selber so gar nicht).
Einem Jeden von uns rutscht schon mal was raus, es kann nicht unablässig alles „auf die Goldwaage“ gelegt werden – völlig klar. Aber ein wenig mehr Besonnenheit würde dem einen oder der anderen unter den Mitmenschen ganz gut zu Gesicht stehen, finde ich. Ich beobachte eine tragische Entwicklung, Mitmenschen stellen sich als „Leute“ dar, mehr und mehr. Gerade in der heutigen Zeit läßt das nach meiner persönlichen Einschätzung zunehmend zu wünschen übrig. Eine bittere Entwicklung, wie ich finde.
Eines ist mir dadurch klar geworden: Tiere ziehe ich jederzeit „Leuten“ vor.

Sonntag, 20. Oktober 2019

Das war nur ein Traum ...


Ein Traum, nur ein feuchter Traum
(es muß lange her sein)
Es war wohl meine Schulklasse, wir waren im Hallenbad (dies zu feucht – was dachten Sie denn…), wir schwammen herum; das Wasser wurde weniger; als einer der Letzten hörte ich auf mich zu betätigen und hockte mich auch auf den Beckenrand. Ja, nun war kaum noch der Boden bedeckt, niemand wunderte sich. Der schlaksige Klassenlehrer, alles andere als mein Kumpel, legte sich lang hin mit hinter dem Kopf verschränkten Händen, kam mit seinen Füßen an mich heran, igitt. Ich rückte ab. Da näherte sich ein bildschönes Mädchen, kurzes Haar, was damals eigentlich bei mir einen Punktabzug darstellte (als hätte ich mir eine solche Marotte leisten können), völlig unwesentlich – sie war einfach nur wunderschön; sie flanierte so am Rand entlang und dann nahm sie neben mir Platz. Nicht irgendwo neben mir, sie setzte sich an mich heran, Haut an Haut. Ich wagte kaum zu atmen, das konnte doch gar nicht sein, keiner war so unbedeutend wie ich; sie lehnte sich an mich an, schaute mit bezauberndem Blick zu mir – und auf einmal fing sie an mich zu küssen. Ich dachte, um Himmels willen, das kann ja gar nicht sein, und überhaupt … der Lehrer …und die anderen. Ich zog mein Gesicht zurück, schüttelte verwirrt den Kopf, wollte etwas sagen, fand keine Worte …und sie stand auf, zuckte mit den Achseln und ging. Sie schaute sich nicht einmal um.
Da kein Wasser mehr eingelassen wurde, entschwanden alle; ich dachte, was würde gleich hämisch und vor allem neidisch auf mir herumgehackt – nichts, rein gar nichts, als wäre nichts geschehen. Sie mußten es doch gesehen haben, aber keiner hatte Notiz davon genommen. Wenn ich das geahnt hätte…
Alle hatten sich abgetrocknet, wir gingen, und ich mußte feststellen, daß es die Tür, durch die SIE in ihrem schwebenden Gang entschwunden war, gar nicht gab.
* * *
Ganz großes Westerwälder Ehrenwort, das habe ich letzte Nacht geträumt. Der unnütze Klassenlehrer, die Horde tumber Mitschüler, die feine Muse – zumindest den Erstgenannten habe ich erkannt. Doch wir waren nie im Hallenbad, seltsam.
Ach so, und noch ein Nachtrag. Und das ist nur teilweise ein Traum – viel, viel später begegnete mir Sabine – und sie hatte langes dunkles Haar, und sie schaut sich stets um und winkt mit zwei Armen …aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.
(UNS beiden zu meinem 68. Geburtstag gewidmet)

Sonntag, 13. Oktober 2019

Literaturnobelpreis für Peter Handke

Peter Handke – danke
(wenn auch Ösi – aber deutscher Sprache)
Nun hat er, nicht nur für mich überraschend, den Nobelpreis für Literatur zuerkannt bekommen. Das ist „allerhandke“, werden die komischen Lästerleute dazu althergebracht kalauern. Bezüglich Serbien/ Milosevic kann ich mir kein Urteil erlauben, aber Herr Handke war für mich von wegweisender Bedeutung.
Ende der Sechziger, ich war so sechzehn/siebzehn Jahre alt, lief samstags am Nachmittag im Fernsehen SCHREIB EIN STÜCK. Als Gäste kamen Menschen der Literaturszene hinzu, mitunter auch Peter Handke. Ich hatte zu schreiben begonnen – und dieser junge Mensch war für mich eine ganz neue Perspektive über meine derzeitigen Helden Heinrich Böll und Siegfried Lenz hinaus. Ich klebte an seinen leisen Lippen und hörte erstmals nach vorwiegend völlig deplatzierten Deutschlehrern von einem richtigen Menschen Ermutigendes! Der nahm mich mit. Ich schöpfte ergänzende Courage zu weiteren Schreibversuchen, weil mein eigenes Zutrauen jahrelang vernichtet worden war. Ja, genau das war der Weg, den ich gehen wollte.
Nicht alles von Peter Handke war für mich nachvollziehbar, aber interessant war es von Anfang an. Unvergeßlich ein Samstagabend, als bei Kulenkampff ein Auszug des Skandalstückes Publikumsbeschimpfung mit Gottfried John vorgetragen wurde, zum Befremden des Publikums, deshalb auch gleich die souveräne Häme von HJK über seine Bühnen-Gäste, weil er seinen Zuschauern im Saal und an den Fernsehern imponieren wollte – aber er überspannte den Bogen nicht. Kuli konnte man nichts krummnehmen.
Die Begrüßung des Aufsichtsrates und der Film Die linkshändige Frau werden mich mein Leben lang begleiten. So umstritten Peter Handke sein mag und so kontrovers sein literarisches Schaffen diskutiert wird: Er ist ein Sprachstilist – und in der Kunst muß nicht jeder alles verstehen.
Mir hat er geholfen, einen wahrhaftigen Lebenssinn zu erkennen und zu festigen. Dafür allein gebührt ihm meine Dankbarkeit. Er wird nie von mir erfahren, und das kann durchaus ein Segen sein; für wen auch immer.