Meine wahre Größe
Seinerzeit,
in der Schule, lieferte ich mir mit einem gewissen G.B. ein hartes
Kopf-an-Kopf-Rennen über all die Jahre dahin. Letztlich siegte er, der andere.
Ich war der Kleinste der Klasse.
Als Verwaltungslehrling konnte ich mir in
der Personalausweisstelle selber ein mit Tusche gepinntes Exemplar ausstellen –
ich war auf einmal 1,63 Meter! Beim Bund sackte ich ein wenig zusammen – ich
hampelte ohnehin am Ende der marschierenden Kompanie herum. Der Spieß schrie:
„Vorne kürzer treten, die Zwerge geraten in den Kurven ins Spagat.“ (Der
Spagat, Du Armleuchter). Meine Partnerin viel später meinte, ich sei nie und
nimmer die wirklich mal gemessenen 161 cm groß –dies sei ihr Maß, und sie sei
ja nun deutlich „über mir“. In der Arztpraxis, neulich, bei der Vermessung vor
dem Krankenhausaufenthalt, wollte man mir locker 15,9 Dezimeter unterjubeln –
da hörte sich dann aber alles auf! „Ein Meter sechzig!!!… oder haben Sie zu viel
Privatpatienten?“ – Ich bin es endgültig
leid, mir meine Größe vorschreiben zu lassen. Reicht es etwa nicht, daß ich sie
ertrage … daß sie, als Ventil, den giftzwergMÄÄN aufstachelt?
Den Wettlauf über Jahre in der Schule mußte
ich trotz Führung in manchen Jahren zuletzt
als verloren hinnehmen, aber in
der Behörde hieß es letztlich: Klein aber oho! Und der Personalratsvorsitzende
äußerte ein respektvolles „Ach Wolfgaaaang, Du bist nicht klein – kurz
vielleicht, keinesfalls aber klein!“ Ich wurde ja „gebraucht“.
Bei Lesungen habe ich jahrelang mit dem
Stück ICH GEHÖRE NICHT DAZU eröffnet.
Das Problem mit der Größe kam auch darin vor.
Und überhaupt: Das Wachstum hatte ich eigentlich
nur vorübergehend eingestellt – seit einigen Jahren wachse ich wieder! Nun gut,
nicht in die Höhe – aber die Luftverdrängung ist erwiesenermaßen erkennbar. Ich
werde größer und größer – bildlich gesprochen. Also ich sehe es jedenfalls so.
Vorsicht jetzt. Auch kleine Waffen können
geladen sein …