Sonntag, 11. Mai 2014

ESC – Europa hat geträllert

Ich will mich regelmäßig ärgern

(und das mache ich auch)

Jedes geschlagene Jahr tue ich es mir wieder an – unter welchem Namen auch immer Europa singend zusammenfindet, ich bin dabei ( zwölf Pünkte und so, Sie wissen schon). Aber dieses Jahr kam es anders – so viele gute Lieder vernahm ich noch nie! Lag aber auch daran, daß man sich an altem Liedgut vergriff, phasenweise (z.B. brachte es eine Gruppe fertig, schamlos die Hookline von Steppenwolf’s The Pusher notengetreu einzuarbeiten, überhaupt, das Wiedererkennen alter Phrasen und Melodieschnipsel würde allein einen Artikel füllen). Alles im Grunde genommen wie immer, nur noch mehr Zirkus drum herum. Und der Ostblock schmeißt (das M ist mir zur Rettung noch rechtzeitig hineingeraten) sich reihum mit Punkten zu, wie immer. Neu ist, daß der Westen zunehmend die angrenzenden Nachbarn außen vor läßt – man ist bemüht, anders zu sein. Ach so, anders – Conchita Wurst (und beileibe nicht die Wurst, als HANS oder in Wahrheit Tom schon eher der, aber scheinbar wohl am besten DAS). Und damit der Osten mit dem Finger auf den dekadenten Westen zeigen kann, heißt es von hier: Wir sind aber tolerant! Ja; es ging um das Wurst, bombastische Musik, wie für einen neuen James-Bond(chen). Wirklich stark, also akustisch, sonst eher ein starkes Stücklein.
   Mit Elaiza war doch eigentlich der Osten so schön für uns eingebaut, nix da, im Hinterfeld landeten die drei putzmunteren Mädels, schade (war aber nur für uns ein Ohrwurm, weil es hier schon ständig legal beworben wurde). Es gab, ich deutete es schon an, tolle Songs – die Niederlande mit einem Country-Duo, ein Knaller; die feuchte, oh nein, bitte: pitschnasse Spanierin sang grandios um ihr Leben, und die frischen Mädchen aus Rußland mußten den politischen Tribut zollen (traurig für die blonden Zwillinge, aber der Westen hat Rußland nun mal derzeit auf dem Kieker). Schade drum, so hübsch das auch rüberkam. Ohne Politikum wäre es ein Song für einen der ersten Plätze gewesen. Na, und das prallgesunde polnische Leben war lecker anzuschauen. Ein gewichtiger Problemsong aus Ungarn, sehr überzeugend, ein wahrhaft pfiffiger Refrain aus der Schweiz; und Malta bot eine für mich mitreißende wahrhaft un-uniformierte bunte Gruppe auf, ganz herrlich, genau, wie auch Dänemark ein fröhliches Gehampel bot. Unterhaltung, die es schließlich sein soll.
   Fast alle singen seit Jahren auf Englisch, das ist einfach so. Oder könnten Sie sich vorstellen, die Engländer sängen deutsch, die Franzosen englisch? Nein. Definitiv.
   Der tragikomische Ralph Siegel (Ein bißchen Siegel …) findet immer ein kleines Land, und klimpert persönlich – es ist seine Welt – und es war sein bestes Lied seit langem.
   Ach ja, das deutsche Rahmenprogramm, seit ein paar Jahren somit schon fast traditionell auf der verregneten Reeperbahn. Die dralle Schöneberger moderierte, die schöne Helene vermittelte atemlos die deutschen Punkte, der näselnde Delay gab die Hütchen-Rampensau - was aus deutschen Landen so kommt.

   Der Versuch eines Ausblicks: Wie könnte man nach einem bärtig-femininen Wesen in Österreich nächstes Jahr noch einen draufsetzen? Heraushängende phosphoreszierte Schniedel, die keck im Takt wippen …wie taktlos, aber die Zeit wird es zeigen. Lassen wir uns überraschen. So vielseitig wie dieses Jahr, das hatten wir lange nicht. Was für eine Welt – und ich möchte es nicht missen, daß all dies hier möglich ist. Das macht letztlich auch den Reiz aus.

Donnerstag, 8. Mai 2014

Bitte - wann?

Deutsch – schwer vermittelbar

(am Beispiel WANN)

Er hat gewonnen, sie hat auch gewonnen!“ Nicht nur an Erfahrung, nicht im Glücksspiel – im Sport. Seltsam, überlegen Sie doch mal! Da wurde gekämpft – und dann wird der Sieg abgewertet als Glücksfall. Im Wort gewinnen verschwindet die Leistung.
   Wieso ist ein älterer Mann jünger als ein alter Mann? Die Kopfschmerztablette ist nicht dafür, sondern sollte eigentlich dagegen wirken. Es heißt Amtmann und Amtsrat – wieso ist beim zweiten ein S reingerutscht? Das ist deutsch, und das erklären Sie mal Ausländern, die sich bemühen, unsere Sprache zu lernen.
   Eine fremdsprachige Freundin, die sich wirklich bewundernswert in kurzer Zeit in unsere Sprache eingefunden hat - sie würde niemals als und wie falsch gebrauchen, wie es die meisten meiner Landsleute tun (so groß wie, größer als – ist wirklich nicht schwer) – sie stellt mir immer wieder verblüffende Fragen, und dann kann man schon mal ins Schlingern kommen. Neulich (!) sprach sie das Problem der exakten zeitlichen Zuordnung an, also wann man welchen Begriff gebraucht: gleich, bald, später, gelegentlich, demnächst, nachher, in Kürze, damals, vorhin, unlängst, jüngst, vor Kurzen, eben, dann …da bricht einem der Schweiß aus, wenn man das erklären soll. Darüber denkt man gar nicht mehr nach, das gebraucht man einfach …stellen Sie sich das mal in einer anderen Sprache vor!
   Jaja, ich weiß – die Eskimos, vierzig Wörter für Schnee. Ich habe es mal gegoogelt – es sollen tatsächlich hundert sein, aaaber: im Grunde genommen nur vier – denn es gibt dort in der weißen Gegend viele verschiedene Sprachen.
   Das ist hier nicht anders. Wenn man bedenkt, wie landschaftlich verschiedene Begriffe für ein und dasselbe bestehen. Auf das Gebiet begebe ich mich nun ganz und gar nicht, auch nicht mit nur einem Beispiel – Platt oder Dialekt …ohne MIR.
p.s.
Ich habe soeben Essen beim Metzger bestellt, es ist 8 Uhr. Die Fleischereifachverkäuferin flötet: „Bis gleich.“

Essen gibt es um 12 Uhr. Ja gut, ich weiß: Hauptsache, es schmeckt … und das tut es auch, häufig, oft, meistens, in der Regel, fast immer – nur manchmal, ab und an, dann und wann, mitunter …nicht so.

Mittwoch, 23. April 2014

Posing für alle

Weil man das so macht

(die großen Gesten der kleinen Leute)

„Gib mir fünf!“ Oh, yeah. Alle machen es, das Abklatschen, schon die Kleinsten werden von den Alten darauf getrimmt – das macht man heute so. Hand her – klatsch. Ganz dolle. Der Anlaß kann gar nicht gering genug sein, um wieder eine Runde einzuläuten. Das verbindet: „High Five“ – oh oh yeah! „Schlag ein!“ Die Seuche blüht.

   Das ist auch nicht ganz neu. Rituale gab es schon immer. Und unkaputtbare Gesten, allen voran die Telefongabel – ja, wir telefonieren dann! Abgespreizter Daumen und kleiner Finger – auch heute noch in den Castingshows die ultimative Aufforderung, doch bitte-bitte für einen anzurufen. Das Handküßchen der Mädels gibt es obendrauf, den Augenknipser der Burschen ebenso. Und vereinzelt schon ganz modern angepaßt, das symbolische Eintippen in die Hand und dann ans Ohr (das erscheint mir durchaus zeitgemäßer).

   Oder: Wir sehen uns – zwei dolchende Finger in eigene Augen und die des Gegenübers, im Guten wie im Bösen, freundlich oder feindlich gemeint, alles möglich.

   Besonders beliebt in der Sportwelt – das Beißen in die Goldmedaille, das fordern die Reporter immer, ob es der Akteur mag oder nicht, er muß einfach mitspielen – und in der Euphorie des Erfolges wird es auch nur zu gerne getan. Fremdschämen, das muß gar nicht sein – die eigene Verlegenheit der Genötigten reicht schon. Überhaupt suchen die Kameras die lohnenden Schnappschüsse. Gerade der Fußball bietet mit den Rasen-Knie-Rutschern, dem Zickzack-Lauf mit den ausgestreckten Segelarmen, den eigenwilligen Tänzen um die Eckfahne, den stehenden Posen und den jubelnden Grimassen eine Wundertüte aus schier unerschöpflichen Pfründen. Das schaut nicht unbedingt spontan aus, das wirkt eher wie Vorbereitung, Probe und Kalkül. Arschwackler, Trikotschwenkerei und vieles mehr, der blödesten Gestik ist keine Grenze gesetzt. Daumen hoch, klar-doch, das ist doch wohl das Mindeste! Wer bin ich denn, wenn nicht ich!?

   Und in der Welt des Films – und gerade der unüberschaubaren Flut saublödester US-Serien, sehe ich es unablässig: Sie beginnen alle mit dem gleich dämlichen Vorspann, daß die Hauptakteure von der Seite oder unten in Zeitlupe cool zum Objektiv blicken, mit starrem Blick um die Gunst der Quotenbereiter buhlen – das macht man so heute, es besteht gar keine Müdigkeit oder gar Überdruß, das noch und nöcher weiterzutun. Alle machen willfährig mit – wir in Deutschland stehen da nicht nach, undenkbar. Und erst die Posen auf den roten Teppichen – die Damenwelt bietet eine Parade der schrecklichsten Selbstverliebtheit – dusseliges Mienenspiel törichter Blicke (fast hätte ich MINE geschrieben – für mich naheliegend – zum „Hochgehen“ finde ich es, immer die gleichen Posen, Bein seitlich ausgestellt, Arm eingestützt, Kopfhaltung schräg geneigt – Schokoladenseite (braun wie Kacke). Aber das machen doch alle, weil man das so macht?!

   Aus den gelobten United States kommt es, und mit Jubel-Hurra wird das alles gutgeheißen, Kappe auf den Dez, je schräger und verkehrter, desto besser – und niemals normal gehen, nie und nimmer – Cool ist der schlurfende Gang, Beine träge nachziehen, besonders bei den schnellsten Sprintern macht sich das herrlich, aber auch bei einem lässigen Präsidenten – das hat was – cool, man! Hauptsache entspannt wirken, in der aufgesetzten schlaffen Pose, das ist es – das macht die Show aus. Bein Männern baumeln die Arme relaxt, bei Frauen wird zumindest einer angewinkelt, wie mit Handtasche früher, nur heute ohne – das ist chic, das schlaffe Patschehändchen (immer wieder ein Blickfang für mich, ich komme davon einfach nicht los). Und sie strahlen es alle aus: wer bin ich denn – wenn ich nicht ich bin. Jeder kann alle sein, für auch nur Minuten – der WHO im Wer-ist-wer, oder gut neudeutsch: der WER im Who is who.

   In der Rockmusik die Teufelshörner, die Frittengabel (Zeige- und kleiner Finger hochgespreizt) – das ist es, Alter! Das eint uns – wir sind eine Gemeinschaft. Wir machen alle mit, bis morgen früh und trallala (Karneval möchte ich mir hier und jetzt ersparen). Wir sind alle wir, yep.

      Ein anderes Mal befasse ich mich mit den ganzen Sprüchen, was man so nachplappert, weil es so üblich ist (Sie wissen schon: Trinksprüche von KOPP IN DEN NACKEN und SO JUNG KOMMEN WIR NICHT MEHR …all das, was so schön gleichmacht und verbindet) – und wir hier unten sagen anerkennend von denen da oben: „Der macht alles mit, der ist einer von uns!“ Und der Chef, der Großkotz, kann sich die Hände reiben – er hat dem Fußvolk verschwörerisch einträufelnd versichert, ganz normal geblieben zu sein. Sie glauben es nur zu gerne. Herrlich, einfach nur schön zu beobachten. Das Wir-Geschmier. Pakt und Bündnis für die, die es glauben.

   Pardon, ich kann nicht mehr. Ich muß nun schließen – mir ist schlecht von all den Bildern vor Augen, ich muß kotzen – gaaaanz cool, Leute!

Freitag, 18. April 2014

Fachsprache

Wer sagt das denn?

(die besonderen Kniffe im Alltag)
Dies hier ist nicht umfangreich recherchiert – aber für einen kleinen Blog soll es erst mal ausreichen. Ich fuhr dieser Tage runter ins Tal zum großen Oster-Lebensmitteleinkauf, da bewegte sich Orange am Straßenrand. Ich wollte gerade Gas geben, dachte „och, sind doch bloß Holländer“, da merke ich, es sind Straßenarbeiter – na, für die bremse ich doch gerne.

   Fähnchen, Blinklämpchen und dann aber das Schild Holzfällung. Hm, denke ich, und der olle Hochzieher in mir meldet sich, es werden doch Bäume gefällt – und dann erst (Vorsicht, Gag:) „fällt“ Holz an. Obwohl, der Beruf heißt ja Holzfäller (uralter Witz hierzu siehe unten). Aber, da bin ich jetzt mal vorsichtig: Das könnte ja Fachsprache sein …

   Wir denken dran: der Germanist sagt Rechtssprechung, die Jurisprudenz nimmt aber das eine S raus und begnügt sich mit Rechtsprechung (die wollen wohl Zeit sparen, meine ganz besonderen Spezis, die Juristen). Gewerkschaftler nennen sich Gewerkschafter. Kommen auch ohne Dehnung aus. Na, meinetwegen, wie sie wollen.

   Der Elektriker sagt nicht Glühbirne – der nennt unsere Birne Lampe. Bei der Pflege von Menschen heißt es nicht füttern, sondern Essen anreichen oder so, die Frisörin mag Friseuse gar nicht, so wie auch der Schuhmacher zumeist den Schuster nicht akzeptiert etc. pp.

   Überall die Eigenheiten. Ich schrieb vor einiger Zeit schon von dem großen Schriftsteller Martin Walser, der damals bei der großen „Reform“ unserer RECHTschreibung (Änderung wohl, Verbesserung erkenne ich wirklich kaum)– er würde niemals rauh ohne H schreiben. Ich habe mich sofort nach der Ruhestandsversetzung entschlossen, muß nie und nimmer mit zwei S zu schreiben. Denn nun sagt mir keine oberste Dienstbehörde mehr, wie ich als Verwaltungsbeamter im gelobten Rheinland-Pfalz gefälligst schreiben muß … ich bin nur noch PRIVAT (Herr meiner Zeit / nie mehr fremdbestimmt, unbezahlbar!). Wie schön, in Freiheit zu leben.

   Ach so, zum Thema Holländer runde ich noch ab – ich liebe Amsterdam! Wunderschön, wäre es nur nicht in den Niederlanden. Na gut, alles geht halt doch nicht. ;-)
Mit giftzwergigem Ostergruß - Wolfgang „von Nauort“
Ach ja, noch der versprochene (uralte) Witz:

Kommt ein kleiner, unscheinbarer Mann und bewirbt sich im Forstbetrieb als Holzfäller. Der alte Oberförster will ein Gutmensch sein und den kleinen schwächlich ausschauenden Kerl nicht verletzen, bietet ihm zur Probearbeit einen mitteldicken Baum an, den solle er mal fällen, er käme später wieder…dreht um und will gehen, da hört er nach rasendem Gehacke „Fertig!“. Er ist völlig von den Socken, bringt den Wicht zu einer dicken Fichte – und wiederum: kaum hat er sich umgedreht, ist das Männlein fertig. „Sagen Sie mal, wo haben Sie das denn gelernt …das ist ja unglaublich!“ Der Kleine schwingt die Axt auf die Schulter und sagt: „Ich komme doch aus der Wüste.“ „Was, fragt der Holzfäller-Kommandeur, aus der Wüste??? Dort gibt es doch gar keine Bäume!“ „Tja“, entgegnet der Kleene zackig -„JETZT NICHT MEHR!!!“ 

Samstag, 12. April 2014

Deutsch-Sprech II


Deutsch-Sprech II

Ich habe mich mal umgehört …

( ein optimierter 2014er Do-it-yourself-Kurs)

 Für no cash biete ich here and now  einen Schnellkurs für das life today  an, damit nichts wrong  läuft – understand? Nehmen Sie sich am weekend ein wenig time – Sie können sich in the meantime fast upgraden, you know? Und es muß nicht auf - ja! -international English angepaßt sein, auch in purer Heimatsprech ist es möglich, im today mitzuhalten. Ganz easy, fügen Sie folgende Floskeln und Phrasen in den next smalltalk ein:
- Wie geil ist das denn?

- Wonach sieht es denn aus?

- Das macht voll Sinn!

- Ja! (nach kurzem Zögern den Satz fortsetzen)

- Alter …(als Anrede, egal ob Männlein oder Weiblein!)

- Boah ey (könnte bereits veraltet klingen, scheint aber noch zulässig)

- ……okaaaay (wenn Sie interessiertes Zuhören playen- voll crazy, right?)
  Wenn Sie es schaffen, eine dieser Formulierungen in einem talk von one minute unterzubringen (sofern es Ihnen nicht ohnehin by the way unterläuft, dann brauchen Sie daran nicht zu worken) - dann sind Sie schon spitzenmäßig im Sprachtechnischenangekommen, well. Es sind erlesene Sprüche, ohne die es heute einfach nicht mehr geht, really.
   Damit verfügen Sie über einen soliden ground, auf dem sich beliebig fortune gründet – basicly

Congratulations! Sie sind on the top!  Und never: Nur nicht loosen!!!

das geht gaaar nicht!

Sonntag, 6. April 2014

WUTBÜRGER

Verpißt Euch!

- ein ungeplanter Horrorfilm –

Ja wirklich, ich pausiere nun. Es ist ungewollt gekommen, aber ich denke, es ist auch besser so, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Schief gelaufen ist es mit dem doch gut gemeinten Kurzfilm, den ich drehen sollte, geehrt hatte ich mich gefühlt, daß man mich damit betraut hatte. Und ich bin dann auch ein wenig hochnäsig an die Sache herangegangen, das räume ich ein, wollte vor allen Beteiligten erfahren und souverän wirken – ich war guten Mutes …

Um es kurz zu machen, ich wollte ganz bewußt nicht lange proben; spontan sollte es kommen, aus einem Guß sozusagen. Die Kameras hatte ich wohlbedacht auf verschiedene Blickwinkel einstellen lassen, die Gesamtaufnahme für das offene Lokal in der Einkaufspassage aus zwei Richtungen bestens erfaßt, die Feineinstellung auf besagten Tischbereich des Schnellrestaurants ausgerichtet. Keine Sprechproben nach vorgegebenem Text, keine penible Zuteilung der Zeitanteile - frei Schnauze eigentlich, das war alles kühn überlegt. Der letzte Schliff dem Schnitt vorbehalten, fertig und aus.

Und dann waren wir bereit, den „Wutbürger“, den Mann von nebenan loszulassen, den unscheinbaren Jedermann, der Zivilcourage zeigt, seinem Herzen im Sinne der Zuschauer mutig Luft macht. Der kleine, ältere, dicke Herr sollte in das weitläufig überschaubare Lokal entspannt hereinkommen, sich kurz umschauen, vereinbarungsgemäß betroffen stutzen und kurzentschlossen zielstrebig auf den Tisch mit der radikal ausschauenden Bande zugehen und loslegen, wie es ihm zumute war. Verstört sollte die Gruppe der gewalttätig Anmutenden reagieren, betreten und fassungslos konsterniert letztlich das Feld räumen. Couragiert Klartext reden, soweit die Vorgabe, so war es gedacht mit diesem Werbespot über die unerhört tapfere Wehrsamkeit des vermeintlich eingeschüchterten Bürgers. Und dann ging es los.

Der Laiendarsteller kam hereingeschlendert, schaute sich souverän um, erblickte sein Ziel und ging spontan zielstrebig …auf den falschen Tisch zu. Unsere postierte Gruppe der tätowierten Skinheads befand sich doch zwei Tische weiter! Es war in der Zwischenzeit eine Gruppe Neonazis hereingekommen, hatte Platz genommen; manche Gäste waren postwendend aufgestanden und hatten das Weite gesucht …und nun, unser Darsteller trat an den Tisch mit den kahlgeschorenen Schwarzträgern und hielt nicht hinter dem Berg, mit seiner Standpauke: „Verpißt Euch, aber dalli-dalli, Ihr gottverdammten Kanalratten – ab, macht Euch bloß aus dem Staub, sonst setzt es was! Sowas dulden wir hier nicht, aber zackig, Ihr …“ und ab da war er nicht mehr zu verstehen.

Seine Tochter sagt uns, sie habe ihn eindeutig wiedererkannt, auf der Intensivstation, sie meint es jedenfalls. Beschwörend hat sie es uns glaubhaft versichert. Und die Geräte zeigen auch an, daß er lebt!

Ich glaube, ich mache keine Kurzfilme mehr – jedenfalls nicht in realer Umgebung. Nicht alle Leute sind reif für die Kunst. Perlen vor die Säue, sage ich nur!

Samstag, 29. März 2014

Anrede/Abrede


Mann, Dame und Herrlein

(fehlende Konsequenz)

 
   Oh nein, es handelt sich nicht um Spielkarten. Ich komme nur auf ein, für mich, altes Thema zurück. Der Blick auf fehlende Logik bei An- und Abreden. Und das ist so gemeint:
 Die Anrede Fräulein (international als das deutsche Frollein bekannt) ist vor vielen Jahren weggefallen. Es gab ja auch kein Herrlein, das ist zu verstehen. Was ich nicht kapiere, ist die Trennung von Begriffspaaren, also Herr X und Frau X; da müßte es nach meinem Verständnis doch Dame X heißen (international ist es, soweit ich Einblick habe, in der Tat so: Madame, Monsieur, Señor und Señora.
   Es heißt auch Mister und Mistress, das Misses ist irgendwie eingebaut worden bzw. alle Mädels sind mit Alter geadelt. Aber auf Deutsch Herr und Dame? Mann und Frau, ja schon, aber doch nicht Herren und Herrinnen. Die Anrede ist aber nicht Dame oder Herrin X, sondern Frau X. Man stelle sich vor, es hieße Mann Becher (obwohl – ich erinnere mich an Fußballspiele in der Schulzeit, da hörte ich das häufiger: Mann, Becher! Aber das Komma war durch tiefes Luftholen hörbar).
   Und bei Briefen: Anrede oben, unten die Grußformel. Eigentlich ist das schon eine „Abrede“ – denn: Mit freundlichen Grüßen (wenn überhaupt, einer reicht doch) oder gar HOCHACHTUNGSVOLL – also, ich bitte Sie, Euch, Dich …wer, um Himmels willen, meint das denn wortwörtlich!
   Das ist so üblich bei Schreiben mit formellem Charakter, viel ehrlicher wäre doch TACH … und am Ende BIS DANN MAL. Aber wer wagt das schon … HALLO und TSCHÜS, eine goldene Mitte.

Macht’s, gut Leute, also Menschen …Herrinnen und Herren.

Samstag, 15. März 2014

Drei Leben

Drei Leben

Nun bin ich wieder zu Hause, bei mir daheim. Allein. Die Wintermonate auf der Insel sind vergangen, ich habe den Frühling mitgebracht. Die gemeinsame Zeit ist wieder mal abgelaufen, es fühlt sich von Jahr zu Jahr schneller an. Der Winter ist hier weitgehend ausgefallen, so erfahre ich. Die Sonne ist bei mir. Mein Leben.
   Kein grüner Geier ( pardon, Chico) versucht mir das Hosenbein hinaufzuklettern. Kein Hund ist zur Ordnung zu rufen – auf der Insel hat Benno (der Große) nun zu wachen über seine Frauen, Chica (die kleine Hündin) und auf unser aller Chefin. Keine Piepelchen bringen mir im Westernwood jubilierend das Gehörwasser zum Rotieren – hier fahren Autos am Haus vorbei, es hält sich aber in Grenzen. Und ich fahre nun auch wieder: Hosianna – das Lenkrad wieder selber in der Hand, herrlich (pardon, Inselmaid). Und keine gnadenlosen Niederlagen mehr im Tridomino – Solitär spielt sich wieder fast von allein, ich habe den Weg ins Ziel nicht vergessen!
   Es fehlt also der geregelte Ärger des zweiten Lebens, des gemeinsamen; auch die schönen Gemeinsamkeiten, natürlich! Geregelte Monate der Unterbrechung, es wiederholt sich alles – und ich hoffe, noch sehr oft.
   Im Radio wieder der Müslidepp, der so selbstherrlich, aber unvergleichlich untalentiert, seinen Namen aufdringlich in die Ohren Unschuldiger reinzwingen will – dann doch lieber die beiden Vögelchen Piepel und Puschel.
   Mein Girokonto hat sich allein bewirtschaftet, viel ist nicht dabei rumgekommen, auch ohne Bücher-, CD- und DVD-Käufe kein grüner Zweig in Sicht. Wegen der ellenlangen neuen IBAN schicken alle Abo-Geber einen Cent; es muß seine Ordnung haben mit der Abrechnung. Den Essenplan der Metzgerei habe ich begrüßend studiert, Altvertrautes lockt. Der große Kühlschrank ist auch gefüllt, alles erneut auf Anfang.
   Über das dritte Leben, das der Chefin, bin ich per Skype weitgehend aktuell Tag für Tag im Bilde. Es klappt auf die Ferne, Unerfahrene verstehen das nicht.
   Und nun also wieder mal Haus und Hof  betreuen, erneut literarisch arbeiten. Das Frühjahr lockt mit den Radsport-Klassikern in der Glotze, ich nähere mich dem 1. Mai – meinem größten Feiertag – seit über 45 Jahren bin ich dann in Frankfurt. Eine feste Bank, den Radprofis an Ort und Stelle ganz nah. Und die Fußball-WM wird auch noch kommen – es gibt viel zu tun, also gebannt und mit frohem Herzen zu schauen.
   Ich verstehe nicht, wie ich über vierzig Jahre die Tage im Büro verplempern konnte. Und dann über Jahrzehnte um 5 Uhr in der Früh aufgestanden, unfaßbar – für andere noch nie nachvollziehbar, für mich selber nun auch unbegreiflich – wie kann man nur …auf der Insel höre ich dann die Hähne rufen, ich lächele zufrieden und kuschele weiter – und bald in wenigen Monaten schon wieder. Die Jahre laufen dahin.
   Es lebe das Leben – oder die Leben.
   Diese drei Leben, alles im Lot – ich werde es nie mehr tun, meine Zeit mit „richtiger“ Arbeit vergeuden, mir selber versprochen!

Nachspann – Auf dem Weg zum Arzt
Na; wieder im Lande?
Äh – ja-a, doch …halbwegs. Aber Kopfweh, Verspannungen.
Wie jetzt? Sie waren doch im Urlaub!
Ja, die ungewohnten Stellungen halt.
Hä? In Ihrem Alter?
Gartenliege, TV-Sessel, Terrassenstuhl …
Ach so – Sie meinen die Einstellung.

Nein, die war in Ordnung! 

Sonntag, 9. Februar 2014

grüßen

Meet & Greet
(wat sachste?)

Servus, Grützi, Ahoi, Glück auf – ja auch Grüß Gott: Spezielle Grüße. Üblich sind die Begrüßungen mit Guten Tag / Guten / Tach – oder die morgendlichen Abwandlungen von Guten Morgen, Morje, Morsche, Moggäään, Moin. Und seit Jahren überall und zu aller Zeit: HALLO (das war zu meiner Jugendzeit verpönt, das sagte man einfach nicht – und dabei ging es damals nur um das Telefon – Hören Sie, lautete die Nachfrage). Nun, alles ist im Wandel.
   Niemals könnte ich mich an die dubiose Aufforderung von Grüß Dich! gewöhnen, eine unsinnige Anordnung. Warum sollte ich? (Ja klar, ich grüße Dich, soll es heißen – aber das merke ich doch). In der Provinz nun seit ein paar Jahren zu meiner Belustigung verzögert angekommen: High – zum Belächeln. Wie wird das in einigen Jahren sein, What’s up oder vielleicht doch erst einmal zaghaft Was geht ab – zu schön. Ich stelle mir einen rüstigen Rentner vor, der so seine seit Jahrzehnten angeschmachtete dralle Lady mit dem Krückstock jubelnd über die Straße hinweg anmacht …putzig.
   Unausweichlich – das Büro-Gegrüße zur Mittagszeit …Mahlzeit (auf alle Entfernungen, mitten in den Gesprächen, nur ja nicht das Erwidern des Grußes von passierenden Kollegen versäumen, Ausnahme nur das WC). Ergänzend dazu die verbissenen Verweigerer – niemals käme es dieser aufmüpfigen Minderheit über ihre Lippen – aber Guten Appetit – ohne jedes Essen, auch nur in Aussicht gestellt, das ist doch viel befremdlicher, finde ich. Jedenfalls ist es keine Alternative. Egal, jeder nach seiner Art, für mich wurde es vierzig Jahre zum geübten Gruß, hat keinem geschadet, warum also die verklemmte Rebellion dagegen? Maaahlzeit – sozusagen alternativlos. Goode Middach ..macht keiner mit, war nur ein Versuch.
   Wenn ich nun nach langem Aufenthalt von der Insel heimkehre, dann wird mir hin und wieder ein HOLA entfleuchen – sollte auch nicht zum Problem werden.
   Im städtischen Gedränge jeden grüßen – geht natürlich nicht. Aber auf dem Lande, oder nur vereinzelten Mitmenschen abgelegen begegnen – und dann stumm und grußlos kühl passieren, das ist nun wirklich nicht das Wahre. Das ist eine Entwicklung, die ich nicht begrüße – und leider bei vielen modern aufgeschlossenen Jungmenschen schon normal – „Grüßen? Das brauchen unsere Kinder nicht.“ Traurig.

   Und dann denke ich postwendend an meine Oma. Wir begegneten ihrem Vermieter – und so sicher wie nur was kam aus ihrem seitlich mir zugewandten schiefen Mund, deutlich für alle Anwesenden vernehmbar: „Haste auch guten Tag gesagt?“ Und dies noch zu mir als Jüngling ….so war das damals.

Sonntag, 2. Februar 2014

Kulturzeit ...

Gute Glotze, schlechte Glotze


In jedem von uns steckt ein Kritiker (gerade beim Fußball weiß man doch, daß es Millionen Bundestrainer gibt). Jeder hat seinen Geschmack, seine Prioritäten, seine leicht reizbaren Empfindlichkeiten. Man weiß es halt besser!
Kulturzeit auf 3 SAT schaue ich nahezu regelmäßig – das belebt mich, gruselige Scharlatane mit ihrer sogenannten Kunst ertragen zu lernen, interessante Infos zu erhalten, rundum eine gute Mischung.
   Aber ein „Journalist“ berichtete neulich über einen neuen Film und er sagte doch wahrhaftig: „Das Paar Julie und Jim Miller wollen….“ Was, war mir in dem Moment schon wurscht – DAS Paar, WOLLEN – mir stockte der Atem, ein Journalist, sprachlicher Profi, germanistisch versiert – und dann das aus der Kulturredaktion… unglaublich geradezu. Solche unsäglichen Patzer erlebe ich zunehmend. Wie schon öfters ausgeführt – wenn es der Bauhelfer X sagt, die Frisörin Y oder meinetwegen auch der Architekt Z – geschenkt, das ist dann nicht so wichtig, aber ein Mann der Sprache – ich bin noch außer mir.
   Entspannung erfahre ich so niemals. Dann lieber Trash-Fernsehen, da weiß ich doch schon von Anfang an, was ich zu erwarten habe.
   Mitunter einen sogenannten guten Film, sehr sehr gerne – aber wenn dann in der Welt der 50er oder 60er Jahre spielend Sätze fallen mit „nicht wirklich“, „das macht Sinn“ oder anderen Stilblüten aus der heutigen Zeit (die mir auch jetzt nicht behagen), dann bin ich auch schnell aus dem Rennen. Sabine bemerkt immer sofort die leeren Koffer – eingebeulte Subjekte werden an lockeren Fingern leicht zappelnd durchs Bild getragen. Meine Güte, wenn nichts reinzupacken da ist (Kinski hätte Wackersteine reingefüllt und den Innenraum mit allem, was er greifen könnte, ausgefüllt, damit das Ding nicht nur schwer ist, sondern auch danach ausschaut), dann gehört doch das mühselige Schleppen zumindest gespielt!

   Aber man kann ja schon froh sein, wenn der Gladiator im Römerfilm keine Armbanduhr trägt.