Sonntag, 9. Februar 2014

grüßen

Meet & Greet
(wat sachste?)

Servus, Grützi, Ahoi, Glück auf – ja auch Grüß Gott: Spezielle Grüße. Üblich sind die Begrüßungen mit Guten Tag / Guten / Tach – oder die morgendlichen Abwandlungen von Guten Morgen, Morje, Morsche, Moggäään, Moin. Und seit Jahren überall und zu aller Zeit: HALLO (das war zu meiner Jugendzeit verpönt, das sagte man einfach nicht – und dabei ging es damals nur um das Telefon – Hören Sie, lautete die Nachfrage). Nun, alles ist im Wandel.
   Niemals könnte ich mich an die dubiose Aufforderung von Grüß Dich! gewöhnen, eine unsinnige Anordnung. Warum sollte ich? (Ja klar, ich grüße Dich, soll es heißen – aber das merke ich doch). In der Provinz nun seit ein paar Jahren zu meiner Belustigung verzögert angekommen: High – zum Belächeln. Wie wird das in einigen Jahren sein, What’s up oder vielleicht doch erst einmal zaghaft Was geht ab – zu schön. Ich stelle mir einen rüstigen Rentner vor, der so seine seit Jahrzehnten angeschmachtete dralle Lady mit dem Krückstock jubelnd über die Straße hinweg anmacht …putzig.
   Unausweichlich – das Büro-Gegrüße zur Mittagszeit …Mahlzeit (auf alle Entfernungen, mitten in den Gesprächen, nur ja nicht das Erwidern des Grußes von passierenden Kollegen versäumen, Ausnahme nur das WC). Ergänzend dazu die verbissenen Verweigerer – niemals käme es dieser aufmüpfigen Minderheit über ihre Lippen – aber Guten Appetit – ohne jedes Essen, auch nur in Aussicht gestellt, das ist doch viel befremdlicher, finde ich. Jedenfalls ist es keine Alternative. Egal, jeder nach seiner Art, für mich wurde es vierzig Jahre zum geübten Gruß, hat keinem geschadet, warum also die verklemmte Rebellion dagegen? Maaahlzeit – sozusagen alternativlos. Goode Middach ..macht keiner mit, war nur ein Versuch.
   Wenn ich nun nach langem Aufenthalt von der Insel heimkehre, dann wird mir hin und wieder ein HOLA entfleuchen – sollte auch nicht zum Problem werden.
   Im städtischen Gedränge jeden grüßen – geht natürlich nicht. Aber auf dem Lande, oder nur vereinzelten Mitmenschen abgelegen begegnen – und dann stumm und grußlos kühl passieren, das ist nun wirklich nicht das Wahre. Das ist eine Entwicklung, die ich nicht begrüße – und leider bei vielen modern aufgeschlossenen Jungmenschen schon normal – „Grüßen? Das brauchen unsere Kinder nicht.“ Traurig.

   Und dann denke ich postwendend an meine Oma. Wir begegneten ihrem Vermieter – und so sicher wie nur was kam aus ihrem seitlich mir zugewandten schiefen Mund, deutlich für alle Anwesenden vernehmbar: „Haste auch guten Tag gesagt?“ Und dies noch zu mir als Jüngling ….so war das damals.

Sonntag, 2. Februar 2014

Kulturzeit ...

Gute Glotze, schlechte Glotze


In jedem von uns steckt ein Kritiker (gerade beim Fußball weiß man doch, daß es Millionen Bundestrainer gibt). Jeder hat seinen Geschmack, seine Prioritäten, seine leicht reizbaren Empfindlichkeiten. Man weiß es halt besser!
Kulturzeit auf 3 SAT schaue ich nahezu regelmäßig – das belebt mich, gruselige Scharlatane mit ihrer sogenannten Kunst ertragen zu lernen, interessante Infos zu erhalten, rundum eine gute Mischung.
   Aber ein „Journalist“ berichtete neulich über einen neuen Film und er sagte doch wahrhaftig: „Das Paar Julie und Jim Miller wollen….“ Was, war mir in dem Moment schon wurscht – DAS Paar, WOLLEN – mir stockte der Atem, ein Journalist, sprachlicher Profi, germanistisch versiert – und dann das aus der Kulturredaktion… unglaublich geradezu. Solche unsäglichen Patzer erlebe ich zunehmend. Wie schon öfters ausgeführt – wenn es der Bauhelfer X sagt, die Frisörin Y oder meinetwegen auch der Architekt Z – geschenkt, das ist dann nicht so wichtig, aber ein Mann der Sprache – ich bin noch außer mir.
   Entspannung erfahre ich so niemals. Dann lieber Trash-Fernsehen, da weiß ich doch schon von Anfang an, was ich zu erwarten habe.
   Mitunter einen sogenannten guten Film, sehr sehr gerne – aber wenn dann in der Welt der 50er oder 60er Jahre spielend Sätze fallen mit „nicht wirklich“, „das macht Sinn“ oder anderen Stilblüten aus der heutigen Zeit (die mir auch jetzt nicht behagen), dann bin ich auch schnell aus dem Rennen. Sabine bemerkt immer sofort die leeren Koffer – eingebeulte Subjekte werden an lockeren Fingern leicht zappelnd durchs Bild getragen. Meine Güte, wenn nichts reinzupacken da ist (Kinski hätte Wackersteine reingefüllt und den Innenraum mit allem, was er greifen könnte, ausgefüllt, damit das Ding nicht nur schwer ist, sondern auch danach ausschaut), dann gehört doch das mühselige Schleppen zumindest gespielt!

   Aber man kann ja schon froh sein, wenn der Gladiator im Römerfilm keine Armbanduhr trägt.

Montag, 20. Januar 2014

Andere Frauen

Andere Frauen
(zensierte Fassung)*

Mein ganzes Leben ist von Frauen gesäumt – Mutter, Schwester, Oma – später Ehefrau, Freundinnen, Lebensgefährtin. Um die alle … geht es hier nicht.  Natürlich nicht!
   Es gab Schulfreundinnen, Nachbarinnen, Kolleginnen, Verkäuferinnen, überhaupt ganz viele –innen. Die –natürlich- meine ich hier, die, und wirklich nur die! Das Eine war für mich stets auffällig: Die weit verbreitete spontane Kritikbereitschaft in eigenen Reihen. Lobt MAN irgendeine Frau, ist von einer anderen eine Teilzustimmung erhältlich, als Anhängsel kommt aber postwendend eine Makelbezeichnung gratis: O-Beine, leichter Silberblick, Brust auch nicht ganz unbearbeitet, die Lippen mit Sicherheit nicht echt, dralle Hüften, Gang eines Klempners. Immer ist das so. Nobody is perfect, Frauen sehen sowas.
   Da gibt es fabelhafte Models, süße Schauspielerinnen, junge Sängerinnen, feine Kolleginnen, attraktives Personal: Allen wird postwendend eine Mängelrüge zuteil, so sicher wie nur was – es geht schließlich um eine andere Frau.
   Und ich bin im Rahmen meiner bemühten Erforschungen zu einem Zwischenergebnis gekommen – es ist nicht Neid, Mißgunst oder Giftigkeit. oh nein. Es ist eine Art Selbstberuhigung – gönnerhaftes Lob, die Einschränkung aber als „na, sooo dolle is die ja nu wirklich nich -vollkommen geht halt anders“. Und abschließend sowas wie „Stell Dir die mal ungeschminkt vor!“
   MAN sollte das dann so stehen lassen. Ich bin dabei stets gut beraten und gefahren, mich so zu verhalten. Bloß nicht die umfassende Anerkennung verteidigen!
   Bei Männern sollen ja die Mängel gerade das Salz in der Suppe sein – so lasse ich mich doch gerne weichkochen.

*ein Scherz, ganz ehrlich: NUR EIN SCHERZ!!!

Sonntag, 12. Januar 2014

Deutsch-Sprech I

Deutsch-Sprech I


Ich hatte nun wirklich nicht allzuviel gemein mit meinem Herrn Vater und war zeitlebens weit davon entfernt, ein Fan von ihm zu sein, aber eines Tages hätte ich mich mit ihm verbrüdern mögen – da fand ich es schlicht und ergreifend stark, als er beim Samstagabend-Programm über Blacky Fuchsberger sagte: „Wenn ich den nur höre, da könnte ich ihm sofort eins in die Fresse hauen!“ Ursache war, daß der weltoffene Herr Fernseh-Mann wohl kosmopolitisch wirken wollte und auf einmal statt Hawaii Hawa-i-i knödelte …bescheuert (wir sind in Deutschland, er ist Deutscher …aaaber modern und weltoffen aufgeschlossen sollte das wohl wirken).

   Und das war erst der Anfang, ich konnte es noch gar nicht ahnen, nun habe ich es fortlaufend erfahren müssen – man bemüht sich allüberall um internationales Format.

   Der neueste Knaller, und nunmehr abstruser Weise umgekehrt, hochaktuell durch Maikel Shoemaker – allerorten heißt es nunmehr auf einmal Grenob-le – Gott bewahre, wer es noch Genoble (also ee-el) ausspricht, ist nicht vorne mit dabei! Ich warte momentan eigentlich darauf, daß sie Kind-le sagen statt Kind-el, Wäre doch nur logisch, finde ich.

   Ich gehe ein wenig in die letzte Zeit zurück: Ukra-ine, noch besser: Beijing(für das gute alte deutsche Peking). Aber es gibt gottlob noch die Peking-Ente!

   In Ordnung geht für mich Niederlande für Holland, denn das ist ja nur eine Provinz. Akzeptiert.

   Aber schrecklich das absolut eingeübte Handy – und jeder meint, es sei international! Das sage man mal andernorts - da versteht einen keine Sau. Wir kreieren also schon englisch-lautende Begriffe. Genial, einmalig anbiedernd – sowas wird es nochmal in der Welt sicherlich nicht geben. Ich bin dankbar für HÄNDI, oh, verzeihen Sie bitte, natürlich Handy – denn HANDYOTEN ist eine tolle Wortschöpfung. Das kommt mir sehr zupaß.

   Mal Hand aufs Herz: Glauben Sie wirklich irgendjemand in der weiten Welt draußen würde DEUTSCHLAND sagen? Nur, wenn es um Nazi-Zitate geht, die liebt man ja geradezu. DAS ist willkommenes Deutsch, natürlich. Ich begegne nur Germany, Alemania, Allemagne, Germania und so weiter.
   Ich halte mal weiter die Ohren auf – es ist doch irgendwie interessant.


Ach so, es gibt noch Neues von der Bundeskanzlerin – meine Fresse, kann die modern sein: Neulich quasselte sie im Rahmen der angespannten USA-Beziehung von „Das geht gaaar nicht“ (immerhin faselte sie nicht von einem No-Go!); dennoch albern. Und weiter natürlich das ossiale Gesabbel würzend mit „nicht wirklich“ – not really. Also weitgehend Deutsch, immerhin. Danke, Frau deutsche Kanzlerin! Wenigstens was Deutsches, wenn auch ein wenig der jungen Wählerschaft anbiedernd (aber nach der Wahl ist ja vor der Wahl). Wäre doch gelacht, da nicht eines Tages mit einer neuen Sprache anzutreten. Sprech sagt man ja schon. Weltoffen!

Mittwoch, 1. Januar 2014

SORRY

Keine Entschuldigung (für die Entschuldigung)




„Aber ich habe mich doch entschuldigt!“ So wird oft geklagt, weil man sich nicht verstanden fühlt. Dieser Vorwurf ist allenthalben zu vernehmen.

Was soll das bedeuten? HAT das einen Sinn?

Eigentlich ist es doch das Gegenüber, das, wenn gewillt, zu entschuldigen hat. Man selber bittet oder ersucht um Entschuldigung – beim Anderen. Aber natürlich sagen wir alle dann und wann „ich entschuldige mich dafür“ – was im Grunde genommen unverfroren ist – aber das sagt man so, mitunter sogar auch frau. Das ist so in dieses vereinfachte Gleis eingefahren, daraus kommen wir nicht mehr heraus. Im Grunde genommen bemerken das die meisten schon gar nicht mehr.

Beim BARRAS hieß es: „Entschuldigen ist ein Zeichen von Schwäche!“ Eine dieser typischen hirnrissigen Parolen, an Beschränktheit hat es dort zu keiner Zeit gefehlt – denn hierin liegt ja gerade die Stärke; was soll’s. DIE können sowas gar nicht begreifen.

Wir leben in einer Zeit der Verkürzungen, alles wird optimiert, auch die Floskeln. Aus „Guten Tag“ ist mittlerweile Tach oder gar Guten geworden, seit Jahrzehnten schon. Grüß Dich – klingt freundlicher, ist aber sprachlich sehr mißverständlich (warum sollte ich …). Und um beim Thema zu bleiben – schon seit einiger Zeit ruft man schlicht und ergreifend: Entschuldigung oder total locker: Tschuldigung! Und das war’s dann aber auch. Zeit tut not. Und am aller-aller-übelsten die zwanghaften Entschuldiger mit diesem mechanisch ausgeworfenen “Tschuldigung“ bei jedem kleinen Räuspern. Und da sie so unsicher sind, ertönt das unablässig. Gru-se-lig. Im Büro wimmelte es von diesen Pfeifen (Herrgott ich danke Dir, daß ich das nicht mehr ertragen muß).

Abschließend bitte ich alle, denen ich im vergangenen Jahr zu nahe getreten bin, um Entschuldigung. Ich werde es besser machen.

Kleine Quiz-Aufgabe: dieser kleine zweite Satz erlaubt 3 Ausdeutungen zum vorhergehenden ersten. Und, haltet Euch fest, alle drei stimmen!

Prosit Neujahr 2014 – Euer giftzwergMÄÄN

Samstag, 28. Dezember 2013

HAPLOLOGIE


 

Was es so alles gibt


Wußten Sie, was Haplologie ist? Es kommt aus der Sprachwissenschaft und bietet Vereinfachungen an. Der Wanderer – die Wandererin (nein, es gilt durchaus Wanderin). Der Zauberer – die Zaubererin – alles klar, es geht einfacher mit Zauberin.

Das mag auch damit zusammenhängen, daß es in der Jurisprudenz nicht wie in eigentlichem Deutsch Rechtssprechung heißt, sondern in der Fachsprache Rechtsprechung; oder die Gewerkschaft spricht von Gewerkschafter und nicht, wie es wirklich heißen müßte, Gewerkschaftler. Aber ich glaube, das hat etwas mit normaler Sprachvereinfachung zu tun, Weglassen von Dehnungsbuchstaben oder so. Egal (ich weiß es nicht besser). Wollte auch nicht zu den Klugscheißerinnen und Klugscheißern gehören. Merken Sie, worauf ich in Wahrheit hinauswill? Jau, die sich irgendwie verfolgt und unterdrückt fühlenden und wohl hoffungslos verlaufenen Emanzen und Emanzinnen (kein Schreibfehler, ich habe als kleinen Seitenhieb mal die Reihenfolge vertauscht, muß auch mal sein) – ich wollte nur sicher gehen. Der Knaller, ich betone es von Zeit zu Zeit mal wieder, der Rundbrief von der Frauenbeauftragten bei der Gewerkschaft:

„Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder!“ Für mich ein wahrer Hit. (Noch mal zur Verdeutlichung: Es heißt doch nach wie vor DAS Mitglied) – und das ist derart schräg … wie wäre es noch mit „Liebe Kinderinnen und Kinder!?!

Aber schließen wir dies Kapitel mal für dieses Jahrin und Jahr ab – ich wünsche Ihninnen und Ihnen von Herzinnen und Herzen alles Gutin und Gute für das nächste Jahrin und Jahr.

Ich hoffe, ich habe alles richtig gemacht. In meinem Sinne jedenfalls.

Samstag, 21. Dezember 2013

Klare Ansage

Das Gerät ist betriebsbereit


Ich bin ja ausgebildeter Sitzpinkler (meiner Meinung nach eher abgerichteter, aber bitte, lassen wir das mal so stehen). Nach 20 Jahren bin ich es daheim, alleine lebend, auch schon geradezu gewöhnt. Tja, was so richtig eingeimpft worden ist … aber an Urinalen muß ich stets innehalten.

   Nun bin ich aber auf dem kleinen Inselchen, und da ist das Sitzen im Häuseken der First Lady natürlich Vorschrift, und an Gesetze zu halten bin ich gewöhnt. Buxe runter, hinsetzen (Benno bellt wieder wie verrückt und brettert durch das Haus), auf einmal hinter mir eine Frauenstimme: “Das Gerät ist betriebsbereit!“ Ich zucke zusammen – eine Überwachungsmaschinerie, Errungenschaft der Frauen-Power oder was ist hier los? Nach dem Erschrecken baldige Ernüchterung – die Digitalwaage ist es, ausgelöst durch das Gebell. Ich wußte noch nichts von dem neuen Versteck, damit wir nicht allzu oft diese unselige Errungenschaft betreten. Das wäre geklärt, und überhaupt – schmeichelhaft war es irgendwie auch, finde ich.

PS: Jaja, ich bin immer noch auf der Insel – habe den Flug verpaßt …aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Sonntag, 17. November 2013

Mein Deutsch 5


Mein Deutsch – Die Fünfte

 

Auf 4 folgt 5 – „isso“ (so kurz kann man das heute sagen – aber schreiben?). Damit will ich es dann für dieses Jahr gut sein lassen. „Nichts für ungut“ – seltsam irgendwie, diese „altfränksche“ Formulierung – da darf es mich dann auch nicht wundern, wenn der in seinem Metier von mir hochgeschätzte Hape Kerkeling von seinen Synchronarbeiten zu einem Trickfilm mit den Worten berichtet, daß es „nicht unanstrengend“ gewesen sei. Diese Formulierung ist gewiß nicht unumständlich (oder ist da jetzt ein Schlenker zuviel drin – egal). Heute geht es um eine Art Resteverwertung, was mir noch so aufliegt, sprachlich gesehen, diesmal also nicht unsportlich sehen! (Die Sport-Fuzzis hatte ich ja letztens auf dem Korn).

   Dieser Tage, bei der Nachlese zu anderen großen Fußballspielen, nannte man auch Chile – ich habe noch nie gehört, daß von „Kile“ die Rede wäre – wie KINA. (Oh Pardon, noch mal ein kleines Nachtreten).

   Aber ich wollte erst mal noch auf die mir seit Jahr und Tag auffallende sprachliche Gigantomanie zu schreiben kommen, ja, sowas wie „SUPERgau“. Vor Jahren im Büro fiel es mir schon seit einiger Zeit übel auf. Ständig fielen Worte wie super, Spitze, hervorragend, großartig, phantastisch, grandios, phänomenal oder zumindest wunderbar – bei Pipifax, wie eine aufgehobene Büroklammer, Übergabe eines Lochers, der griffbereite Kuli. Eine großspurige Welt.

   Das Sprachgefühl scheint eine aussterbende Spezies. Ich hatte mich längst an den Polizei-Jargon gewöhnt mit „es erscheint, taucht auf“. Aber was mir nicht behagt, ist „genießen“ – für einfaches …ja was eigentlich, simples Wahrnehmen. „Qualität“ enthält für mich auch so eine positive Neigung – und das stimmt leider nicht, denn das Verbrechen hat in der genossenen Zeit eine ganz andere Qualität gezeitigt. Ja, soweit klar. Ich gewöhne mich dennoch nicht daran. Aber das ist alles irgendwie „alternativlos“.

   Jetzt sind wir im Politischen, bei Mutti – und ihr sehr ergebenes Bubchen, dieser Steffen Seibert, sang ja neulich ein Loblied auf die Freundschaft zu Amerika – zu den Staaten! Toll, diese einseitige Dusseligkeit – deren Unterwanderung unserer Sprache hat mich schon lange aufhorchen lassen, dafür  brauchten sie gar nicht im Gegenzug abgehört zu werden, das erfolgt lautstark allerorts und tagtäglich. Und willig begrüßen unser leicht begeisterbares Volk diese Segnungen der Anglizismen. „Ich scheiß auf solche Freundschaft“ …ach Gernot Haßknecht, das sind doch alles nur „Peanuts“. Der Ami-Einfluß ist einfach „nicht nicht unabwendbar“, finde ich. Wenn ich nur an deren Einstellung zu Filmen denke: Niemals nackte Brüste, Herr-im-Himmel, nein! Gott bewahre, säuisch reden, klar doch, hemmungslos, aber nur nichts zeigen!  Nippel & Pimmel – NO WAY! Aber Kriegs- und Western- und Krimiszenen mit in Zeitlupe zerfetzten Leibern – das schon. Tolle Moral! Was die uns da „lernen“ – ja, schon nächster Punkt. Lehren und Lernen, da hätte man doch in der Schule bei den „Lernern“ besser aufgepaßt. Aber nein, dumm wie Brot, wie Staub wie …und was die nachrückenden Generationen sonst so geistreich absondern. Den überbordenden schwachsinnigen Phrasen ist keine Grenze gesetzt: Pipi in den Augen …oh mein Gott.

   Ich komme nun zu einem Kernpunkt, die sprachliche Korrektheit. Ja, genau das Thema für einen giftzwergMÄÄN – politisch korrekt. Als ich noch im Dienst war, und auch da lag es schon zwei Jahrzehnte zurück, kam von ganz oben die Anweisung, daß es nicht mehr „Zigeuner“ heiße – der öffentliche Dienst schreibe nun nur noch „Sinti & Roma“ (hören Sie mal bei diesen sich bewußt voneinander abgrenzenden Volksgruppen nach, wie begeistert die sind, da wird locker „geeintopft“, was nicht zusammen gehört). Egal, jedenfalls wurde schnell gewitzelt, ob man abends im Theater vor dem Sinti-Baron noch ein Roma-Schnitzel esse …so verlange es doch das ISM – das „Mysterium des Innern“. Darauf einen Ne…Schokokuß (Stefan Remmler von Trio bei der Ansage seines Songs Mein Freund ist Neger: „Wer mit dem Wort „Neger“ Probleme hat, sollte sich doch mal untersuchen lassen, wo das wirkliche Problem bei ihm bestehe“ …das war bei einem Wohltätigkeitskonzert für Integration und gegen Fremdenhaß!) – Neger ist eben nicht gleichbedeutend mit NIGGER!!! Aber wir sind ja soooo unantastbar und vorauseilend gehorsam freundlich.

   Lebendiges Deutsch, nach „Fußballer“Art (ich habe Vertrag) und mit unerschütterlichem „Verona“-Reiz (sone Männern)- wurscht, Hauptsache, die Frisur stimmt – und das muß für „verkopft“ reichen.

Da nimmt es nicht wunder, daß neuerdings so wenig geschrieben wird. Ich selber hatte in Deutsch eine 3 – und, was ist aus mir geworden!?!….Drei plus, geht klar. Aber ich bin jetzt frei – auch kein Innenministerium schreibt mir was vor aufgrund der dubiosen und lachhaft unausgereiften Rechtschreibreform, lanciert von einem Möchtegern in der sich mächtig geglaubten Duden-Redaktion, der meinte, er bestimme nun deutsches Geschreibe – der Knilch, der sich für Knigge hielt, dieser vermeintliche Rechtschreib-Kanzler! Die Rotstifte der Lehrer habe ich gottlob schon sehr lange nicht mehr zu fürchten, es ist himmlisch, exorbitant, genial und gigantisch, exorbitant und oberaffentittelgeil ….nun ist es Zeit, damit aufzuhören. Und das soll man doch, wenn es am schönsten ist, nicht wahr? Danke.

Mittwoch, 13. November 2013

Mein Deutsch 4


Mein Deutsch -Folge 4

(Sport kann Mordgelüste auslösen; zu Risiken und Nebenwirkungen …)

 

Früher war ich auch mal Sportler, lange her, wie man sieht, wenn man mich sieht – aber darum geht es hier nicht. Sitze ich an der Glotze, dann werde ich bei den Kommentatoren oft zum HB-Männchen! (vor dem Radio nicht minder) Profi-Sprecher! ... mitunter doof wie prominente Sportprofis aus der Werbung …und das kostet mich Kalorien! Man könnte mitunter meinen, der Gernot Haßknecht aus der HEUTE SHOW sei nur eine lahme Kopie „meiner Wenigkeit“ – nun weiß ich nicht, ob das ein Kompliment ist (klein, alt, dick, Pläte und Brille …rein äußerlich kann das hinkommen).

   Ich lebe schon lange damit, daß diese Pfeifen von Sport-Laberern  einzigste sagen. Ich muß mich eines Tages vielleicht sogar damit abfinden, daß nahezu kaum einer dieser Blödiane noch vermutlich von vermeintlich unterscheiden kann – alles ist bei den Deppen mittlerweile VERMEINTLICH. Sie raffen es nicht, daß sich ein vermeintlicher Favorit erst zuletzt entpuppen kann – zuvor ist er der hochgehandelte vermutliche Sieges-Anwärter. Kommt es anders, dann wird er zum vermeintlichen – weil man es irrtümlich angenommen hat. Hoffnungslos, hier eine besonders gelungene Kostprobe: „Wie nicht anders zu erwarten, hat wieder mal der vermeintliche Triumphator gesiegt“ – ach, leckt mich ….

   Neulich sagte es aus heiterem Himmel einer völlig korrekt – „der vermutliche Champion“. Ich sprang in die Höhe, jubilierend - wie bei einem deutschen Weltmeistertitel nahm ich Anteil! (im Sport bin ich Patriot…iotiot – „ohne Spaß kein FUN“, sozusagen, wie es einer der ganz Großen bei DSDS so trefflich ausdrückte).

   Ich halte mich jetzt und hier mal nicht mit den Verwechselungs-Klassikern als und wie auf, selbst scheinbar und anscheinend verkneife ich mir. Das hat mich schon ermüdet.

Sportler – da bekomme ich sofort Schlitzaugen der Wut! Das ist für meine Ohren krauenhaft – wirklisch chrecklisch! Isch krich dat Zipperlein!!! (unter wirklisch kein rotes Geschlängel – soviel zur automatischen Rechtschreibkontrolle – unter Geschlängel aber wirklich und wahrhaftig solches in Rot auszumachen …ich werd‘ nicht mehr) ….Geht’s noch?!?

Ach, hört mir doch auf – neee, doch nicht:

   Immer wieder zu hören -
Lieber etwas durchaus Frisches: Auf einmal erinnert man sich …ich erinnere (ja wen denn? Rückbezüglich gar sich selber???)…I remember, isch waissss. Ein anderer ist bereits angefragt worden (Krätze und Plack winken mir zuversichtlich zu).

Und im Training machen sie Situps statt Kniebeugen, joggen statt laufen, aber wenn sie LiegestützeN machen, dann wird es mir ganz blümerant. Sie können von Liegestützen reden, ja, aber die eigentliche Mehrzahl ist wohl immer noch die Liegestütze! (Duden, 24. Auflage – und dieses grüne Gekringel hier ist für den Arsch!) Dann schon lieber her mit einem Anglizismus, ach bitte, der tut im Grunde genommen weniger weh.

Die Mitgliederinnenund Mitglieder …so langsam ist mein Herz in Gefahr! Die Niederlage war ein SUPERgau – und sonst so?

Und dann die deutsch-südländischen Sprecher: Kina, nicht China. Kinesische  zumindestens – sie können sich nicht entscheiden, zwischen mindestens und zumindest!

Heute ist man IN der Arbeit, sie findet UNTER der Woche statt – ja, ich kann mich ZURÜCKerinnern … voraus erinnern ist einfach zu schwierig, obwohl: vielleicht ist es dieses vermaledeite ICH ERINNERE – es gibt nun auf dem Buchmarkt eine Autobiografie – Mein Leben – wie ich es erinnere. Na, wenn mich da nicht mal die Leselust überkommt ………NIEMALS!!!!

   Da nieste einer – der Radiomoderator, ein Profi der Sprache also, meinte, er habe genossen (ist das noch zu glauben?) – fließen, floß, geflossen – niesen ..noß?... genossen …Meine Güte: niesen, nieste, geniest! Penner – gib das Micro an einen fähigen Arbeitslosen!

Und komme mir niemand mit Doppel-S-floss …das erlernte ß gebe ich niemals her!!! Natürlich ist es noch nicht so ganz aus unserer Sprache getilgt, wie herzig und nett, aber den Weg der aussterbenden Umlaute Ä, Ö und Ü nimmt es ebenso bedrohlich. Die Umschreibungen laufen schon allerorts, es wird bald ausgelöscht sein. Aber nicht bei mir – ich muß (!!!) gar nix.

NICHT /MIT/MIR!

   Der hochqualifizierte Kollege Martin Walser hat gesagt, er werde niemals rauh ohne H schreiben – BRAVO – und für mich ist das „ß“ sprachliche „Tradition“, auch wenn das nichts heißt … (Tradition und Kulturerbe zählen bekanntlich zu meinen gezielt aufgespießten Themen).

Da gibt es im deutschen Nationalteam der Frauenfußballerinen (ich habe mir erlaubt, das zweite N wegzulassen, ein, wie ich finde, keckes Spitzlein) zwei mit diesem deutschen Buchstaben „Eszet“. Ich verstehe ja, wenn sie nicht mit Doppel-S geschrieben werden wollen; wenn ich das nicht verstehe, wer sollte dann… aber wenn auf dem Trikot Großbuchstaben sind – dann sieht das wie B aus: GÖßLING und KEßLER. Wäre doch gar nicht so übel, die normale Schreibweise Gößling und Keßler zu nehmen. Ach, verstehe, wegen des Auslandes …aber als Großbuchstaben? Völlig klar – alle Ausländer stellen sich ja auch auf uns ein, natürlich, selbstredend! Andererseits – wenn ich beschriftete chinesische Trikots erblicke – aber bis ich da etwas gelesen habe, das kommt mir auch in unserer Schrift chinesisch vor – UND NICHT KINESISCH!!!

Samstag, 9. November 2013

Au Backe! (2)


Au Backe! (2)

Peinliches aus meiner (Um)Welt

 
Mein Vater, ein Diplomat

Mein Vater war kurz zuvor in den Ruhestand getreten. Ich besuchte ihn, wir machten durch die Betzdorfer Innenstadt einen kleinen Bummel. Auf einmal hielt er inne, vor uns ein schwatzendes Rudel Rentner, er zögerte – aber da ich stutzte, schritt er forsch aus und war sichtlich bemüht, schnellstmöglich an diesem ihm offenbar unangenehmen Engpaß vorbeizuhasten. Flüchtig grüßte er rüber, zu spät. „Mensch Herbert, wie dann? Was meinste, wie die heute Abend spielen?“ Wir waren ausgebremst. Vater zuckte unangenehm berührt mit den Achseln. „Weiß nicht.“ „Wat, du weißt nicht? Die gewinnen, jede Wette, die gewinnen!“ Vater zeigte sich nachdenklich. „Gewinnen, na, wer weiß, ein Sieg …heute, …also, ja vielleicht, vielleicht auch nicht …“ Der andere schien geradezu empört. „Ist doch wohl klar ausgemachte Sache, der Sieg heute, anders geht das doch gar nicht!“ Und mein Vater „Ja, mag sein. Aber ich bin eben nicht so sicher.“  Vater wollte nur noch weg. Der Schwätzer gab nicht auf. „Mußt doch eine feste Einschätzung haben, wie die heute Abend spielen, Herbert! Was denkst Du, wie hoch die gewinnen?“ Vater versuchte, seine fluchtbemühten Füße zu kontrollieren, wollte aber auch nicht einknicken. „Naja, unentschieden wohl.“ „Unentschieden?“ Die Empörung griff um sich. „Die gewinnen doch!“  Zustimmendes Murmeln, bestätigendes Nicken der Getreuen um den Lautsprechertyp ringsum. „Ach, ich weiß nicht, mein Gefühl sagt mir …es wird nicht reichen – ich glaube schon an ein Unentschieden.“ Vater hatte sich nun doch festgelegt, Position bezogen, zum völligen Unverständnis der Schwafelrunde.

   Wir gingen weiter. Ich hakte nach. „Papa, wer spielt denn da heute?“ „WEISS ICH DOCH NICHT!“ röhrte er mich unwirsch von der Seite an. Das Thema war für ihn vom Tisch. Nun fragte ich mich, wer wohl heute noch spielte – und es mußte im Grunde genommen  nicht mal zwangsläufig Fußball sein. Die Wahrscheinlichkeit aber war hoch. Abends hatte ich vergessen, ins TV-Programm zu schauen. Vielleicht spielte auch nur Betzdorf …

 Parkieren Sie Ihr Auto!

Ich wollte nur mal das herrliche Schweizer Wort für unser simples „Parken“ verwenden. Es ist schließlich in der heutigen Zeit nichts Banales mehr, einen Parkplatz zu finden.

   Es war Flohmarkt, Stau der Autos in der Zufahrt, ich sah eine Lücke, näherte mich. Ein wendiger Fußgänger wetzte an mir vorbei, verstellte die Parkbox. Mit ausgebreiteten Armen verwehrte er mir überlegen grinsend die Zufahrt. „Das ist verboten“,  sagte ich ihm durch das runtergelassene Beifahrerfenster, „reservieren darf man nicht.“ Er war wohl aus dem Wagen hinter mir herausgehastet und stellte sich nun stur. „Sie haben mich einfach in der Einfahrt überholt – meine Frau fährt hier jetzt rein, das ist meine Parklücke!“ Nun hatte er mich – sowas mag ich. „Das ist Ihre Parklücke, völlig klar!“ Er griente zufrieden, ich machte den Wagen aus, stand also genau davor. „Was soll das jetzt, fahren Sie weiter!“ Nun wurde er ungehalten. Herrlich, wie reizbar er war – ob er Humor hatte? Ich stieg gemächlich aus. Seine Augen weiteten sich, empört rang er nach Atem. „Das ist Ihre Parklücke – lassen Sie doch mal schauen – herrlich, so eine eigene Parkbox, was?“ Anerkennend falsch lächelnd schritt ich in seinem Separee umher, er wurde bedrohlicher – „Hau ab, Mensch, das ist mein Parkplatz – nix da, überholen und einfach wegschnappen… ist doch wohl nicht wahr!“ Deutlich rote Placken an den Kiemen. Wunderschön, es stand ihm…also das Blut, im Hals. Kichernd schaute ich mich um. „Wie sind Sie nur daran gekommen – das muß toll sein, so stolz mit einer eigenen Parklücke zu protzen – ES IST IHRE ….keine Frage, ich wollte nur gratulieren, sagenhaft – so einen richtig eigenen Parkplatz zu haben, wunderschön.“ Voller Hochachtung  schritt ich, Zustimmung und Anerkennung  nickend mit der Miene des Bewunderers, umher.

   Er ist viel größer als ich, dazu gehört auch nicht viel – jedenfalls rückt er bedrohlich an mich ran. Ich schätze schon mal den Bereich seiner Klöten für den Fall der Fälle ein – man weiß ja nicht, schnell bin ich jedenfalls. Er faßt mich wohlweislich nicht an, aber rückt dicht auf mich zu. „Wegfahren, sofort!“ Aus dem Augenwinkel passe ich auf, ob was ringsum frei wird. „Ich wollte Ihnen nur gratulieren, so eine feine Parklücke, und dann die Ihre, Respekt, meinen herzlichen Glückwunsch wollte ich Ihnen nur…“ Ich artikuliere langsam, schinde Zeit, mache ausladende, respektvoll anerkennende Gesten mit den Armen. Ich schmücke meine Bewunderung zeitintensiv aus. Ich bin sein Fan.

   Nein, stimmt alles nicht. Ich bin dann weitergefahren. Hätte doch nur Schwarzenegger neben mir gesessen, oder Sly Stallone – tja, dann hätte ich das riskiert – oder es wäre gar nicht so weit gekommen, wäre ich als ein Türsteher ausgestiegen. So ließ ich mir nur Zeit, das Fenster hochzufahren, blieb noch einige Sekunden umschauend und herausfordernd stehen und erkannte letztlich weiter hinten nach gedehntem Fortfahren, gaaaaanz langsam, endlich eine andere Lücke. Sollte er doch „seinen Parkplatz“ kriegen, der Arsch – ich hatte eine Geschichte. Aber wenn ich mal groß bin ….

 Uns OMMA

Meine Großmutter, die bekannte schlesische „Philosophin“ Martha Becher (Schön ist ja wenn’s schön ist), fiel manchmal bei meinem Vater, ihrem Erst- und Einziggeborenen, in Ungnade, und zwar wider Willen, es passierte einfach. Und darauf lauerte meine Mutter nur, denn sie verstanden sich so ganz und gar nicht.

   Wir sahen im Fernsehen –es gab nur ein Programm- eine Dokumentation über Schulen in England. Und dann ließ sich meine Oma zu der unvergeßlichen Aussage hinreißen: „Was die kleinen Kinder schon so gut Englisch sprechen.“ Aus dem Sitz im Familienvorstandssessel schoß Vater hoch und fauchte mit rotem Kopf: „Red‘ doch nicht so einen Mist!“ Und meine Mutter kicherte, vollauf  zufrieden. Ihr Blick zu mir sagte nur: Tja, seine Mutter!