Samstag, 21. September 2013

Launen der Natur


An die Grenze ja
(über die Grenze nein)

Also früher, für mich die beginnenden 60er, da klärte mich mein Vater sozusagen auf den letzten Drücker notgedrungen im Auto auf. Ich hielt auf den Hintersitzen einen eingetopften Gummibaum für Oma in Schach – und mein Vater fuhr verbissen und schaute nicht mal in den Rückspiegel. Ich fasse es mal so zusammen, aus der Bravo hatte ich mehr Kenntnisse. Ich weiß noch, daß er Peniiiii sagte, das S ging ihm dann doch irgendwie zu konkret zur Sache. Und auch HOUMOU sagte er und bewegte dabei so seltsam den Kiefer … und das sei alles eine Frage des Zusammenreißens.
   Die Zeiten ändern sich, ich auch, bleibe aber unentrinnbar Vater’s Sohn, aber das ist ein anderes Thema. Ich habe viel gehört von schwul und lesbisch, Zwitter, Tunten, Kastraten, in neuester Zeit von Transsexuellen und Transgendern. Gottes Schöpfung ist weitgefächert, gewiß, und alle Menschen haben ihre ureigenen Probleme, in jeder Hinsicht. Aber muß immer alles so sehr auf dem Präsentierteller ausgelebt werden, gibt es denn keine Schamgrenzen mehr? Selbstbewußtsein in allen Ehren, aber detailgenau anderen alles haarklein aufnötigen – muß das wirklich sein?

   Love-Parade, Christopher-Street-Day und was alles an überzogenen Demos grell und plakativ abläuft. Nabelschauen in unsäglichster Ausprägung, es scheint in der uferlos zelebrierten Ausübung keine Begrenzung in Sicht zu sein. Aber gleichgeschlechtliche Ehen, Adoptionen bei gleichgeschlechtlichen Paaren; durchaus Themen, die sogar in meinen Augen ihre Berechtigung haben.
   Nur wehre ich mich dagegen, als Hetero abgestempelt zu sein. Das hat für mich persönlich einen leicht üblen Beigeschmack. Ich lehne mich nun mal wieder weit raus: Wie wäre es schlicht und ergreifend mit normal (und andere sind anders – natürlich nicht unnormal, das wäre diskriminierend). Aber diese Etikettenflut, das nervt mich total! Ich verkenne sicherlich nicht die speziellen Sorgen und Probleme. Aber was einfach zuviel ist …

   Und der Körperkult schlechthin, was ist das nur für eine Zeit, dieses selbstverliebte metrosexuelle Getue – bin ich denn schon so gealtert, weil mich Tattoos und Piercings in befremdetes Kopfschütteln treiben? Frauen-Body-Bulding geradezu Ekel in mir hervorruft. Bei Männern im Grunde genommen nicht minder. Natürlich könnte ich was gegen meinen wachsenden Bauch tun – aber die Zeiten des Leistungssportes sind vergangene, und jetzt mich an Apparaturen sinnlos Kräfte verschleudern lassen – das tue ich mir beileibe nicht an, einfach nur eine schreckliche Vorstellung. Nein danke. Schade um die viele schöne Zeit.

   Aber wir sind ja bei einem anderen Thema (dennoch erkenne ich darin einen Zusammenhang).

   Liebe Andersartige – einer meiner wichtigsten Lebenssprüche gilt auch hier: Weniger wäre mehr! Diese militante Aversion treibt Leute meines Schlages nur aus dem verständnisbereiten Teil heraus in die Ablehnung. Und da ist es dann zur Empfindung der Widerwärtigkeit gar nicht mehr so weit.
   Gut, daß die Zeiten vorbei sind, als in den ersten Micky-Maus-Heften die Kuh zumindest, in den USA, kein Euter haben durfte (wirklich!). In der Sexta lernten wir die 10 Wortarten, z.B. Substantiv für Hauptwort. Der Artikel blieb Artikel (Geschlechtswort, nein, das wurde nicht gesagt).

   Ich möchte mich nicht als Mann schämen müssen, den Frauen zugeneigt zu sein, Pardon „aber das wird man doch wohl noch sagen dürfen“. Vielleicht in diesen ach so aufgeschlossenen Zeiten in Bälde nur noch heimlich und verstohlen, quasi hinter vorgehaltener Hand. Und wird es dann wohlmöglich getuschelt heißen: Daß es sowas noch gibt ….
   Irgendwie auch gut, älter zu sein.

p.s. Ich hatte über viele Jahre hin einen Freund, der bisexuell war; in meiner Verwandtschaft ist eine lesbisch orientierte Frau  und über meine Lebensgefährtin kenne ich einen Homosexuellen, den ich sehr schätze und gerne mag (also spreche mir niemand bitte die Aufgeschlossenheit ab). Aber was mir zu weit geht, geht mir zu weit.

Sonntag, 15. September 2013

Breivik – der Killer

Werde ich ein Unmensch?

Menschen um mein einsiedlerisches Dasein herum - und die gibt es wirklich noch - machen sich Gedanken und sprechen es auch aus: Was mit mir los sei … welche Entwicklung ich einschlage? Mein ganzes Leben lang (und immerhin schon knapp vor 62 Zählern, hört-hört: da sind doch andere längst mausetot!) war ich eher der Typ des Neuen Testamentes – andere Wange hinhalten und so … aber das hat sich in den letzten Jahren gewaltig geändert, mehr AT mittlerweile: Auge und Zahn und so Dinger.

   Ein wenig mehr Ernst ist schon angesagt: Ich war immer ein verbissener Gegner der Todesstrafe; das hat sich etwas gelegt. Niemals einen Indizienprozeß als Auslöser, gewiß, aber wo es völlig unstrittig und eindeutig ist – „Die/Der wars“ – dann halte ich es bei Gräueltaten nicht mehr so für abwegig. Ich war zig Jahre lang der Diszi-MÄN der Polizei, Details darf ich hier nicht bringen, aber ich hatte bei fast 3000 Bediensteten nahezu alles – aber keinen Mörder, schon gar keinen Massenmörder. Und nun bin ich beim Thema: der norwegische berühmt-berüchtigte Rechtsextremist und „Killer“ Anders Breivik (2011 Attentat und Massenmord an 77 Menschen). Der hat eine kleine Suite als „Zelle“ – mit Verlaub, es ist eine Kleinwohnung. Nun geht es aktuell darum, ihm das Studium der Staatswissenschaft zu ermöglichen. Einen PC-Raum hatte er bereits.

   Geht es Ihnen auch so, daß man das alles nicht mehr nachvollziehen kann? Dieser Ekel, dieses unsägliche indirekte juristische Verbrechen an den Opfern? Die Zeiten von Kette, Wasser und Brot und so weiter sind lange dahin (warum eigentlich???) – Was ist mit SÜHNE? Wo ist der Versuch der Linderung der grauenhaften Schmerzen, der Hauch von Genugtuung für Opfer und Angehörige? Bin ich ein Haßprediger, wenn ich wirkliche „Pein“ für solche Bestien fordere?

   Human sein, sich nicht auf das niedere Niveau begeben, edel, hilfreich und gut zu sein, Güte und Barmherzigkeit – ach ja – aber wieso auch noch nahezu „goldene Schließriegel“ für die unbeschreiblich beispiellosen Straftäter? Für jemanden, der der menschlichen Gemeinschaft mit freiem Willen gänzlich entglitten ist – Pardon, das will ich erst gar nicht begreifen! Hierzulande geht es auch recht milde zu, ich war ein paarmal im „Hotel Rheinblick“ in Koblenz* anläßlich Abschiebungen. Schön ist das alles nicht, gewiß, und jedermann weiß, daß es in den richtigen JVAs mit den Langzeitbereichen schlimme interne Hierarchien gibt, und Mörder, speziell Kinderschänder sind naturgemäß ganz unten angesiedelt; die haben es wirklich schwer (und das ist doch gar nicht so abwegig, finde ich)  - das verstehe ich noch unter Strafe! Aber mehrere privilegierte Räume, von anderen aus Gründen des Schutzes wohlbehütet abgeschirmt (und gleich gellt es wieder „Isolationsfolter!!!“) – ja bitte schön, dann aber flott aufgemacht, die Tür, intern, dort unter den anderen …ach, es könnte so schön Sühne ausgelebt werden … jaja, ich weiß, aber man wird sich ja mal hineinsteigern dürfen.

   Nun wird der Herr Norweger aber studieren – mal sehen, wie es noch weitergeht, was ihm noch Gutes zuteil wird (ich komme um zynische Abgründigkeit gar nicht mehr herum). Und ob er wirklich und wahrhaftig lebenslang weggeschlossen bleibt – sein ganzes widerliches Dasein lang, gehätschelt und wohlbehalten? Auch wenn ich es sicherlich nicht mehr miterleben werden, bei normaler Lebenserwartung, aber ich gehe unter fataler Abgefundenheit davon aus: Auch der kommt irgendwann im Laufe der Zeit aus gnädigen Gründen durch sogenannte Gutmenschen wieder frei – jede Wette!

   Und ich galt mal als „Sozialromantiker“ – und war stolz darauf.


*auf der Koblenzer Karthause geht es nicht um schwere Mädels und Jungs, es ist ein Knast auf kurze Zeit, und natürlich ohne Fenster mit Aussicht (noch)

Sonntag, 8. September 2013

gleich


gleich

In der Schule davon gehört, in der Verwaltungsschule im Staatsrecht vertieft: Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Ist das nicht herrlich, diese unverbrüchliche Einfältigkeit, die uns von den Gesetzgebern verordnet wurde? Ich hatte von Anfang an meine Zweifel daran; das ganze bisherige Leben lang ist mir das Gegenteil zu dieser zugestanden gut gemeinten und wohlmeinenden (oder gut berechneten) Festlegung widerfahren, ich kann mir nicht vorstellen, daß sich daran etwas wundersam ändern sollte. Die Ungleichheit begegnet mir immerzu und allerorten.

   Wir alle wissen, daß Recht nichts mit Gerechtigkeit zu tun hat. Hier und heute geht es mir um das gleich sein, die vermeintliche Gleichheit. Mein erster Gedanke ist immer Orwells Animal Farm: Alle Tiere sind gleich, nur manche sind gleicher. Wer hat das noch nicht erlebt. Und wenn es für immer eingefräste Schulzeit-Erinnerungen sind.

   Ich bleibe hier mal bei dem GLEICH (nicht temporär, versteht sich). Wir sind nicht gleich – keine zwei Menschen sind gleich; sie gleichen sich, aber gleich ist sich nicht einmal der Einzelne: jeder Mensch hat zwei sich unterscheidende Hälften, ist asymmetrisch. Gar nichts ist mit „gleich“ – von gleichem Wert, diese Utopie hätte völlig genügt.

   Der Gleichheitsgrundsatz ist ein Hohn, die allergrößte Ungerechtigkeit. Aber meine speziellen Freunde, das Juristenpack, bemüht sich gebührenstark – es muß gleich gemacht werden, um jeden Preis, penetrante Gleichmacherei bis zum Anschlag, dafür kämpfen sie, die ach so Edlen - Gericht, Richter, Gutachter, Sachverständige – und letztlich vergleichen sie sich. Sie sollten sich nicht mit anständigen Menschen vergleichen.

   Gerechtigkeit ist immer ein Blickwinkel, eine Anschauung. Und jeder blickt aus seiner Warte, denn gleich ist keiner.

Für mich gilt immer noch der an manchen Stellen ausgediente Spruch: Wenn zwei das gleiche tun ist es nicht dasselbe. Dort hoppelt er richtig, der Hase, zickzack, immer weiter so.

Sonntag, 25. August 2013

Stars made in Germany


Kein Stern, wer diesen Namen trägt

 

Was habe ich aus Verzweiflung gelacht, mein Befremden mündete in Hohnlachen, anders konnte ich es soeben nicht zügeln: Im Internet ein Artikel  „Im Gagenhimmel – die Topverdiener im deutschen Kino“. Erst hatte ich ja noch Hoffnung, es werden große Darsteller ausgezeichnet (wer Großes zu leisten imstande ist, der wird auch demgemäß entlohnt, eigentlich logisch) … von wegen.

   Achtung, Achtung, Leute, es geht los, ich nenne nur einige der Namen:

Maximilian Schell  - ist das noch zu fassen, eine lächerliche Mumie aalt sich noch immer auf ururalten Lorbeeren, schlagzeilt nur noch mit der Heirat einer bislang unbedeutenden „Sängerin“, die um die fünfzig Jahre jünger ist …na, was hat das wohl mit Geld zu tun?
Maria Furtwängler – diese spröde-dröge, farblose Nordgestalt heimst die dicke Kohle ein, ich kann das gar nicht glauben; ich schätze ihren Darstellungs-Bewegungsradius auf höchstens einen Meter (ich höre irgendwo Gestöhne, „ach, in Auf der Flucht war sie doch so toll“) – ja Mensch, wäre sie es doch!!! Ärztin soll sie auch noch sein – ich würde ihr kein Hühnerauge anvertrauen, wenn sie so praktiziert, wie sie mimt.

Die Ferres – offenbar unumgänglich im deutschen Filmgeschäft – man stelle sich mal vor, eine absolut einzigartige Nichtskönnerin bekommt auch noch Geld für ihr zweckloses verbissen verkrampftes  Bemühen …wo leben wir eigentlich? Würde es nicht vollauf ausreichen, sie an der Seite dieses Geld-ungsbedürftigen Widerlings zu wissen – von ihm mal nicht gesponsort, sondern zu unser aller Sicherheit finanziell gesättigt auf die publikumsferne Seite gezogen – bitte Gnade!
Eine dralle, ausschließlich von Alterspanik sichtbar beherrschte Neu(ge)bauer  gehört auch schon so gut wie dazu (mir fehlt in dieser ad hoc Abrechnung die Zeit, den richtigen Namen noch mal nachzuschauen), aber machen Sie die Glotze an – irgendwo werden Sie derzeit immer von ihr belästigt …wenn Sie nicht der unerträglichen Verblödung ausgeliefert werden wollen – schnell wieder ausschalten,  ich rate Ihnen gut.

 Pardon, aber ich habe jetzt bereits die Schnauze voll - es wird ja von „denen da oben“ ohnehin sofort die Neiddebatte selbstverteidigend beschworen, kennt man ja allenthalben, geschenkt. Ich sage nur mal HOHNLACHEN…AT IT’S BEST (um dem ganzen nun einen internationalen Tatsch zu verpassen, ich bin so frei) – aber bitteschön: Wer, allen Ernstes, kann da noch dem internationalen Filmgeschäft die Mißachtung der Deutschen verdenken? Ich bitte Sie …jedes Publikum bekommt letztlich, was es verdient.

 Nachsatz

Mario Adorf findet meine Achtung, Götz ohnehin; es gibt zudem noch viele aufstrebende neue Talente beiderlei Geschlechts, das läßt mich für die Zukunft hoffen. Blicke ich zurück, wir hatten mal einen Fröbe, eine Flickenschild, Martin Held, die sich gottlob letztlich entwickelte Romy, das Giller/Tiller-Pärchen …aber am Beispiel Heinz Rühmann sage ich mal, wie ich es empfinde – nettes Kerlchen, amüsant, nazigerecht, paßte alles jederzeit ins Umfeld. Aber wann war er mal der üble Typ, der Fiese, der Unsympath - nie, oder? Sehen Sie, und das macht in meinen Augen den wirklichen Könner aus, mal beherzt abweichend von der kaum angekratzten Linie der pekuniär bewährten Selbstdarstellung, der in jede Richtung hin besetzt der Rolle glaubhaft gerecht wird! Nicht unablässig und unermüdlich derselbe sein.


Oh, bald hätte ich ihn vergessen – Klausimausi Kinski – der lebte alles exzessiv aus, im Bösen (sehr oft) wie aber auch, nicht zu vergessen, im Guten – ein böser Gott seines Faches sozusagen. Ganz kleine Schritte versuchen die Riemann und der Lauterbach, denen man privat bloß nie begegnen möchte – muß ja nicht, sie können aber was! Und mehr braucht es doch auch letztlich nicht.

Mittwoch, 14. August 2013

Gustl


Herr Mollath

Die Geschichte spricht für sich – Juristen, Ärzte, Politiker – eine perfidere Kombination gibt es in meiner Erfahrungswelt gar nicht: Hier ist einem Menschen allerbitterstes Unrecht widerfahren. MAN hat ihn für verrückt erklärt und sieben Jahre der Freiheit beraubt, obwohl er nur die Wahrheit äußerte,  vergeblich – von einer immer noch im Amt befindlichen unsäglichen Justizministerin achselzuckend hingenommen (die sich nun aber, allen voran, erleichtert über die Freilassung des geschundenen Menschen zeigt). Ein Unding für sich. Mir geht es heute um eine für provokante, polarisierende Werbung bekannte Auto-Vermietung. Niemals werde ich sie nennen, denn das ist ihr Anliegen – auffallen! Und dies egal wie, um jeden Menschenpreis. So haben diese üblen Genossen es fertig gebracht, das Bild des Gustl Mollath (dessen Justizskandal nun aktuell in aller Munde ist) ungefragt zu verwenden mit der Untertitelung: „Wenn hier jemand verrück ist, dann ….mit seinen Preisen!“

   Nun kommt es, wie geahnt - man entschuldigt sich, man habe ihn als eine Person der Öffentlichkeit gesehen und geglaubt, man dürfe dies und so weiter (wie einen Lothar Matthäus, die Frau von Ochsenknecht, drittklassige Models und die altbekannte Riege der üblichen Verdächtigen – wir kennen alle diese fragwürdigen Figuren). Natürlich bietet man Herrn Mollath nun ein Honorar an (die Schadenersatzklage des Anwaltes von G.M. haben die doch längst einkalkuliert –  Hauptsache, sie werden genannt! Empörung der wenigen einerseits – ihr Name aber immerzu als Autovermieter weiter einprägend bei der breiten Masse). Die Leute interessiert doch kein Menschenschicksal, die suchen einen Autovermieter, und zack, es klingelt, Reklamebild vor Augen, ja richtig, es gibt doch …- so muß Werbung! Auf allen Kanälen, in allen Blättern, in jeder Nachrichtensendung. Sie sind mit diesem Coup für eine gewisse Zeit in aller Munde. Kostenlose Werbezeit bei allen Sendern! Clever kann sooo zynisch sein.

   Es ist unsäglich. Ginge es nach mir, würde der Schadenersatz so hoch angesetzt, daß diese Firma Insolvenz anmelden müßte – so ginge Menschlichkeit! Aber klar, das entscheiden ja meine speziellen Lieblinge vom Juristenpack. Wir wissen, Recht hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun – es geht um Geld, wie in der Politik auch. Immer nur Mammon. Und nichts anderes zählt.

   Meine persönliche Genugtuung kann nur so aussehen – niemals die Firma   Die -mit-dem-Mollath in Anspruch nehmen, wie ich auch ums Verrecken nicht das Müsli des ob seiner gruselig dilettantischen nervtötenden  Ich-werbe-als-Chef-selber essen würde, oder Produkte aus der Werbung mit großen Sportlernamen, linkisch agierende Dämlacke in gnadenloser Talentlosigkeit.

Merken Sie, wie anstrengend es ist, die Namen zu umgehen? Werbung ist abgefeimt und gerissen. Und glauben Sie jetzt bitte nicht, wenn Sie keine Werbung schauen, berühre das Sie alles nicht – Sie können dieser aalglatten Heimtücke gar nicht entgehen, unbewußt werden Sie vereinnahmt, glauben Sie mir bitte. Die einzige Konsequenz kann nur sein – bewußt dagegen zu steuern, für sich persönlich entscheiden, nicht bei den Billigdiscountern Kleidung oder so zu kaufen - mehr kann ich nicht tun.

Dienstag, 6. August 2013

Socken


Gesocks


Tja, da liegen Sie jetzt aber richtig falsch. Nein, ich steigere mich nun nicht in eine Leute-Abrechnung hinein, es geht schlicht und ergreifend um … Socken.

   Und als Pärchen sind sie ja recht gut und willkommen; ich meine hier und jetzt natürlich die einzeln verbliebenen Exemplare beim Waschen, jede(r) kennt das – es bleibt Murphy-gerecht nahezu regelmäßig ein Exemplar beim Aufhängen übrig. Eine Socke (und nicht etwa ein Socken, Gott bewahre, regionale Spracheigentümlichkeiten hin oder her). Die zweite Socke findet sich dann aber doch, in der Waschmaschine, neben der Wama, im Korb, hinter dem Wäschekorb, im Treppenhaus oder so weiter. Die Socke, das unbekannte Wesen.

   Seit Monaten liegt ein Söcklein bei mir auf einem Schränkchen im Bad neben der Waschmaschine. Und wenn ich Monate sage, meine ich das auch. Das Gegenstück ist bislang nie mehr aufgetaucht. Nicht mal in einem Zipfel der verschiedenen Bettbezüge, einem bevorzugten Versteck für diese Sonderlinge. Hausfrauen-Ratschläge mit Klammern oder paarweise zusammennähen, schlage ich nach wie vor in den Wind – das muß nicht sein. Wo bliebe da auch der Reiz, der endlose Wettkampf Mensch gegen Sache? Und überhaupt: Ich hasse Zwangsverbindungen. Man findet zueinander, oder eben nicht. Singles muß es einfach geben, das ist menschlich wie sächlich. Und das Deckelchen für dieses einsame Töpfchen wird auch irgendwann wieder auftauchen.

  Nun habe ich bald Urlaub – Urlaub unter der garantierten Insel-Sonne (obwohl ich in Old Germany derzeit auch nicht klagen darf). Und da brauche ich meine Söckchen-Pärchen, aber natürlich – ich will ganz der Deutsche sein: Socken in Sandalen, das gehört sich für mich einfach so. Ein bißchen Nationalstolz auch an den Füßen. Müssen ja keine Tennissocken sein, da bin ich flexibel. Ich will, daß meine holde Lieblichkeit verzückt jubelt: „Da kommt ja mein deutscher Sunny-Boy!“ – oder so was in der Art, Sie wissen schon. Ich will schließlich nicht immer wieder und immer nur auf meinen Körper reduziert werden. So, das mußte mal gesagt werden!

Sonntag, 28. Juli 2013

Organspende


Organ-Geschäft

Es sollte eigentlich um Organspende gehen, aber schon das Wort Spende läßt mich zögern. Ja richtig – ich bin Gegner dieser Menschen-Täuschung: Ich hatte schon immer meine Zweifel – da brauchte ich erst gar nicht die Aufdeckung der Skandale aus jüngster Zeit. „Ein Hirntoter kann sieben Menschenleben retten!“ Ach – echt??? Glückselige Reklame-Menschen feiern nun einen zweiten Geburtstag, ja-ja! Und der Klassiker: Wir schauen in die großen Augen des sehnsüchtig auf ein Organ wartenden Kindes, das hat Wirkung, die fröhlich weiterlebenden Geretteten – den Spendern sei unendlicher Dank gewiß! Wen rührt das nicht an, das verstehe ich alles – nun  habe ich, weil es doch aktuell ist, mir sofort einen Spenderausweis beschafft – und angekreuzt, dick und fett: NEIN, ich widerspreche einer Entnahme von Organen oder Geweben (tauchte unter 5 Punkten, richtig getarnt finde ich, als 4. auf). Nun bin ich ein wenig beruhigter. Meine Maxime lautet: Ich gebe nichts, ich nehme nichts!

   Warum? In der Fachliteratur zu diesem durchaus komplexen Gebiet ist schon mal zunächst der Hirntod eine recht strittige Angelegenheit – und ich bin schon aus Prinzip eher auf Seiten der Skeptiker als der Befürworter (die grundsätzlich von irgendwo finanziert werden). Wer mehr dazu wissen möchte, daß an einem herumgeschnippelt wird, wenn man alles andere als wirklich tot ist, lese die sehr zu empfehlenden Bücher von „Nestbeschmutzern“ wie Frau Professor Dr. Anna Bergmann* oder Richard Fuchs** . Viel zu wenig wird von der qualvollen Nachsorge berichtet: Dem unablässigen Kampf des Körpers gegen die naturwidrige Heilung, weil er das Organ abstoßen will. Und die protzig bezahlte Medizin geht dagegen an: Der Mensch zeigt der Natur, wie überlegen er sein kann.

   Ich bedurfte für meine ohnehin vorhandene Skepsis gar nicht erst der Transplantations-Skandale. Dass es um das liebe Geld, die Geschäftemacherei letztlich auch hier geht, war mir intuitiv klar, ich kenne doch meine lieben Mitmenschen. Wer mehr zahlt, und vor allem verdeckt, der ist früher dran, niemals hätte ich da auch nur einen Moment Zweifel gehegt.

   Nein, mir hat einfach die Erkenntnis gereicht, daß es überall, vornehmlich natürlich in der Dritten Welt, sowas wie Schlachthäuser für Menschen gibt. Das ist kein Horror-Szenario, das sind Tatsachen. Rauschgifthandel ist nur ein Teil der versteckt praktizierten Milliardenmärkte – tagtäglich verschwinden hunderte und aberhunderte Menschen, für immer unauffindbar. Und in den Favelas und Slums und Ghettos wird nicht allzu lange nachgeforscht, letztlich sinnlos  – dies geschieht dort seit Jahr und Tag, immerzu!  Wer soll sie auch suchen oder ernsthaft ermitteln, wo gut geschmiert wird ist das Teil der Organisation. Das läuft alles auf  besten Vertriebswegen. Die Aus- und Einfuhr von Organen, der „akribische“ Papierkram, das ist doch für Verbrecher-Organisationen kein Problem!

   Und nun von der Spenderseite zu den finanziell starken Empfängern. Herzanrührend, wenn die Rettung ansteht, natürlich – zunächst muß das ersehnte Teil eingesetzt werden, in der heutigen Maschinerie schon fast ein Klacks, die Folgeprobleme bleiben erst mal außen vor. Wer fragt schon lange, wo das alles auf einmal herkommt. Die verzweifelten Menschen wollen es doch gar nicht wirklich wissen. Sicherlich ein Unfallopfer, unabwendbar – das kommt immer gut, wer will in dieser Lebenssituation noch die Rettung hinterfragen.

  Meine spezielle moralische Hürde ist noch anders: Ich könnte nur weiterleben, wenn jemand anderes dafür stirbt, auf welche Art und Weise auch immer. Mal ganz legal ein Unfallopfer zugrundegelegt – ich warte also händeringend darauf, daß jemand den Löffel abgibt!!! Für mich. Allein diese Hürde könnte ich nicht nehmen. Ich könnte nicht die Achseln zucken „Jaja, traurig, schon wahr, aber ich konnte doch den Tod dieses bedauernswerten  Unfallopfers nicht verhindern – aber dieser Mensch kann mein Leben retten!“ Und gut is. Leben um jeden Preis?

   Es gibt den Zufall, es gibt die Bestimmung, ein großer Diskussionsbereich: Aber es ist mein Schicksal, wenn ich ein Todeskandidat bin – und wenn nur eine Verlängerung meines Lebens über die Spende eines anderen möglich wäre – nein danke, ich akzeptiere mein Los. Und sagen Sie bitte nicht, ich sei jetzt schon herzlos. Ich will kein anderes.

   Auch hier trifft für mich wieder eine meiner wichtigsten Lebens-Maximen zu:

Der Mensch muß nicht alles machen, was er kann!

 

Eine kleine Auswahl der Bücher von Warnern und Mahnern:

* Der entseelte Patient, Herzloser Tod

**Das Mordsgeschäft, Sterben auf Bestellung, Spenden was uns nicht gehört, Das Geschäft mit dem Tod, Organspende (Die verschwiegene Wahrheit)

Freitag, 26. Juli 2013

Ess-Kultur


ESS-Kultur

Nun heißt es schon bald wieder … nach dem Urlaub. Und dann wird besonders in der kühlen und dunklen Jahreszeit häufig das Ausland im eigenen Umland besucht, Taverne, Pub, Pizzeria und so. Damit die Gefühle wiederbelebt werden, reaktiviert der Ex-Urlauber die Kenntnisse der Sprache, er und sie grüßen und speisen und trinken und verabschieden sich herzlich in deren vermutetem Idiom. Und dabei juckt es kaum, daß üblicherweise Balkanländer unter sich Personal ergänzen, Italiener und Spanier, Engländer und Iren, Asiaten sich großräumig um ihre Sollstärke bemühen. Wer sollte es hinterfragen, labt man sich doch nun kulturell bemüht. O Gott, sind wir nicht global? Ich weiß nun nicht, ob man sich in afrikanischen Gaststätten Kuskus von Hand einführt, aber Stäbchen in asiatischen Stuben - ein MUSS! Und mit ein wenig Übung geht das auch – aber warum eigentlich? Die wahren europäischen Artisten bringen eigene Hölzchen mit – ich habe noch nie in ein Lokal mein Besteck mitgebracht; aber sage niemals nie. Die per Taxe überbrachte Sushi-Auswahl, auch in den eigenen Wänden stilistisch einwandfrei zu goutieren (und Üben, Üben, Üben!), na klar, wer kann der kann. Beim Reis wird es schon prickelnd, eine europäische Jonglage – denn den Napf direkt an die Unterlippe, das ist hierzulande wiederum …ach ja. Für meinen Teil reicht doch die Aufgeschlossenheit gegenüber dem Gericht – wieso sollte ich auf unser Besteck verzichten? „Ein Stilbruch“, höre ich allenthalben, das kannst Du doch nicht machen! Gut, ich war nie in Asien, schlechtes Beispiel. Aber Sie verstehen sicherlich meine gefühlte Bedrohung …
  Auch hierzulande gibt es bedenkliche Eigenarten: von sich weg suppen, die Unterseite der Gabel behäufeln. Als fein gilt es, sich das Butterbrot mit Messer und Gabel munden zu lassen. Eine affektierte Dame beobachtete ich mal über alle Maßen amüsiert, als diese ihr gut und fein belegtes Brötchen traktierte – mit dem Eßbesteck! Trotz der gezickt abstehenden kleinen Finger war es auch für sie kein leichtes Unterfangen, aber beharrlich zog sie diese Nummer durch, köstlich. O wie schade, ich sähe sie gerne mit eigenem Besteck bei diesen McBurgers oder so.

  Die große deutsche Philosophin Martha Becher, also meine Oma, pflegte den Ausspruch: Wenn wir Dich und den lieben Löffel nicht hätten, müßten wir die Suppe mit der Gabel essen. Vielleicht ist das aber irgendwo so üblich? Das müssen dann schleunigst die willfährigen Sympathisanten praktizieren, da hege ich keinen Zweifel.

  Kurzum, was ich damit sagen will und wofür ich plädiere: Für mich gehört die Klappstulle in die Hand, das ist mehr als Nahrungsaufnahme, das ist auch Nostalgie, mein Wiedererleben der Kindheit. In manchen Häusern wurden diese großflächigen Scheiben nicht mittig geteilt, die Kinder balancierten diese flatschigen und gottlob großzügig beschmierten „Brote“ über den Handrücken hinaus. So sind wir aufgewachsen, das ist unsere Eßkultur. Die Alten schnitten sich Häppchen zurecht, die sie natürlich von Hand mümmelten – sie wußten, was sie taten.

  Aber das Abenteuerliche wird oft zu dubios nachgeäfft, dann wird daraus eine ES-Kultur: Nicht nach ihm und nicht nach ihr! Albern irgendwie.

Freitag, 19. Juli 2013

Pamplona


Pamplona

Vielleicht ist der Ort gar nicht so übel – der Name allerdings bürgt für fragwürdiges Brauchtum. Natürlich, wie jedes Jahr: Nun rennen sie wieder, die Helden spanischer Art, vor allem, geschäftsträchtig geschürt, unter internationaler Beteiligung. Völlig aus dem Häuschen, aufgekratzt und selbstbefeuert, Hemingway* sei es gedankt – Adrenalin-Junkies mit teilzeitig ausgesetztem Resthirn. Unter Applaus der johlenden Menge wetzen Alt und Jung um ihr Leben (was für ein Leben ist das eigentlich?). Und manchmal erwischt einer der ohnehin dem Tode geweihten Jungstier auch einen der vor ihnen fliehenden Schwachköpfe. Das wäre es allerdings, was ich mir gerne vor Ort anschauen würde – dem Fernsehen sei es gedankt, diese Momente werden jährlich festgehalten, wenn ein aufgebrachter Stier so einen Hanswurst durch die Straße schleudert, diesen Jämmerling der Hose beraubt, egal, wieviele Kaschper ihn abzulenken versuchen. Schade ist, daß sich so ein traktiertes Arschloch bei Überleben sein erbärmliches Leben lang als toller Hecht fühlen wird ob der Blessur-Orden, mit stolzgeschwellter Brust womöglich Narben und Verstümmelungen vorweist.
   Es passiert aber einfach noch zu wenig, finde ich, bis man sich vielleicht über die Geschäftemacherei hinaus besinnt, eventuell die Spielregeln zu bedenken. Den ganzen Irrsinn mal hinterfragt und nicht mit Traditions-Gewäsch daherkommt. Die Sanitäter und Ärzte und Operateure haben viel zu tun – wie fühlen die sich bei diesen künstlich inszenierten Rettungs-Anlässsen? Zahlen das gar die Krankenkassen? Das wäre schon mal der allererste und übelste Skandal. Neben der Tierquälerei.

   Tradition, schallt es immerfort – ich kann das nicht mehr hören. Bei den alten Indianerkulturen waren Menschenopfer traditionelle Riten – bei lebendigem Leib den Opfern das Herz herausschneiden. Gilt doch meines Wissens heute nicht mehr (außer bei den dubiosen Praktiken der Organbeschaffung – dazu demnächst mal mehr). Das alles beherrschende Geld erhält heutzutage hier wohl die sonderbaren Bräuche. Tourismus! Dann aber doch bitte fair sein: Der Stier, der einen der Wichtigtuer erwischt, sollte der hinterhältig feigen Schlachtung mit Bravour entgehen und überleben dürfen – wie eine heilige Kuh in Indien sollte er nach meiner Auffassung freies Geleit auf Pamplonas Straßen haben – und der Reiz bliebe das ganze Jahr erhalten! Der Stier als Jäger – auch nicht schlecht.

   Meine Lieblings-Filmsequenz aus einer StierKAMPF?arena (doch wohl eher Tierquältheater!): Vor seinem absolut gewissen Tod sprang mit ungeahnter Kraft letztes Jahr ein Stier in die Zuschauer-Ränge! Mein Gott, hat mich das begeistert, wie er die Menge der blutrünstigen Gaffer zur kreischenden Panik-Meute aufmischte – ganz großes Kino. Das war mal ausgleichende Gerechtigkeit – wer sich in die Gefahr begibt … DER war wirklich ein ganzer Kerl, der um sein Leben kämpfende Stier – und vor dem habe ich allergrößte Hochachtung.

 *Ernest Hemingway hat fraglos ganz große Romane hinterlassen – aber wie es bei so großen Könnern ist: Sie sind sogenannte Fachidioten! Schreiben, das konnte er, aber dahinter stand eine für mich völlig verkorkste Persönlichkeit – ein geradezu peinlich verwirrter Selbstdarsteller mit einer seltsamen Lebenseinstellung. HINTERFRAGT DIE HELDEN!

Freitag, 12. Juli 2013

Unter Leuten 1


Flohmarkt

Oder Trödelmarkt, oder gar „Antikmarkt“ – der Begriff kann schnell gewagt sein, wenn man so näher hinschaut, was sich Leute trauen, zum Verkauf anzubieten. Aber unterhaltsam ist es allemal. Schon gerade wenn das Wetterchen mitspielt, ist so ein Bummel angesagt. Ich kenne die Märkte meiner Region – bei manchen war ich zweimal: ein erstes und ein letztes. Aber dann die, dich mich jedes Jahr oder regelmäßiger anziehen: Die es mir wert sind!

   Stände von und mit Familien sind mir am liebsten, aber die „fliegenden“ gewerblichen Händler –was haben diese Murks-Anbieter dort eigentlich verloren?- egal, ich eile vorbei – von Buchkarton bis zu Buchregal, alles andere überschaue ich grob. Mit dabei habe ich meine ewige Suchkladde, eine aktuelle Strichliste, grob sortiert, wonach ich noch schaue und vor allem, was mich interessiert und ich noch nicht habe. Was schon gelesen, weiß ich, was aber vorrätig daheim auf Halde liegt, ist mir nicht so präsent – ich habe schon fünf Kartons mit Doppelkäufen – aber bei 50 Cent bis zu 1,50 bei neuwertigen Taschenbüchern und Gebundenes von 1 bis 3 Euro – kein Verlust, nur eine Art Übergang.

   Die Familiengemeinschaften sind es, die oft die Bücher von Onkel Egon oder Oma Erika verscherbeln. Kess ist es, wenn ich gefragt werde, was ich denn suche – und das, wenn eine schier unüberschaubare Flut von vier bis sieben Bücher feilgeboten wird – drollig. Aber Verkaufsgespräche mit Kindern, von Eltern akribisch und stolz überwacht, die machen Laune. Dann zücke ich mein Ringbuch und zeige auf Listen, wo es unter hunderten gestrichener Positionen ungezählte offene gibt. Nein, selber suchen ist doch der Pfiff bei der Sache, vor allem das Auffinden. Aber wenn es gänzlich unnötig  erschwert wird, dann ist es ein Abwägen: Soll ich wirklich in der lieblos verstopften Kiste gebückt kramen, mir den Hals verrenken an falsch eingeräumten Buchrücken? Der Knaller letzte Woche auf meinem allerliebsten Markt in Erpel, Osannamarkt: Geschätzte 20 gebundene Bände, mit traumwandlerischer Sicherheit die Beschriftung aller, aber auch aller, kopfüber von einer schon auf den ersten Blick sehr eigenwilligen, verbissen agierenden Frau in hinterster Position für den Interessenten unerreichbar aufeinander geschichtet. Zuerst drehte ich ja noch den Kopf, dann war sie hilfsbereit – und drehte selber, aber nicht die durchaus wohlerhaltenen Bände in die Leserichtung, sondern las persönlich über Kopf die Titel vor. Sie dachte gar nicht daran, das Büchertürmchen einfach mal zu drehen. Selbst mein deutlicher Wink brachte nichts …aber auch keinen Kauf, bei so viel vernagelter Sturheit schon aus Prinzip nicht. Ach wäre das schön, wenn diese halsstarrige Pißnelke (oh Pardon, auch für einen giftzwergMÄÄN zu ehrlich) das jetzt läse…

   Handeln bringt auch nur bedingt Spaß. Ein Beispiel: Ich hatte schon ein Dutzend Taschenbücher, durch die Bank völlig neuwertig, will sagen geradezu ungelesen, an verschiedenen Ständen für 50 Cent oder dickere Ausgaben für einen  Euro gefischt …und dann geriet ich an so einen dreist-bräsig-behäbigen Knallchargen  und der wollte für ein angefleddertes, völlig abgegriffenes Bändchen „zwo fuffzisch“ kassieren … tja, dann beginnt bei mir noch nicht mal das Feilschen.

   Die Nase macht es auch, ich glaube, Sie können es deutlich herauslesen. Es gibt „sone und sone“ – und ich kaufe lieber teurer bei einer bezaubernden, quickfröhlichen Jungmaid als bei einem muffigen, vergrätzten Stinkstiefel, auch wenn der „halb geschenkt“ anbietet. Man gönnt sich ja sonst nichts, sagte damals Onkel Strack.

   Nun fehlt mir nur jemand, der Lust hat, mit mir einen Stand zu betreiben, denn ich habe doch noch die besagten fünf Kartons! Am liebsten in Gesellschaft eines putzmunteren Mädels – den Muffkopp mache ich persönlich. Es könnte ja einer wie ich vorbeikommen, und dann stünden die Verkaufschancen letztlich doch ganz passabel!